Schweiz

Herbe Niederlage für die FDP – Minder sucht Anschluss

Aktualisiert am 13.11.2011 61 Kommentare

Die zweiten Wahlgänge für das Stöckli haben viele Gewinner – und eine grosse Verliererin. Für Überflieger Thomas Minder geht nach seinem Wahlsieg das grosse Taktieren los.

Sie vertreten den Kanton Schaffhausen in Bern – und sitzen vielleicht in der selben Fraktion: Hannes Germann (SVP) gratuliert dem parteilosen Thomas Minder zur Wahl..

Sie vertreten den Kanton Schaffhausen in Bern – und sitzen vielleicht in der selben Fraktion: Hannes Germann (SVP) gratuliert dem parteilosen Thomas Minder zur Wahl..
Bild: Keystone

(ami/miw)

  • Zusammenfassung alle Kantone  

    Erste Wahlen nach den Wahlen

    Der Unternehmer und Initiant der Abzockerinitiative Thomas Minder zieht für den Kanton Schaffhausen in den Ständerat ein. Im Kanton Thurgau schafft CVP-Nationalrätin Brigitte Häberli den Sprung ins Stöckli. In der Waadt verteidigten SP und Grüne ihre Sitze.

    Nicht weniger als 19 Ständeratssitze konnten bei den Wahlen am 23. Oktober nicht besetzt werden. Heute fanden nun in den ersten Kantonen zweite Wahlgänge statt. Dabei setzten sich im Thurgau und in der Waadt sich die Favoriten durch.

    Minder überlegen

    In Schaffhausen kam es zu einer nicht ganz unerwarteten Überraschung: Mit 11'853 Stimmen überflügelte der parteilose Thomas Minder seine Konkurrenten Matthias Freivogel (SP, 8336 Stimmen) und Christian Heydecker (FDP, 7586 Stimmen) und zieht neu in den Ständerat ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,7 Prozent.

    Bereits im ersten Wahlgang hatte der 51-jährige Minder ein sehr gutes Resultat erreicht. Er belegte hinter dem wiedergewählten SVP-Kandidaten Hannes Germann den zweiten Platz, verpasste allerdings das absolute Mehr.

    Grünliberale oder SVP

    Minder ist Besitzer der Trybol AG, die unter anderem Mundwasser und Zahnpasta herstellt. Bekannt wurde er als Vater der Abzockerinitiative. Parteipolitisch lässt sich Minder nicht klar einordnen.

    Wie Minder nach der Wahl sagte, will er mit den Grünliberalen und der SVP Gespräche führen, um in einer Fraktion Unterschlupf zu finden. Mit den Grünliberalen verbindet ihn die Haltung gegen Atomkraftwerke, mit der SVP die kritische Position in Bezug auf die Einwanderung. Einen Beitritt zu einer Partei lehnt Minder strikt ab.

    Einsitz in Kommissionen entscheidet

    Welcher Fraktion er sich anschliesst, macht er davon abhängig, in welchen Kommissionen er Einsitz nehmen kann, wie er weiter sagte. Er selbst präferiere die Kommissionen für Wirtschaft und Abgaben (WAK), für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) sowie jene für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF).

    Wie die künftige glp-Fraktionspräsidentin Tiana Angelina Moser auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte, haben zwischen den Grünliberalen und Minder bereits informelle Gespräche stattgefunden. Falls Minder nun wieder auf die Partei zukommen werde, müssten einerseits politische Fragen geklärt werden. Andererseits zähle aber auch die «menschliche Komponente».

    Erste Thurgauer Ständerätin

    Im Kanton Thurgau konnte die CVP mit Nationalrätin Brigitte Häberli ihren Sitz im Ständerat verteidigen. Für den Thurgau zieht somit erstmals eine Frau in den Ständerat. Häberli erreichte 26'777 Stimmen, deutlich mehr als FDP-Kandidat Max Vögeli. Der Kantonsrat und Gemeindepräsident von Weinfelden holte nur 18'348 Stimmen.

    Die Wahlbeteiligung betrug 30,6 Prozent. Den zweiten Ständeratssitz hatte sich die SVP mit Roland Eberle bereits im Oktober geholt.

    Für die 53-jährige Häberli rückt Christian Lohr in den Nationalrat nach. Der 49-Jährige ist ein Contergan-Opfer, er kam ohne Arme und mit verstümmelten Beinen zur Welt. Schreiben kann er mit dem rechten Fuss. Vor zwei Jahren präsidierte Löhr, der Politiker und Journalist ist, das Thurgauer Kantonsparlament.

    Bittere Niederlagen für die FDP

    Bittere Niederlagen musste die FDP einstecken: Sowohl aus dem Kanton Schaffhausen wie aus dem Thurgau wird die Partei in der neuen Legislatur niemanden mehr ins nationale Parlament nach Bern schicken.

    Im Kanton Thurgau hatte die FDP ihr bisheriges Nationalratsmandat an die Grünliberalen verloren. Nun schaffte es der FDP-Ständeratskandidat Vögeli nicht, den Verlust wieder wettzumachen. Im Kanton Schaffhausen wiederum erbt Minder den Sitz des zurückgetretenen FDP-Ständerates Peter Briner.

    Links-grünes Duo in der Waadt

    In der Waadt setzten sich im zweiten Ständerats-Wahlgang die beiden Bisherigen, Géraldine Savary (SP) und Luc Recordon (Grüne), deutlich durch. Das bürgerliche Ticket blieb ohne Chance.

    Savary erzielte mit 78'263 Stimmen das beste Resultat, gefolgt von Recordon (71'686 Stimmen). FDP-Nationalrätin Isabelle Moret kam auf 62'369 Stimmen, SVP-Nationalrat Guy Parmelin auf 58'687. Die Stimmbeteiligung lag bei 35,81 Prozent.

    Die nächsten zweiten Wahlgänge für den Ständerat finden bereits am kommenden Wochenende statt, in den Kantonen Bern und Tessin. (sda)

  • Waadt: Definitives Resultat  

    Beim zweiten Ständerats-Wahlgang in der Waadt haben sich die beiden Bisherigen, Géraldine Savary (SP) und Luc Recordon (Grüne), deutlich durchgesetzt. Das bürgerliche Duo mit Isabelle Moret (FDP) und Guy Parmelin (SVP) blieb ohne Chancen.

    Das beste Resultat erzielte Géraldine Savary (SP) mit 78'263 Stimmen oder 55,62 Prozent, gefolgt von Luc Recordon (Grünen) mit 71'686 Stimmen (50,95%). Isabelle Moret (FDP) kam auf Platz drei (62'369 Stimmen, 44,33%), vor Guy Parmelin von der SVP mit 58'687 Stimmen (41,71%). Die Stimmbeteiligung lag bei 35,81 Prozent.

    Die beiden Kandidaten der Linken waren mit Vorsprung in den zweiten Wahlgang gestartet. Sie erzielten am 23. Oktober die besten Resultate. Im ersten Wahlgang waren SVP und FDP noch getrennt angetreten. Sie rechneten sich jedoch mit ihrem Zusammenspannen in der zweiten Runde grössere Chancen auf einen Ständeratssitz aus. (sda)

  • Schaffhausen: Erste Reaktion von Minder  

    Minder sucht das Gespräch mit GLP und SVP

    Wie Minder nach der Wahl vor Medienvertretern sagte, will er nun mit den Grünliberalen und der SVP Gespräche führen. Welcher Fraktion er sich anschliesst, macht er davon abhängig, in welchen Kommissionen er Einsitz nehmen kann, wie er weiter sagte. Er selbst präferiere die Kommissionen für Wirtschaft und Abgaben (WAK), für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) sowie jene für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF).

    Ein wichtiges Anliegen sei ihm auch, dass am Atomausstieg festgehalten wird. Jetzt müsse man die erneuerbaren Energien rasch mit Anschubfinanzierungen unterstützen. Zudem werde er ein Unternehmer bleiben, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. «Ich werde keine Mandate annehmen», sagte er. (sda)

  • Waadt: Savary liegt vorne  

    SP-Ständerätin in der Waadt in Führung

    Im Rennen um die noch zwei freien Ständeratssitze in der Waadt liegt im Moment die bisherige SP-Ständeratin Géraldine Savary (40'247 Stimmen, 51,77%) vorn. Auf Rang zwei platziert sich nach den Resultaten aus 304 von 339 Gemeinden die FDP-Kandidatin Isabelle Moret (37'566 Stimmen, 48,32%).

    Weil die Ergebnisse aus den Städten noch nicht vorliegen, ist das Rennen aber noch offen. Auf dem dritten Rang liegt momentan der bisherige Grüne Ständerat Luc Recordon (36'015 Stimmen, 46,32%). Der Kandidat der SVP, Guy Parmelin, macht das Schlusslicht (35'939 Stimmen, 46,23%). (sda)

  • Thurgau: Häberli gewählt  

    Brigitte Häberli wird Thurgauer Ständerätin

    Brigitte Häberli-Koller von der CVP ist neue Thurgauer Ständerätin. Sie hat das Rennen gegen den FDP-Kandidaten Max Vögeli klar gewonnen und damit den CVP-Ständeratssitz verteidigt.

    Häberli-Koller hat das Rennen gegen den FDP-Kandidaten Max Vögeli klar gewonnen. Häberli erhielt 26'777 Stimmen, Max Vögeli 18'348 Stimmen. Häberli ist die erste Frau, die den Kanton Thrugau im Ständerat vertritt.

    Die Wahlbeteiligung beim zweiten Wahlgang betrug 30,58 Prozent. Für Brigitte Häberli-Koller, die seit acht Jahren im Nationalrat sitzt, rückt Christian Lohr nach. Der 49-jährige CVP-Politiker ist behindert und sitzt im Rollstuhl. (sda)

  • Schaffhausen: Zahlen sind bekannt  

    Minder holte 3500 Stimmen mehr als SP-Mann

    Minder vereinte 11'853 Stimmen auf sich. Hinter ihm liegt SP-Kandidat Matthias Freivogel mit 8336 Stimmen. Der freisinnige Christian Heydecker belegte mit 7586 den dritten Platz. Die Wahlbeteiligung betrug 61,7 Prozent. Im ersten Wahlgang hatte sie 64,5 Prozent betragen.

    Bereits im ersten Wahlgang hatte Thomas Minder ein überraschend gutes Resultat erreicht. Er belegte damals hinter dem wiedergewählten SVP-Kandidaten Hannes Germann den zweiten Platz. Damals verpasste der 51-jährige Unternehmer aus Neuhausen SH jedoch das absolute Mehr.

    Eine herbe Niederlage bedeutet der Wahlausgang für die FDP. Sie konnte den Sitz des zurücktretenden Peter Briner nicht verteidigen. Damit sind die Schaffhauser Freisinnigen in der nächsten Legislatur zum ersten Mal seit Jahrzehnten weder im Ständerat noch im Nationalrat vertreten. (sda)

  • Thurgau: Häberli liegt vorn  

    Häberli liegt im Thurgau weit vor Vögeli

    Im Rennen um den zweiten Thurgauer Ständeratssitz liegt CVP-Kandidatin Brigitte Häberli-Koller (Bild) weit vor Max Vögeli von der FDP. Dieses Zwischenresultat hat der Kanton Thurgau nach Auszählung von 76 der 80 Gemeinden kurz nach zwölf Uhr im Wahlzentrum in Frauenfeld bekannt gegeben.

    Häberli hat 21'683 Stimmen bekommen, Vögeli 15'494 Stimmen. Die amtierende CVP-Nationalrätin wird damit voraussichtlich Nachfolgerin von Parteikollege Philipp Stähelin, der zurückgetreten ist. Die SVP, welche ihren Ständeratssitz bereits im ersten Wahlgang mit Roland Eberle sicherte, hatte Vögeli unterstützt. (sda)

  • Schaffhausen: Minder ist gewählt  

    Minder ist Ständerat von Schaffhausen

    Der parteilose Thomas Minder zieht für den Kanton Schaffhausen in den Ständerat ein. Der «Vater der Abzockerinitiative» setzte sich im zweiten Wahlgang von heute gegen seine Konkurrenten Christian Heydecker (FDP) und Matthias Freivogel (SP) deutlich durch. Die Stimmen von Oberhallau stehen noch aus, sie können jedoch das Resultat nicht mehr kippen. (sda)

  • Schaffhausen – die Ausgangslage  

    Minder in der Poleposition

    Klar ist im Kanton Schaffhausen nur eines: Hannes Germann (SVP) bleibt Ständerat - er wurde im ersten Wahlgang bestätigt. Alles Weitere bleibt offen: Besonders spannend ist, ob der parteilose Thomas Minder sein gutes Resultat aus dem ersten Wahlgang wiederholen kann.

    Der «Vater der Abzocker-Initiative» distanzierte seine Mitkonkurrenten Christian Heydecker (FDP) und Matthias Freivogel (SP) deutlich und hatte Stimmen aus verschiedenen Lagern geholt. Sein Handicap ist allerdings, dass er politisch schwierig zu verorten ist: Er lässt offen, welcher Fraktion er sich im Falle seiner Wahl anschliessen will.



    Das Wahlmobil besucht Thomas Minder (Video: Jan Derrer)


    FDP in Bedrängnis

    Für die FDP steht in Schaffhausen viel auf dem Spiel. Sie muss den Sitz des abtretenden Peter Briner verteidigen. Trotz enttäuschendem Resultat im ersten Wahlgang hält die FDP an ihrem Kandidaten Christian Heydecker fest. Unterstützt wird er von SVP und CVP.

    Die Wahl schaffen könnte aber auch SP-Kandidat Matthias Freivogel, sofern es ihm gelingt, die Stimmen des nicht wieder antretenden Kandidaten der ökoliberalen Bewegung Schaffhausen (ÖBS), Herbert Bühl, auf sich zu vereinen. Die ÖBS hat jedoch keine Wahlempfehlung ausgesprochen. (sda)

  • Thurgau – die Ausgangslage  

    CVP-Sitz wackelt im Thurgau

    Im Kanton Thurgau muss sich das Volk entscheiden, ob es neben dem bereits gewählten Roland Eberle (SVP) eine CVP-Vertreterin oder einen FDP-Vertreter in den Ständerat schicken will. Das Rennen dürfte FDP-Mann Max Vögeli (Bild) gewinnen - dank der SVP.

    Weil die Thurgauer FDP am 23. Oktober ihren einzigen Nationalratssitz an die Grünliberalen verloren hat, wäre sie erstmals nicht mehr im eidgenössischen Parlament vertreten, würde Vögeli nicht gewählt.

    CVP-Kandidatin und wiedergewählte Nationalrätin Brigitte Häberli- Koller hat einen schweren Stand, da sie eher links politisiert. Unterstützt wird sie von der SP und den Grünen. Sie verteidigt den Sitz des zurückgetretenen Philipp Stähelin. (sda)

  • Waadt – die Ausgangslage  

    Vier Kandidaten für zwei Sitze in der Waadt

    In der Waadt fordern Isabelle Moret (FDP) und Guy Parmelin (SVP) die beiden Bisherigen, Géraldine Savary (SP) und Luc Recordon (Grüne, Bild), heraus. Unterstützt werden die beiden bürgerlichen Kandidaten von den Waadtländer Liberalen, die auf kantonaler Ebene noch nicht mit den Freisinnigen fusioniert haben.

    Beim ersten Wahlgang waren die beiden bürgerlichen Parteien noch getrennt angetreten. Mit Moret und Parmelin hoffen sie nun, gemeinsam den 2007 an die Linke verlorenen Ständeratssitz wieder zurückgewinnen. Denn für die Rechte ist die aktuelle linke Doppelvertretung in der kleinen Kammer unhaltbar - zumal die beiden Blöcke im Kanton Waadt etwa gleich stark sind.

    Das linke Duo startet allerdings mit einem leichten Vorsprung in die zweite Runde: Savary und Recordon hatten am 23. Oktober am meisten Stimmen erhalten. Vor allem Savary sitzt fest im Sattel. (sda)

    Bild: Guy Parmelin (SVP), Luc Recordon (Grüne), Geraldine Savary (SP). Nicht im Bild: Isabelle Moret (FDP).

Erstellt: 13.11.2011, 15:41 Uhr

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61 Kommentare

Liselotte Weber

13.11.2011, 10:00 Uhr
Melden 78 Empfehlung

Minder nimmt einen zweiten Anlauf und ich hoffe er gewinnt
Wenn ich ihn wählen könnte, ich würde ihn wählen! Er vermittelt mir den Eindruck der Glaubwürdigkeit und des echten Bedürfnisses, zum Wohle Aller zu denken und zu handeln. Schade das ich im Kanton Schaffhausen nicht wählen darf!
Antworten


Hans Rudolf Knecht

13.11.2011, 12:34 Uhr
Melden 66 Empfehlung

Ich gratuliere Herrn Minder zu seinem Erfolg. Ich denke, er ist der richtige Mann am richtigen Ort! Antworten



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