IV-Revision zeigt Wirkung
Die Früherfassung funktioniere und die Eingliederungsziele für die kommenden Jahre seien realisierbar, teilt das Bundesamt für Sozialversicherungen. An der hohen Verschuldung der IV hat sich allerdings nichts geändert.
Früherfassung und -intervention sind die Eckpfeiler der 5. IV-Revision, die dem Grundprinzip «Eingliederung vor Rente» folgt und seit dem 1. Januar in Kraft ist. In einer ersten Bilanz zeigte sich BSV-Direktor Yves Rossier am Freitag zufrieden. Die Ergebnisse seien besser ausgefallen als erwartet.
So gingen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bei den IV-Stellen 4700 Meldungen für die Früherfassung ein. In jedem vierten Fall fragten die betroffenen Personen selbst bei den IV-Stellen um Rat, in einem Drittel der Fälle meldete sich der Arbeitgeber. Aber auch Ärzte und Chiropraktiker leisteten laut dem Bundesamt einen Beitrag zur Früherfassung.
Von der Frühintervention, das heisst von schnellen Unterstützungsmassnahmen zur Erhaltung des Arbeitsplatzes, profitierten 2200 Personen. Weitere 200 Betroffene wurden mit Integrationsmassnahmen auf die berufliche Eingliederung vorbereitet und 100 Arbeitgebern wurden Einarbeitungszuschüsse gewährt. Wie Bereichsleiterin Angela Fürer ausführte, bedarf es in den einzelnen Fällen zum Teil grosser Kreativität. Wichtig sei insbesondere die Zusammenarbeit aller Involvierter.
Künftig müssen die IV-Stellen auch Eingliederungsvorgaben erfüllen. Ziel sind im kommenden Jahr in der ganzen Schweiz 1500 Eingliederungen. Im Jahr darauf sollen es doppelt so viele sein. BSV-Vizedirektor Alard du Bois-Reymond zeigte sich überzeugt, dass diese Vorgaben realisierbar sind: «Erste Indikatoren zeigen, dass die Massnahmen greifen und wir gut auf Kurs sind.» Zudem hat eine Untersuchung gezeigt, dass gewisse IV-Stellen bereits vor In-Kraft-Treten der 5. IV-Revision die darin angestrebten Eingliederungsquoten erzielten.
Weniger Neurenten
Auswirkungen auf die Zahl der Neurenten werden laut du Bois-Reymond erst ab kommendem Jahr sichtbar. Insgesamt wurden im ersten Semester 2008 9200 neue Renten zugesprochen. Das sind nur leicht weniger als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2003 mit dem Höchststand von 14'500 Neurenten bedeutet es aber einen Rückgang von 35 Prozent.
Trotz allem bleibt für BSV-Direktor Rossier der Frust der hohen Verschuldung der Invalidenversicherung (IV). In den ersten sechs Monaten beträgt das Defizit 0,8 Milliarden Franken, für das ganze Jahr wird mit einem Minus von 1,4 Milliarden gerechnet. Zwar hätten bisherige Sparmassnahmen die IV um rund eine halbe Milliarde Franken pro Jahr entlastet. Trotz den Sparanstrengungen sei aber die kumulierte Schuld per Mitte Jahr auf über zwölf Milliarden Franken gestiegen. Die IV brauche deshalb dringend eine Zusatzfinanzierung. Denn ein anhaltendes Defizit bedeutet laut BSV eine fortschreitende Verschuldung beim AHV/EO-Fonds, was die Liquidität der AHV und der Erwerbsersatzordnung (EO) gefährdet. (grü/sda)
Erstellt: 12.09.2008, 12:17 Uhr
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