Hier schiesst der Gripen im Berner Oberland scharf

Zwei schwedische Jets sind seit Montag für Waffentests in Emmen. Zum ersten Mal drückt ein Schweizer Pilot den Auslöser der Bordkanone. Über Testpiloten, orange Overalls und teure Schussziele.

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Nach zweistündigem Flug vom schwedischen Linköping landeten zwei Gripen C am Montag auf dem Militärflugplatz Emmen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Kampfjet vom Hersteller Saab in der Schweiz zu sehen ist. Zum ersten Mal aber wurde ein Teil der Bewaffnung von Schweizer Piloten getestet, genau genommen die Bordkanone (siehe Box links).

Getestet wurde diese Waffe vom Cheftestpiloten der Armasuisse, die über insgesamt drei Testpiloten verfügt. Die Männer im orangen Overall – sie sollen sich äusserlich klar von den Einsatzpiloten der Luftwaffe unterscheiden – übten auf dem militärischen Schiessplatz Axalp im Berner Oberland. Geprobt werden sollte Zielgenauigkeit, Leistung und Zuverlässigkeit im Schweizer Gelände. Geschossen wurde auf Ziele im Gelände. «Die Versuche waren erfolgreich, auch wenn wir die speziellen Resultate noch nicht haben», sagt Armasuisse-Kommunikationschef Kaj-Gunnar Sievert. Wie auch immer, an den Resultaten wird die Anschaffung der Jets sicher nicht scheitern.

Der WEF-Fall

Mit der Bordkanone würden «im Notfall nicht kooperierende Flugobjekte neutralisiert», wie es Jürg Nussbaum, Kommunikationsschef der Luftwaffe, ausdrückt. Im Klartext: Sollte ein Flugzeug trotz mehrmaliger Aufforderung den gesperrten Luftraum nicht verlassen, würde es abgeschossen. Ein Szenario, das am ehesten bei einem Luftpolizeieinsatz während des WEF oder eines internationalen Gipfels wie dem G-8-Treffen vor wenigen Jahren am Genfersee zutreffen könnte. Wie die Tests auf der Axalp zeigen, kommen für die Bordkanone auch Ziele am Boden infrage.

Neben der Bordkanone verfügt der Gripen über die Möglichkeit, sogenannte Luft-Luft-Lenkwaffen mitzuführen. Auch diese Lenkwaffen sind für Ziele in der Luft vorgesehen. Diese finden das Ziel selbstständig, mit eigenem Antrieb und Steuerungshilfe von Radar- und Infrarotanalysen. Der Unterschied zwischen Bordkanone und Lenkwaffe liegt vor allem in der Distanz zum Zielobjekt.

In die Testpilotenschule ins Ausland

«Auch diese Bewaffnung werden wir testen», sagt Sievert. Vor sechs Jahren waren die Armasuisse-Testpiloten für Lenkwaffentests in den USA. Sie schossen dort «in einem Testraum, fast so gross wie die Schweiz», auf Drohnen. «Auch die Schweden haben ein Testgelände», erklärt Sievert und deutet damit an, dass man bei gegebener Zeit dort proben werde. In Schweden werden die Raketen zwar abgeschossen, sie explodieren aber vor der Drohne, so dass diese nicht zerstört wird. Zu teuer sind die unbemannten Flugobjekte.

Dass die Testpiloten in orangen Overalls arbeiten, soll auch die Andersartigkeit ihrer Arbeit aufzeigen. «Das sind keine Einsatzpiloten», sagt Sievert. Die Testpiloten haben in diesem Fall den Auftrag, die technischen Spezifikationen zu prüfen. Testpilotenschulen für diese Leute gibt es in den westlichen Ländern drei, nämlich in den USA, Grossbritannien und Frankreich.

Verlorenes Know-how im Luft-Boden-Einsatz aufholen

Prüfen werden die Armasuisse-Männer neben Bordkanone und Lenkwaffen zuletzt auch noch die Luft-Boden-Bomben. «Das wird erst viel später erfolgen», sagt Sievert. Also wolle er diese Spezifikation unter den Schemel stellen. In der Tat leuchtet auf den ersten Blick nicht ein, warum die Schweizer Luftwaffe die Luft-Boden-Fähigkeit, welche vor allem in konventionellen Kriegen infrage kommt, braucht.

Allerdings ist es gerade das, was man mit dem Gripen wieder aufbauen möchte. «Mit der Ausmusterung des Hunter 1994 hat die Luftwaffe diese Fähigkeit für Luft-Boden-Einsätze aufgegeben. Den FA/18 betreiben wir vor allem als Luftkämpfer», sagt Luftwaffensprecher Nussbaum. Jetzt wolle man sich das Know-how wieder erwerben – zumindest auf einem minimalen Level.

Sammler von Informationen über Bewegungen in der Luft

Ebenfalls wieder erwerben möchte man mit dem Gripen die Luftaufklärung. Diese habe man mit der Ausserdienststellung der Mirage vor zehn Jahren aufgegeben, sagt Nussbaum. Dabei geht es darum, nicht nur vom Boden aus Informationen zu sammeln, sondern auch aus der Luft. «Das gehört zu einem vollständigen Bild.» Nach bisherigen Plänen sollen insgesamt sechs der 22 Gripen mit entsprechenden Instrumenten ausgerüstet werden.

Dass sich der Gripen von den beiden anderen evaluierten Jets, dem Eurofighter und dem Rafale, punkto Einsatzfähigkeiten gross unterscheide, stellen sowohl Nussbaum als auch Sievert in Abrede. Es komme ungefähr aufs Gleiche heraus. Rafale und Eurofighter sind mit jeweils zwei Triebwerken allerdings leistungsstärker. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 12.04.2013, 14:52 Uhr)

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Bordkanone und übrige Bewaffnung

Der Gripen verfügt über eine Bordkanone vom Typ Mauser BK-27 mit einer Leistung von über 1000 Schuss pro Minute. Das gleiche Modell ist auch beim Eurofighter eingebaut. Entwickelt wurde die BK-27 bereits Ende der 60er-Jahre.

Bei den Lenkwaffen sind laut Rüstungsbotschaft die Typen Iris-T sowie Meteor vorgesehen. Die Iris-T hat mit einem Gewicht von knapp 90 Kilogramm eine Reichweite von 25 Kilometern. Die Infrarot-gesteuerte Lenkwaffe erreicht eine Geschwindigkeit von Mach 3. Meteor ist eine Radar-gesteuerte Lenkwaffe, die mit einem Gewicht von knapp 200 Kilogramm und Mach 4 über 100 Kilometer Reichweite erreicht.

Was die Luft-Boden-Bewaffnung betrifft, so ist die Entscheidung noch nicht gefallen.

Die Bordkanone Mauser BK-27, welche unter dem Cockpit im Rumpf eingebaut ist.

Lenkwaffe Iris-T.

Lenkwaffe Meteor.

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