«Die Schweiz missachtet die Menschenrechte»

Nach 120 Tagen Hungerstreik will Rappaz ab Freitag wieder Nahrung zu sich nehmen. In einem Communiqué erläuert der Hanfbauer die Gründe.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Richter in Strassburg hatten am Montag Rappaz' Forderung nach sofortigen Massnahmen abgewiesen und von ihm verlangt, seinen Hungerstreik während des Verfahrens zu unterbrechen. Ein Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs werde erst in zwei bis drei Jahren ergehen, hatte Rappaz' Anwalt erklärt.

Das Gesuch des Wallisers um einen Haftunterbruch hatten alle Schweizer Instanzen abgelehnt, worauf er sich an die Strassburger Instanz gewandt hatte. Der inhaftierte Hanfbauer isst seit nunmehr 120 Tagen nicht mehr. Er nimmt aber Vitamine, Salz und gezuckerten Tee zu sich. Ab Heiligabend will er nun wieder essen.

In seiner Medienmitteilung vom Donnerstag dankt Rappaz all jenen in der Schweiz und anderswo, die «ihre Solidarität gezeigt haben». Und er wiederholte seine frühere Kritik: «Die Schweiz missachtet die Menschenrechte, indem sie es zulässt, dass ein Häftling hinter Gittern an Hunger stirbt.»

Schweiz scharf kritisiert

Rappaz beklagte sich auch darüber, dass die Richter in der Schweiz von den politischen Parteien gestellt würden. Die Schweiz sei «in den populistischen Rechtsextremismus und den Faschismus geschwenkt».

«Meine Aktion hat dazu geführt, dass der medizinische Bereich sich einstimmig für die Respektierung der Menschenrechte und gegen die mittelalterliche Folter der Zwangsernährung stellen konnte», heisst es weiter.

«Werde ruhige Weihnachten haben»

Rappaz' Anwalt Aba Neeman zeigte sich sehr zufrieden und erleichtert über die Entscheidung seines Klienten, den Hungerstreik zu beenden. «Ich werde eine ruhige Weihnacht haben», sagte er zur Nachrichtenagentur SDA.

Der 57-jährige Rappaz muss wegen schweren Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz und weiterer Delikte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten verbüssen. Seit vergangenem März ist er in Haft. Mit dem zwei Mal unterbrochenen Hungerstreik protestierte er gegen die seiner Meinung nach zu hohe Strafe. (pbe/sda)

(Erstellt: 23.12.2010, 20:38 Uhr)

Stichworte

Bernard Rappaz. (Bild: Keystone )

Artikel zum Thema

Hanfbauer Rappaz soll seinen Hungerstreik unterbrechen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg verlangt, dass der Bernard Rappaz seinen Hungerstreik unterbricht. Eine sofortige Freilassung fordert das Gericht indessen nicht. Mehr...

Hanfbauer Rappaz nimmt Vitamine zu sich

Bernard Rappaz' Anwalt bereitet eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg vor. Um sich bei Kräften zu halten, nimmt der Hanfbauer Vitamine, Zucker und Salz zu sich. Mehr...

Kein Haftunterbruch für Rappaz

Der aktuelle Gesundheitszustand des Wallisers rechtfertigt laut Bundesgericht keine vorübergehende Freilassung. Es weist ein entsprechendes Gesuch des Hanfbauers ab. Mehr...

Werbung

Immobilien
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Trend: Mintgrün
homegate Wir präsentieren Ihnen Mintgrün - die neue Trendfarbe. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Die Welt in Bildern

Buntes Zusammenspiel: Hindus versammeln sich am Ufer des Sun Lake zum religiösen Festival in Chatt Puja im Norden von Indien. Sie verehren den Sonnengott Surya. (30. Oktober 2014).
(Bild: Ajay Verma) Mehr...