Im Wallis entsteht das erste Schweizer Rentner-Resort
Das Original
In Sun City in Arizona wohnen 40'000 Rentner auf einem abgeschirmten Anwesen. In über 100 Clubs können diese ihren Freizeitaktivitäten frönen, von Tennis über Golf bis zu Bauchtanz. Der Sicherheitsaufwand ist hoch, Ruhe das oberste Gebot. Kinder sind nur zu Besuch erlaubt – höchstens 90 Tage im Jahr – und dürfen sich nur zu bestimmten Zeiten im Schwimmbad aufhalten.
Es ist der amerikanische Rentner-Traum: eine riesige Freizeitanlage, reserviert für jung gebliebene Pensionäre. Bald kann dieser «American Dream» auch für Schweizer Rentner wahr werden: Bis Ende 2010 entsteht im Wallis die erste Anlage nach dem Vorbild der «Sun Cities» in den USA. Nach Angaben von «Le Nouvelliste» und «Le Matin» wird in Vétroz bei Sion bereits gebaut. Auf einer Fläche von 8000 Quadratmeter entstehen 54 luxuriöse Eigentumswohnungen, ausserdem ein Schwimmbad, ein Kino, ein Spa, eine Bibliothek, eine Fitness-Anlage und eine Sporthalle – alles umgeben von einer Hecke und überwacht von Videokameras. «In der Schweiz wird es das erste Dorf für aktive Rentner» sagt Initiant Albano Roux gegenüber «Le Matin».
Kein Pflegeheim
Die Anlage ist nicht mit einem Pflegeheim zu verwechseln: In Vétroz sollen vife Rentner ihre Freizeit ausleben. Eine medizinische Betreuung ist nicht vorgesehen. «Der Spa-Gedanke geht über den medizinischen Gedanken», so Roux. Als Kundschaft werden denn auch kaufkräftige Romands avisiert. Immerhin ist eine Wohnung 80 bis 100 Quadratmeter gross und kostet gegen 400'000 Franken.
Eine Klausel verhindert jedoch, dass die Wohnung an Nachkommen vererbt wird. Denn: Junge sollen draussen bleiben. Unter sich zu sein, sei das Hauptkriterium der Resort-Rentner, glauben die Initianten. Sie suchen im Reservat Ruhe, Sicherheit und Behaglichkeit.
Ghetto-Effekt vermeiden
Bei den Vorbildern aus Amerika steht vor allem der Sicherheits-Aspekt im Zentrum. Im Wallis beabsichtigt man allerdings nicht, einen Hochsicherheitstrakt zu schaffen. Das Resort in Vétroz wird nur wenige Schritte von Geschäften entfernt und nicht von einem Zaun, sondern von Thuyas umgeben sein. Kamera und Alarmsystem gehören aber trotzdem zur Ausstattung. Man wolle einen Ghetto-Effekt vermeiden, heisst es.
Von dieser Idee sind jedoch nicht alle angetan: «Das Prinzip gefällt mir nicht», sagt Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, gegenüber «Le Matin». «Man darf die Gesellschaft nicht trennen – die Alten in die eine Ecke, die Jungen in die andere.» Das sei entgegen der Walliser Mentalität. Weitere kritische Stimmen zweifeln am kommerziellen Erfolg des Projekts. Die Initianten geben sich jedoch optimistisch: Bereits jetzt habe man für 18 Wohnungen Abnehmer gefunden. (reh)
Erstellt: 14.04.2009, 13:17 Uhr
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