Hier steht die Schweiz im Stau

Die Schweizer Verkehrsinfrastruktur stösst an Grenzen. Die Credit Suisse zeigt auf, wo es am schlimmsten ist – und was Abhilfe schaffen könnte.

Je dunkler ein Gebiet eingefärbt ist, desto ausgeprägter ist das Stauproblem. (Grafik: CS)

Je dunkler ein Gebiet eingefärbt ist, desto ausgeprägter ist das Stauproblem. (Grafik: CS)

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Die Zahl der Staustunden auf den Schweizer Autobahnen hat sich zwischen 2008 und 2012 praktisch verdoppelt. Am häufigsten staut sich der Verkehr im Grossraum Zürich, dahinter folgen die Agglomerationen Genf und Lausanne. Dies geht aus dem Pendlerstau-Index hervor, den die Credit Suisse veröffentlicht hat. Die Erhebung zeigt, wo die Autopendler am längsten im Stau stehen und wo die Kapazitätsgrenzen der Strassen erreicht sind.

Am meisten betroffen sind die Autofahrer in der Agglomeration Zürich. Mit Winterthur, Baden-Brugg und Zug schafften es zudem drei weitere Regionen aus dem Grossraum Zürich unter die ersten Zehn der Stau-Rangliste. Die Belastung an diesen Orten ist jedoch um jeweils ein Drittel tiefer als beim Spitzenreiter Zürich.

Am zweithäufigsten betroffen sind die Genfer Autofahrerinnen und Autofahrer. Die Credit Suisse bezeichnet die Verkehrssituation entlang des gesamten Genfersees als «kritisch». Grund ist das hohe Pendleraufkommen aus den Nachbarkantonen und aus Frankreich. Auf dem dritten Platz der Stau-Rangliste landet Lausanne.

Vergleichsweise wenig Blechschlangen in Basel

Vergleichsweise selten im Stau stehen die Basler. Dieser Grossraum erreicht nur den zehnten Platz in der Rangliste. Die Staubelastung ist dort um 40 Prozent tiefer als in Zürich, wie aus dem Pendlerstau-Index hervorgeht. Jedes Jahr stehen die Autofahrerinnen und Autofahrer auf Schweizer Autobahnen rund 20'000 Stunden im Stau. Für die Credit Suisse ist dies nicht zuletzt ein ökonomisches Problem, da die dafür verbrauchte Zeit keinen Nutzen stiftet.

Die scheinbar naheliegendste Lösung – mehr Strassen zu bauen – hält die Bank jedoch für ein zweischneidiges Schwert. Kurz- und mittelfristig könnten so zwar Stauzeiten reduziert werden. Langfristig werde dadurch aber nur die Mobilität gefördert.

Ein Beispiel dafür ist der Bareggtunnel bei Baden AG. Mit der Eröffnung der zweiten Tunnelröhre erhöhte sich der durchschnittliche Werktagsverkehr innerhalb von nur zehn Jahren um stolze 36 Prozent – und Stau gehört immer noch zur Tagesordnung.

Auch der Ausbau des öffentlichen Verkehrs könne das Stauproblem nicht lösen, hält die Bank weiter fest. Grund dafür ist nicht zuletzt die Bequemlichkeit vieler Autofahrer. Der sogenannt komfort-adjustierte Preis einer Autofahrt sei immer noch geringer als der Preis einer ÖV-Fahrt, heisst es in der Erhebung.

CS: Roadpricing in Zürich und Genf

Als Lösung schlägt die Grossbank vor, die besonders belasteten Verkehrswege zu Hauptverkehrszeiten kostenpflichtig zu machen, also Roadpricing einzuführen. So könne das Verkehrsaufkommen über den Tag gleichmässiger verteilt werden. Gleichzeitig werde die Bereitschaft, weiter zu pendeln, aber nicht gesteigert – wie dies beim Ausbau der Strassen der Fall wäre.

Die Voraussetzungen für die Einführung von Roadpricing sind nach Ansicht der CS in der Schweiz gut. In den Städten werde der Verkehr ja bereits heute an den Eingangstoren gestaut. Dies würde die Einführung eines solchen Systems erheblich erleichtern.

Denkbar sei Roadpricing vor allem für die Zentren Zürich und Genf. Vorbilder seien Grossstädte wie Stockholm, London oder Singapur. Dort werde Roadpricing seit Jahren erfolgreich eingesetzt. (rub/sda)

(Erstellt: 18.03.2014, 10:12 Uhr)

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