«Ihr sät Zwietracht, und Ihr wisst es»

Die «Weltwoche» zieht in der aktuellen Ausgabe in bekannter Manier gegen das Verbot des Minarett-Plakats zu Felde. Das ist selbst einem ihrer Autoren zu viel: Er will mit dem Blatt nichts mehr zu tun haben.

«Ihr verbreitet absichtlich xenophobe Dummheiten»: Roger Köppel, aktuelle Ausgabe der «Weltwoche».

«Ihr verbreitet absichtlich xenophobe Dummheiten»: Roger Köppel, aktuelle Ausgabe der «Weltwoche».

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Vier Seiten widmet die «Weltwoche» in der aktuellen Ausgabe der Debatte über das Verbot der Minarett-Initiative der SVP. Eine Schande sei es, schreibt Roger Köppel, dass die Schweizer Verlagshäuser sich mit einem Inserateboykott an der Aktion der grossen Schweizer Städte beteiligen, die umstrittenen Plakate abzuhängen. Nicht in der Darstellung des Plakats erkennt der Verleger und Chefredaktor des Wochenblatts einen Skandal, sondern im Vorgehen der Behörden. Diese würden die Diskussion behindern und beeinflussen.

«Bösartigster Vorgang der neusten Schweizer Mediengeschichte»

Die Argumentation seines Chefs geriet dem langjährigen Musikredaktor Albert Kuhn nun derart in den falschen Hals, dass er kurzerhand entschied, seine Schreibtätigkeit für das Wochenblatt einzustellen. Er findet, was die «Weltwoche» zum Thema Minarette publiziert habe, sei der «übelste und kalkuliert bösartigste Vorgang der neusten Schweizer Mediengeschichte».

Sein Vorwurf: Die «Weltwoche» rühre in ihrer aktuellen Ausgabe «als High-End-IQ-Blatt wider besseres Wissen in der dumpfen Religionssuppe», «stylt SVP-Haltungen zu intellektuellen Positionen hoch» und «verbreitet absichtlich xenophobe Dummheiten». Das Schreiben des erbosten «Weltwoche»-Autors, das Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegt, gipfelt in der Aussage: «Ihr sät Zwietracht, und ihr wisst es».

Albert Kuhn verfasste über viele Jahre Artikel für die «Weltwoche». Vergangenen November kündigte ihm Weltwoche-Chef Roger Köppel die feste Anstellung, seit März diesen Jahres stand der Musikkritiker als freier Mitarbeiter für die Zeitschrift im Einsatz.

Köppel: Kein Kommentar zu Indiskretionen

Roger Köppel selbst wollte auf Anfrage zur Angelegenheit keine Stellung nehmen. «Ich äussere mich grundsätzlich nicht zu Indiskretionen ehemaliger Mitarbeiter», so der Mann, der von den Lesern von Tagesanzeiger.ch/Newsnet soeben zum klügsten Kopf des Landes gewählt worden ist. Die «Weltwoche» sei ein kritisches Blatt, das unangenehme Themen aufgreife und auch den Mut habe, Gegensteuer zu geben. Das sei ernsthafter Journalismus. «Nicht alle Journalisten fühlen sich wohl in so einem Konzept», so Köppel. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.10.2009, 12:02 Uhr

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