Hausärzte legen Lohnforderung auf den Tisch
Von Patrick Feuz. Aktualisiert am 07.04.2011 65 Kommentare
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Gesundheitsminister Didier Burkhalter kommt den Hausärzten weit entgegen. Ist in einer Region die medizinische Grundversorgung nicht mehr gewährleistet, soll der Bund künftig eingreifen können. Etwa indem er eine minimale Ärztedichte vorschreibt. «Der betreffende Kanton hätte Massnahmen zu ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen», erklärt Stefan Spycher, Vizedirektor im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Möglich wären etwa finanzielle Anreize für Hausärzte, bezahlt von der öffentlichen Hand.
Auch bei der Ausbildung will Bundesrat Burkhalter notfalls klare Vorgaben machen und damit die Autonomie der Kantone einschränken. Experte Spycher: «Man kann sich vorstellen, dass der Bund den Universitätskantonen respektive den Weiterbildungsstätten in den Spitälern vorschreibt, wie viele Hausärzte sie mindestens ausbilden müssen und wie viele Weiterbildungsplätze für Grundversorger zu reservieren sind.»
Mehr als 196'000 Franken Lohn
Verpackt ist die stärkere Steuerung durch den Bund im direkten Gegenvorschlag des Bundesrats zur Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin». Was die Initianten von Burkhalters Angebot halten, wollen sie heute Donnerstag sagen. Ein Streitpunkt wird das Geld sein. Denn die Initiative verlangt, dass der Bund unter anderem für eine «angemessene Abgeltung» der Leistungen der Hausärzte sorgt. Dass diese heute weniger verdienen als Spezialärzte, gilt als einer der Gründe, weshalb sich zu wenig junge Medizinier für die Hausarztmedizin entscheiden.
Doch Gesundheitsminister Burkhalter will nicht in die Tarifverhandlungen zwischen den Krankenkassen und der Ärztevereinigung FMH eingreifen. Zudem bleibt er dabei, dass eine von den beiden Seiten ausgehandelte Lohnerhöhung für Hausärzte kostenneutral sein müsse – also zulasten der Spezialärzte zu gehen hätte. Für Marc Müller, Präsident der Hausärzte Schweiz, ist es aber eine «Illusion» zu glauben, man könne die Hausärzte ohne Mehrkosten finanziell besserstellen.
Prämienerhöhungen drohen
Die FMH ist momentan daran, zahlreiche Tarifpositionen zu durchforsten, um Geld von den Spezialisten zu den Hausärzten zu verschieben. Doch Müller glaubt nicht, dass sich auf diese Weise genügend Mittel finden lassen. Um die Hausärzte angemessen zu entschädigend, brauche es eine Prämienerhöhung von 3 bis 4 Prozent, das sind rund 800 Millionen Franken.
Spycher vom Bundesamt für Gesundheit findet es «schwierig» zu beurteilen, was eine «angemessene» Abgeltung sei, da es sich bei Ärzten in freier Praxis um Unternehmer handle. «Beim Durchschnittseinkommen von 196'000 Franken, das die FMH für Hausärzte angibt, sind auch Teilzeitärzte dabei.» Im Vollpensum verdiene man als Hausarzt «im Schnitt mehr».
Der Vizedirektor des BAG relativiert auch das Lohngefälle. «Wenn wir annehmen, dass männliche Ärzte zwischen 45 und 50 vollzeitlich arbeiten, kann man die Einkommen etwas besser vergleichen», sagt Spycher. «Hausärzte in dieser Altersgruppe verdienen im Schnitt rund 230'000 Franken, Spezialisten im gleichen Alter haben einen Lohn von rund 270'000 Franken.»
Rückzug der Initiative?
Ob die Initianten ihr Volksbegehren aufrechterhalten oder sich nach der Beratung im Parlament am Schluss doch mit Burkhalters Vorschlägen zufriedengeben, ist offen. Hausarzt-Chef Müller hofft noch auf die «flankierenden Massnahmen», die Burkhalter versprochen habe. Die Hausärzte wünschen sich zum Beispiel einen eigenen – höheren – Labortarif. Und sie wollen möglichst rasch wieder einen Zuschlag für Hausbesuche bekommen, den momentan nicht alle Kassen zahlen.
Insider schliessen einen Rückzug der Initiative am Ende des Pokers nicht aus. Zwar haben über 200 000 Personen die Hausarzt-Initiative unterschrieben. Wenn es aber im Abstimmungskampf heissen wird, ein Ja bedeute eine Prämienerhöhung um 3 bis 4 Prozent, dürften die Sympathien für die Hausärzte rasch schwinden.
Junge Ärzte entscheiden sich oft gegen die Hausarztmedizin. Ein Grund dafür ist, dass Spezialärzte mehr verdienen. Foto: Doris Fanconi (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.04.2011, 22:34 Uhr
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65 Kommentare
Liebe Hausärzte, wie sie sicher wissen können einige hunderttausend! Personene in der reichen CH, die KK-Prämie nicht mehr selber stemmen, einige mehr brauche dazu die Prämienverbilligungen. Wir wärs wenn sie die 3-4 Prozent durch Kürzungen bei der Spitzenmedizin und den Zusammenschluss von den unsinnig vielen Spitälern und Subventionen für Privatkliniken einfordern? Dort muss gespart werden! Antworten

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