Schweiz

«Ich habe zu jedem Zeitpunkt geglaubt, dass wir es auf den Gipfel schaffen»

Aktualisiert am 17.11.2009

Er habe sich auf der Tour sicher gefühlt und den Hang als unproblematisch empfunden, sagte ein Überlebender des Jungfrau-Dramas. Er bestätigte die Aussagen der Bergführer.

Nichts habe auf eine «erhebliche» Lawinengefahr gedeutet: Überlebender sagt vor Militärgericht in Chur aus.

Nichts habe auf eine «erhebliche» Lawinengefahr gedeutet: Überlebender sagt vor Militärgericht in Chur aus.
Bild: Keystone

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Er bestätigte am Dienstag vor Gericht die Aussagen der angeklagten Bergführer weitgehend. «Ich habe zu jedem Zeitpunkt geglaubt, dass wir es auf den Jungfrau-Gipfel schaffen», sagte der ehemalige Rekrut, der vom Militärgericht in Chur als erster Überlebender befragt wurde. Die Stufe der Lawinengefahr habe er persönlich als «mässig» eingeschätzt.

Damit beurteilte der damals nahezu fertig ausgebildete Gebirgsspezialist die Schneesituation gleich wie die Angeklagten, ein 34-jähriger Berufsunteroffizier und ein 47-jähriger ziviler Bergführer. Diese Einschätzung erwies sich jedoch als fatal.

Im Gipfelhang der Jungfrau auf über 3900 Metern Höhe wurden die Bergführer mit den 12 Angehörigen der Gebirgsspezialisten-RS von Andermatt UR von einem Schneebrett erfasst. Fünf Rekruten und ein Wachtmeister im Alter von 20 bis 23 Jahren wurden 1000 Meter tief in den Tod gerissen.

Keine Hinweise auf «erhebliche» Lawinengefahr

In der Befragung durch den Gerichtspräsidenten Felix Egli und den militärischen Ankläger Maurus Eckert beschrieb der Überlebende die weiteren Ereignisse und Begebenheiten am Unfalltag praktisch gleich, wie es die Angeklagten zuvor gemacht hatten. Nichts habe auf eine «erhebliche» Lawinengefahr gedeutet, betonte er.

Seine Deutschschweizer Gruppe, die dem Berufsmilitär zugeteilt war, habe am Vorabend zunächst skeptisch auf den Vorschlag reagiert, die Jungfrau zu besteigen. Nachdem die Rekruten und ihr Bergführer die Tour aber durchdiskutiert hätten, sei die Skepsis der Vorfreude gewichen.

Romands wollten unbedingt auf die Jungfrau

Die Rekruten seien davon ausgegangen, dass die Bergführer viel mehr Erfahrung hätten, als sie selber. «Wir haben darum auf ihre Einschätzung vertraut», sagte der ehemalige Rekrut.

Gar keine Zweifel habe hingegen die welsche Gruppe des Zivil- Bergführers gehabt, wie dieser am Montag selber ausgeführt hatte. «Die wollten alle auf die Jungfrau, um nach dem Mönch gleich noch einen Viertausender zu besteigen», so der Angeklagte.

Die Romands bildeten im Unfallhang per Zufall die ersten zwei Dreierseilschaften und gerieten in die Mitte des Schneebrettes. Sie kamen alle ums Leben. Die skeptischen Deutschschweizer hatten Glück und wurden nur vom Rand der Lawine erfasst. Sie überlebten. (sam/sda)

Erstellt: 17.11.2009, 15:23 Uhr

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