«Heisse Fischer, nicht Steinbrück»

Von Jon Mettler . Aktualisiert am 21.10.2009

Der frühere deutsche Aussenminister Joschka Fischer sprach an den Bieler Kommunikationstagen über die neue Weltordnung.

Joschka Fischer in Biel.

Joschka Fischer in Biel. (Bild: ubi)

Der Seitenhieb kam in der Hälfte der 50-minütigen Rede. «Ich würde mir nie erlauben, der Schweiz Ratschläge in Sachen Libyen zu geben», sagte Joschka Fischer gestern in Biel. «Ich respektiere die Schweizer Souveränität. Ich heisse Fischer, nicht Steinbrück», erklärte er in Anspielung auf den «Kavallerie-Vergleich» des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück. Nach dem Gelächter im Publikums doppelte Fischer nach: «Das war jetzt aber ein ganz billiger Punkt meinerseits.»

Fischer sprach über die Herausforderungen der Welt nach dem Fall der Berliner Mauer. Als Hauptproblem sieht er das Wachstum der Erdbevölkerung, die Mitte des Jahrhundert neun Milliarden Menschen erreicht haben dürfte. Gehe man davon aus, dass all diese Menschen den westlichen Lebensstandard mit seinem Verschleiss an Energie und Ressourcen anstrebten, sei ein Kollaps unvermeidbar. Die Lösung sieht der ehemalige grüne Politiker, der inzwischen als Berater für BMW arbeitet, einerseits bei neuen Umwelttechnologien. Europa – dazu zählte Fischer explizit auch die Schweiz – dürfe in diesem Bereich seinen Vorsprung nicht an aufstrebende Staaten wie China und Indien abgeben und müsse als Einheit agieren. Diese Spitzenposition gelte es ohne Angst zu verteidigen. «Ein kluger Kopf hat einmal gesagt: ‹besser up to tomorrow als up to date›», sagte Fischer.

Hoffnungen setzt Fischer andererseits in die weltweite Telekommunikation. Neun Milliarden Menschen könnten nur zusammenarbeiten, wenn sie auch miteinander kommunizierten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.10.2009, 09:46 Uhr

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