Hundekurse: «Unsinnig, absurd, reine Alibiübung»
Von Verena Vonarburg. Aktualisiert am 28.01.2009 19 Kommentare
Verena Ammann ist aufgebracht. «Was da veranstaltet wird, ist unsinnig, absurd, eine reine Alibiübung.» Ammann ist Sprecherin der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG), der mit 70'000 Mitgliedern mit Abstand grössten Vereinigung von Hundehaltern.
Die SKG möchte staatlich anerkannte Hundetrainer ausbilden, die wiederum Hundebesitzern die Lizenz zum Hundehalten ausstellen dürfen. Gestern hat die SKG vom Bundesamt für Veterinärwesen die Anerkennung für die Ausbildnerlehrgänge erhalten. Viel zu spät, kritisiert Ammann, denn das Gesuch habe man im November eingereicht, und die Zeit dränge. Wer seit letztem September einen Hund besitzt, muss mit diesem in die Hundeschule. Doch noch fehlen reihenweise Ausbildner. Das Obligatorium hatte der Bund als Reaktion auf die hitzige Diskussion um beissende Hunde eingeführt.
Marcel Falk, Sprecher des BVet, kann Ammanns Kritik nicht nachvollziehen und verweist auf «eine seriöse Überprüfung der Gesuche, die eben Zeit erfordert hat».
40'000 neue Hunde pro Jahr
Ammann schätzt, dass es derzeit erst etwa 20 anerkannte Ausbildner gebe. «Wir bräuchten aber 150 bis 200, denn jährlich kommen rund 40'000 neue Hunde hinzu.» Je früher die Hunde erzogen würden, desto mehr lasse sich ausrichten. «Es kann doch nicht sein, dass die Hundebesitzer mit dem Kurs warten müssen, bis der Hund für die Ausbildung zu alt ist.» Die Halter seien derzeit «in einer ganz blöden Situation».
Bei fünf Organisationen ging allerdings alles rascher. Sie erhielten die Bewilligung schon im November. Die SKG ortet zumindest bei einer von ihnen Vetternwirtschaft: Bei der Stiftung Certodog. Heinrich Binder, Leiter Tierschutz beim BVet, war bis im Sommer Stiftungsratspräsident von Certodog. Nach Protesten legte er dieses Amt nieder, und das BVet betonte, Binder habe nicht über die entsprechende Verordnung des Bundes entschieden. Falk weist jeden Vorwurf, gewisse Organisationen seien bevorzugt worden, zurück.
Marlene Zähner, Certodog-Geschäftsführerin, begründet die rasche Anerkennung damit, dass ihre Organisation schon seit sieben Jahren anbiete, was der Bund heute als Obligatorium verlange. Im Übrigen könnten auch die von Certodog ausgebildeten Trainer erst etwa im Februar ernsthaft mit Kursen beginnen. Das sei «überhaupt kein Problem». Das Alter eines Hundes sei nämlich nicht entscheidend. «Es besteht bei diesem Kursobligatorium kein Grund zur Eile.»
Bei der Kontroverse um die Hundekurspflicht geht es auch ums Geld. Denn nicht wenige wittern hier ein lukratives Geschäft. Die Trainer können ihre Kurspreise nach Belieben festsetzen. Diesbezüglich hat der Bund keine Vorgaben gemacht. Er kontrolliert auch nicht, wie gut die Organisationen ihre Trainer ausbilden. Einmal anerkannt, liegt die Ausbildung ganz in ihrer Verantwortung.
Gehen die Richtigen in die Kurse?
Eine ganz andere Frage – die zentrale überhaupt – ist, ob mit dem neuen Obligatorium überhaupt die richtigen Hundehalter erfasst werden können: Jene nämlich, die ein Problem mit ihrem Tier haben. Diese Kontrolle obliegt den Kantonen. Doch wie soll kontrolliert werden, ob ein Hundebesitzer den Hundekurs absolviert hat? Der Verantwortliche eines Kantons räumt denn auch ein, dass man sich keinen Illusionen hingeben dürfe. Er will nicht namentlich zitiert werden.
Auch die vorgeschriebene Kursdauer ist heftig umstritten. Vier Stunden Theorie und vier Stunden Praxis seien viel zu wenig, sagt Ammann von der SKG. Dass der Bund die Dauer von ursprünglich geplanten zehn Stunden derart gekürzt habe, sei «der grösste Blödsinn. Nun ist das Obligatorium Makulatur. Mit so wenig Stunden kann man sich die Ausbildung gleich sparen.» Während lediglich vier Wochen liessen sich nämlich potenzielle Probleme mit einem Hund nicht erkennen. «Wir haben nun sehr viel administrativen Aufwand für praktisch kein Resultat.» Zähner von Certodog wiederum hält die Kritik am Minimum des Bundes für «einen Blödsinn». Es gehe schlicht und einfach darum, die Kurse «in einem für den Bürger normalen Umfang» anzubieten.
Der Bund schreibe nur das Minimum vor, betont auch Falk vom BVet. Wem das nicht ausreiche, der könne als Ausbildner längere Kurse anbieten. «Wir sind aber überzeugt, dass schon die vier Stunden viel bringen werden.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.01.2009, 06:07 Uhr
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19 Kommentare
Ich begrüsse diese theoretische Info vor einem Hundekauf. Ev. kann man unbedachte Käufe und das folgende Elend der Hunde verhindern? Fast all die Vorschreiber sind aktive Hündeler und gerade die sollten doch als Vorbild gelten und kein Problem damit haben 4 Stunden auf einen Übungsplatz zu gehen? Eine Übergangszeit muss man halt einfach in Kauf nehmen, dies war auch schon mit dem Kupierverbot so. Antworten
Wir waren vor zwei Wochen in der Lenzerheide, und wurden darauf hingewisen, dass Hunde um den Heidsee an die Leine müssen. An der Info wurde uns mitgeteilt, dass unser Hundehalterprevet hier leider gar nichts nütze! Wir haben uns auch gefragt, was das ganze nun soll, wozu wir überhaubt dieses Brevet gemacht haben wenn überhaubt nichts wert ist! So werden Hundehalter nur verärgert! Antworten
Ich kann Cinzia lo Giusto nur zustimmen. Die SKG ist ein Schlafclub. Es ist nämlich nicht das BVET, welches zu lange mit der Vergabe der Ausbildungsberechtigung an die SKG gewartet hat. Die SKG erfüllt nämlich ganz einfach die Kriterien nicht und kann die Ausbildungen nur mit Auflagen anbieten. Ihr fehlt die Eduqua Zertifiizierung. Liebe SKG seid ehrlich zu den Mitgliedern. Antworten
Die Praxis wird zeigen, ob der SKN Verhaltensberater langfristig arbeitslos macht.. Hundeerziehung ist keine Sache von 4 Stunden und gute Sachkenntnisse erlangt man auch nicht in 4 Stunden. Die Menschen müssen lernen, den Hund zu verstehen und ihn artgerecht zu erziehen. Dazu braucht es Verantwortungsgefühl und viel Zeit. Nach einem Hauruckkurs ist man nicht sachkundig mit einem Nachweis. Antworten
Wir Hundetrainer,die jahrelang praktische Erfahrung vorweisen,Kurs um Kurs bei verschiedenen Anbietern besucht haben,um uns stetig weiterzubilden,müssen schon wieder tausende Franken in die Hand nehmen um grade mal je 4Std. Theorie/Praxis anbieten zu dürfen!Neulinge die bei Certodog das HIK1 gemacht haben,brauchen gerade mal 1Intensivwoche und bieten nun bereits die oblig.Kurse an!Eine Frechheit!! Antworten
Nicht verweunderlich, wenn man die Politiker schalten und walten lässt. Gleiches gilt auch für die unverhältnismässigen Leinenpflichten. Siee aktuell auf der Lenzerheide (www.heidseehunde.ch). Der SKG ist ein Schlafklub. Der macht viel zu wenig für die Hundehalter. Antworten
Diese Abzockerei würde ich nie mitmachen. Ich hatte selber schon Hunde. Es liegt mittlerweile 13 Jahre zurück, was mich nicht davon abhält, wenn ich pensioniert bin, wieder einen Hund anzuschaffen, ohne Kurs. Freiwillig ja, aufzwingen lasse ich mir dies nicht. Ebenso wenig einen Theoriekurs. Antworten
Die Hundekurse sind momentan in allen Zeitungen ein Thema. Im Raum Zürich spricht jeder nur von Certodog. Dabei sind heute bereits weitere Personen berechtigt, die obligatorsichen Hundekurse gemäss den Vorgaben des Bundesamtes für Veterinärwesens anzubieten und zu wesentlich günstigeren Preisen, ohne dass die Hunderfahrung fehlen würde (www.hundekurse-zuerich.ch). Wo bleibt da die Objektivität? Antworten
Bin Züchterin SKG und Hundehalterin von fast 40 Jahren Welpenspielgruppenleiterin SKG und Wesensrichterin, alle meine Hunde waren in der Welpenspielgruppe Erziehungskurse haben den Wesenstest gemacht ,mit 2 das Hundehalter Brevet, nun soll ich für 4-5 Stunden mit meinen Hunden einen Kurs absolvieren?Ist wohl ein Witz das reicht ja nie aus, das kam auch nur von jemandem der keine Ahnung hat. Antworten
Am besten ignorieren: Dieser Staat kann Drogendealer und Chaoten nicht festnehmen, verteilt bedingte Bussen bei Vergewaltigungen - was will er gegen renitente Hundehalter (solche die wissen, wie man Hunde hält und sich darum nicht um diese Kurse bemühen müssen) machen? Einfach ignorieren - man kann nicht biedere Leute ins Gefängnis stecken, weil sie ihren Pekinesen nicht an einen Kurs schicken... Antworten
Ich muss Herrn Baumgartner recht geben, auch ich bin Halter zweier Schlittenhund und denke nicht daran in Zukunft bei jedem neuen Hund diese Kurse zu besuchen. Ausgenommen die Welpenstunde, damit hab ich nur gute Erfahrungen gemacht, die ist aber nicht obligatorisch. Certodog muss sich nun mal diese Vorwürfe gefallen lassen, da kann der Herr Beamte sagen was er wil. Antworten
Als Absolventin des Hundehalter-Brevet's der SKG, welches jetzt keinen Pfifferling mehr wert ist, frage ich mich einmal mehr.Eigentlich ist auch dieses ein Witz. Wie auch immer, es geht um's Geld verdienen. Lasst sie Geld verdienen die armen Teufel! Jetzt werden noch mehr Laien und selbsternannte "Hundetrainer" rumwursteln...Ihr werdet sehen! Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben...Lächerlich Antworten
Zwei mal vier Stunden Ausbildung? Da kann ich nur laut lachen. Das ist nichts weiter als ein bürokratischer Leerlauf, der nichts bringt und viel kostet. Dass ein hochrangiger BVet-Beamter Beziehungen zu einer Organisation hat, die solche Kürslein anbietet, spricht Bände. Da wird der Bürger (diesmal der Hundehalter) wieder einmal abgezockt und für dumm verkauft! Antworten
Was für ein Unsinn ! Als "Musher" und Halter eines Schlittenhunde-Gespannes werde ich wohl für ein Jahr mit meinen Huskys in die Schule gehen ??! Betreibe seit 35 Jahren den Schlittenhundesport und da will mir Jemand etwas vormachen. "sitz - platz - bleib - fuss". (schlimmer gehts nimmer) Würde gerne mal mit einem Kursleiter "schlittenfahren" Antworten
Der beste Hundeerziehungskurs nützt nichts, wenn am anderen Ende der Leine ein "Charakterlump" ist. "wie der Herr, so's Gscher", triftt hier zu wie kaum irgendwo. Wenn Leute als Kursleiter antreten dürfen, die ihre Hunde schlagen oder Hunde tagsüber im Haus einsperren, um nur zwei Beispiele zu nennen, dann hört bei mir das Verständnis für diesen behördlich angeordneten und zahlbaren Unsinn auf! Antworten
Einmal mehr drückt sich der Bund die Verantwortung zur einheitlichen Hunde-Schulung zu übernehmen! Er delegiert es lieber den Kantonen, welche nicht in der Lage sind einen Ausbildungsplan zu erarbeiten. Einmal mehr, ausser Kosten nix gewesen. Wozu haben wir überhaupt die Bundesräte, wenn sie sowieso sich vor jeder Aufgabe und geschweige von Aenderungen drücken. Einfach tragisch. Antworten
@C. Scheidegger Ich kann Ihnen nur recht geben. Wie der Meister so der Hund. Nicht der Hund ist das Problem sondern der/die Halter. Wir haben seit 1970 schon Hunde und nie Probleme, Und mit Neufundländer schon gerade garnicht. Ich werde mich weigern mit einem Neufi in eine Hundeschule zu gehen, Dies hatte ich schon mal ausprobiert aber ohne Erfolg. Der Neufi war zu bequem. hihihi. Antworten
im vorbeigehen, wurde ich für einen kurzen augenblick zuschauer einer hundekurs-veranstaltung. die komische vorführung war filmreif und die kursleiterin mit zu vielen kursteilnehmern überfordert. wie der meister so das tier: menschen die nicht geeignet sind, sollten einfach keine kampfhunde halten dürfen, da nützen auch die besten kurse nichts. ich habe 30 jahre erfahrung in hundehaltung. Antworten
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Erich Schmid
Nach mehr als 50 Jahren Hundehaltung müsste ich nun beim Kauf eines kleinen Hundes einen Praxiskurs absolvieren. Reine Schikane und Geldmacherei! Vermutlich verstehe ich mehr von Hunden als der/die Prüferin. Ein Kind dürfte ich mir ohne Test zulegen, einen Rehpinscher nicht..... Antworten