Schweiz

Im Kampf gegen «Copy/Paste»

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 16.02.2011 28 Kommentare

Von anderen abzuschreiben, gilt als Kavaliersdelikt. Die Schweizer Universitäten gehen unterschiedlich hart gegen Plagiatoren vor.

Die Verlockung ist dank Wikipedia und Co. gross: Ein Student arbeitet in der Bibliothek der Uni Hamburg am Computer.

Die Verlockung ist dank Wikipedia und Co. gross: Ein Student arbeitet in der Bibliothek der Uni Hamburg am Computer.
Bild: Keystone

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Grund: Zeitnot

Die Universitäten betonen, dass bevor die Software zur Anwendung kommt, das Gespräch mit dem betroffenen Studenten gesucht wird. Erst danach kommt das Programm zum Einsatz, das, den verdächtigen Abschnitt einmal eingegeben, nach übereinstimmenden Passagen im Internet sucht.

Die meisten Studenten, die von anderen wissenschaftlichen Arbeiten abschreiben, tun dies nicht aus Unwissenheit, so wird vermutet. Vielmehr gelten Zeitnot, Bequemlichkeit oder Unsorgfältigkeit als Gründe.

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg soll in seiner Dissertation unter anderem aus der «NZZ am Sonntag» abgeschrieben haben, ohne die Quelle in einer Fussnote oder dem Literaturverzeichnis zu zitieren. Nun könnte ihm der Doktortitel aberkannt werden.

Wie Guttenberg machen es auch zahlreiche Studenten. Doch die Universitäten sind sich uneins, wie sie mit Plagiatoren umgehen sollen.

«Kompromisslos» in St. Gallen

«An der Universität St. Gallen handelt es sich um einige wenige Plagiatsfälle pro Jahr. Sie sind im Verhältnis zur grossen Mehrheit der ehrlich erarbeiteten Abschlüsse zu sehen», lässt etwa die HSG verlauten. Dennoch gehe man in St. Gallen «kompromisslos» gegen Plagiatsfälle vor. Seit 2007 müssen sämtliche Diplomarbeiten der Bachelor- und Master-Stufe elektronisch eingereicht werden. Die Plagiatssoftware durchleuchtet die Arbeiten und spürt so Plagiate auf. Die Software operiert «aufgrund eines Ähnlichkeitsindexes» mit weltweiten Datenbanken. Das scheint seine (abschreckende) Wirkung nicht zu verfehlen. Wie die HSG Ende 2010 der «Neuen Luzerner Zeitung» anvertraute, seien, seitdem auch Arbeiten des ersten Semesters stichprobenartig kontrolliert werden, keine Plagiatsfälle mehr entdeckt worden.

«Gesunder Menschenverstand» in Basel

Ganz anders sieht es an der Universität Basel aus. Hier wird keine Plagiats-Software eingesetzt. «Das wäre verwaltungstechnisch ein zu grosser Aufwand», sagt Christian Sengstag, Stabsmitarbeiter des Vizerektorats Forschung und Nachwuchsförderung an der Universität Basel. «Für die Dozenten ein Overkill, ein schlicht zu grosser Zusatzaufwand». Statt einer Software erachtet es Sengstag als sinnvoller, die Studenten genauestens darüber zu informieren, dass Plagiate unzulässig sind.

Ferner lasse sich durch «gesunden Menschenverstand» einfach feststellen, ob ein Student abgeschrieben habe. «Meist ist ein deutlicher Stilbruch bemerkbar. Manchmal klingt es einfach zu perfekt.»

Während seiner Zeit als ETH-Dozent habe er in fünf bis zehn Prozent der Fälle einen Verdacht auf Plagiat gehabt. «Nachweisen konnte ich es aber nur sehr wenigen.» An der Uni Basel haben diese ausser der Rückweisung ihrer Arbeit aber nichts zu befürchten. Bei Forschern sieht es schon anders aus: «Auf Stufe Dissertation ist ein Plagiat unverzeihlich», so Sengstag.

«Vertrauen» in Zürich

«Plagiate erfolgen vermutlich häufiger auf Stufe Proseminararbeit als auf Stufe Dissertation», sagt auch Birgit Beck, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Lehre der Universität Zürich. Darüber, wie oft kopiert wird und wie hoch die Dunkelziffer ist, will sie aber nicht spekulieren.

Oberste Priorität hat auch an der Uni Zürich die Prävention und damit die «Einführung» der Studierenden in das wissenschaftliche Arbeiten. Die Plagiats-Software wird erst bei Verdacht eingeschaltet. «Die UZH prüft bewusst nicht alle Arbeiten. Dadurch würden alle Studierenden unter Generalverdacht gestellt», so Beck. Das grundsätzliche Vertrauen in die Studierenden werde als wichtiger erachtet. Ferner sei die Software nicht in jedem Fall das richtige Hilfsmittel, gerade bei Ghostwriting könne das Programm wenig ausrichten.

«Zu wenig harte Linie»

Auch wenn sich die Plagiats-Fälle, die sich pro Jahr an einer Uni ereignen, an einer Hand abzählen lassen – ärgerlich sind sie für die Uni und ihre Dozenten trotzdem.

Der Wissenschaftler Urs Dahinden, der ein Buch zum Thema Plagiate geschrieben hat, fordert denn auch mehr Härte: «Wir gehen davon aus, dass rund ein Drittel der Studenten in ihrer Studienzeit einmal oder mehrmals Plagiate in ihren Arbeiten einbauen», sagt er im Gespräch mit der «Neuen Luzerner Zeitung». «Viele Hochschulen sind noch zu wenig auf das Problem von Plagiaten sensibilisiert und fahren eine zu wenig harte Linie.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2011, 14:30 Uhr

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28 Kommentare

Ruedi Hugentobler

16.02.2011, 17:05 Uhr
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@John Meier: Bitte liefern Sie noch die Quellenangabe zu Ihren Zahlen. Danke. Antworten


Hans Ulrich Suter

16.02.2011, 15:02 Uhr
Melden

Wenn man als Professor eine Arbeit in seinem Fachgebiet bewertet, weiss man entweder ob eine Arbeit neu ist oder nicht. Ansonsten ist man seine 250000 Nebenkosten in Millionenhöhe nicht wert und sollte sofort aus der FH/UNI oder ETH rausgeworfen werden, So gesehen muss (falls schuldig...) nicht nur Gutenberg seinen Titel abgeben sondern man müsste auch dessen Professor bestrafen. Antworten



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