Historiker kontert Israels harsche Kritik: «Ich finde es anmassend»
Den Ermahnungen Israels nicht zu viel Beachtung schenken: Historiker Georg Kreis. (Bild: Keystone)
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Das Treffen von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz mit dem iranischen Präsidenten Mahmoud Achmadinejad ist bereits zwei Wochen her. Und noch immer hagelt es Kritik an der Schweiz: Der israelische Botschafter Ilan Elgar sagt in der «NZZ am Sonntag», die Schweizer Iran-Politik habe «viele Ähnlichkeiten» mit der britischen Appeasement-Politik in den 30er Jahren gegenüber Hitler. 1938 billigte der britische Premier Neville Chamberlain die Annexion der Sudeten durch Hitler – einem deutsch besiedelten Teil der Tschechoslowakei. So sagt er weiter, man habe 1938 dem Frieden zuliebe die Tschechoslowakei geopfert. «Bei Typen wie Hitler oder Achmadinejad erreicht man auf diese Weise gar nichts».
Ermahnungen Israels nicht beachtetn
Der Vergleich hat Empörung ausgelöst: «Die Frage, ob der Iran mit dem Dritten Reich gleichzusetzen ist, diese Frage zu stellen, bringt nichts», entgegnet Georg Kreis, Historiker und Präsident der Kommission gegen Rassismus in der «Aargauer Zeitung». Er sagt, den Ermahnungen Israels müsse die Schweiz nicht zu viel Beachtung schenken – auch wenn die Beziehungen der beiden Länder zurzeit schlecht ist. «Ich finde es anmassend, dass allein der Schweiz die Schuld an den schlechten Beziehungen zugeschoben wird.» Israel will laut Kreis den Konflikt mit Iran möglichst dramatisch darstellen, denn die USA – Israels wichtigster Verbündeter – sind auf dem Weg, mit dem Iran ins Gespräch zu kommen.
Kreis geht sogar noch weiter. Er schlägt den Bogen zu der israelischen Palästina-Politik: «Ich bin aber entschieden der Meinung, dass Israels Regierung zuerst ihre eigenen Aufgaben machen sollte, bevor sie anderen die Welt zu erklären versucht.» Die Schweiz müsse die menschenrechtlichen Standards gegenüber Israel genau gleich einfordern wie gegenüber allen anderen Staaten. (cha)
Erstellt: 04.05.2009, 19:23 Uhr






