Schweiz

Streit um Raabs Fischfarm geht in die nächste Runde

Von Daniel Wirth, sda. Aktualisiert am 11.09.2010

Der Fischzüchter spricht von einem Kompromiss, der ihm den Betrieb seiner Fischfarm erlaubt. Die St. Galler Behörden verneinen dies: Der Streit um die Melanderfarm geht in die nächste Runde.

1/7 «Mein Lebenswerk»: Hans Raab, hier im April 2009 auf seiner Fischfarm.
Bild: Keystone

   

Die St. Galler Behörden wollen nichts wissen von einem Kompromiss zwischen dem Konkursamt und Hans Raab, wonach der Deutsche den Betrieb in seiner Fischfarm in Oberriet wieder aufnehmen dürfe. Raabs Aussage treffe nicht zu, teilte der Kanton am Freitag mit.

Der streitbare Unternehmer hatte dies am Donnerstag gegenüber «Tele Ostschweiz» gesagt. Gegen die Zweigstelle «Melander Fischfarm Oberriet» der HaRa International AG ist beim Konkursamt des Kantons St. Gallen ein Verfahren hängig. Sie schuldet der Foralith Bohrtechnik GmbH, die am Bau mitgewirkt hatte, 700'000 Franken.

Umstrittene Tötungsmethode

Der Kanton stellt im Communiqué klar: «Das Konkursamt hat mit Hans Raab keine Vereinbarung über die Wiederaufnahme der Fischzucht getroffen.» Das Konkursamt St. Gallen hat sich am Freitag in Oberriet über die Situation ins Bild gesetzt und den Rechtsanwalt der konkursiten Firma zur sofortigen Stellungnahme aufgefordert.

Die von Hans Raab entwickelte Methode zur Betäubung der Fische sei nach wie vor nicht rechtmässig, heisst es im Communiqué weiter. Raab kühlt die Fische in kaltem Wasser herunter, dann werden sie in einer sich langsam drehenden, mit Eis gefüllten Trommel entschleimt und am Ende maschinell geköpft.

Das ist unzulässig in der Schweiz. Raab könnte zwar einen Antrag stellen, diese Methode zu bewilligen, was Sache des Bundes wäre. «Ein solcher Antrag liegt aber nicht vor», schreibt der Kanton St. Gallen - und es gebe keine Hinweise, dass der Bund die Tötungsart je bewillige. Raabs Aussage gegenüber Medien, die Betäubungsmethode werde überprüft, treffe nicht zu.

Überraschendes Comeback

Der deutsche Putzmittel-Unternehmer (»HaRa») und Multimillionär Hans Raab hatte im St.Galler Rheintal für rund 40 Millionen Franken auf einer Fläche von 38 Tennisplätzen eine Indoor-Fischfarm aus dem Boden stampfen lassen mit dem Ziel, pro Tag rund fünf Tonnen Melander-Erzeugnisse auf den Markt zu bringen - auch Fischwürste.

Nach gut einem Jahr machte Raab die Fischfarm im Frühsommer 2009 wieder dicht, nachdem ihm der Kanton St. Gallen die Tötungsmethode untersagt hatte. Raab liess an den St. Galler Behörden kein gutes Haar. Im Januar 2010 lud Raab dann die Medien ein, um über ein Projekt mit den afrikanischen Welsen und eine Klage zu informieren.

Fische bald wieder schlachtreif

Am Tag vor dem Pressetermin erlitt der heute 70-jährige Raab einen Herzinfarkt. Wenig später wurde beim Vermittleramt in St. Gallen eine Klage über 104 Millionen Franken gegen den Kanton St. Gallen eingereicht; sie wurde wieder zurückgezogen. Letzte Woche gab Raab sein Comeback: Er hat den Betrieb in Oberriet wieder aufgenommen.

In rund 80 Tagen sind die 600'000 winzigen Welse, die in den Becken der Indoor-Fischfarm schwimmen, schlachtreif. Wer den St.Galler Kantonstierarzt Thomas Giger kennt, weiss, dass er die Betäubung der Melander in der Eistrommel verhindern will. Es sieht danach aus, als suche Hans Raab den Infight mit den St. Galler Behörden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.09.2010, 23:40 Uhr

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