Schweiz

Immer mehr Freikirchler als Lehrer

Von Stéphanie Fuchs. Aktualisiert am 27.05.2009 67 Kommentare

Immer mehr Freikirchler studieren an der Pädagogischen Hochschule in Bern. Das bringt einige Probleme mit sich.

An der Pädagogischen Hochschule Bern studieren immer mehr Freikirchler.

An der Pädagogischen Hochschule Bern studieren immer mehr Freikirchler.

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Beruf oder Berufung?

Die Vereinbarkeit von Religion und Lehrberuf ist seit September 2007 Thema eines Nationalfondsprojekts. Unter dem Titel «Zwischen Professionalisierung und religiöser Selbstbehauptung? Deutungskonflikte in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung» soll ein Abbild der Religiosität der Studierenden der Pädagogischen Hochschule in Bern gezeichnet werden. Ziel der Projektleiterinnen Angela Stienen und Caroline Bühler vom Institut für Vorschulstufe und Primarstufe der PH Bern ist es, zu zeigen, wie angehende Lehrpersonen mit den Widersprüchen zwischen wissenschaftlich-rationaler Professionalität und religiöser Tradition umgehen. sf

Kanton Zürich: Fach Religion kommt wieder

Auch im Kanton Zürich tut sich etwas in Sachen Religionsunterricht: Spätestens auf Schulbeginn 2011 müssen die Gemeinden das neue Fach «Religion und Kultur» einführen. Eine Lektion pro Woche ist für Religionen – mit Schwerpunkt Christentum – reserviert. Die Schule dürfe aber nicht in einen Glauben einführen, dies sei der Kirche vorbehalten, schrieb die NZZ. Vor vier Jahren war Religion an den Primarschulen zum Freifach «Biblische Geschichten» degradiert worden. Das neue Fach ist Resultat eines Gegenvorschlags, mit dem die Regierung auf eine Volksinitiative reagierte.

Vorletztes Wochenende wurde auch in Graubünden über Religionsunterricht abgestimmt. Die Juso wollte die Religionsstunde zu Gunsten eines Ethikunterrichts abschaffen, ihre Initiative wurde abgelehnt. sgs

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An der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern studieren viele Gläubige. Das ist an sich noch kein Problem. Jedoch gibt es einige darunter, die dem freikirchlichen Glauben angehören und extreme Weltsichten vertreten. Wenn solche Studenten später unterrichten, kann das grosse Probleme mit sich bringen. Die PH hat daher bereits 2007 ein Nationalfondsprojekt aufgegleist, um die Vereinbarkeit von Glauben und Lehrtätigkeit zu untersuchen (siehe Kasten). Konkrete Schritte sind jedoch noch keine geplant, obwohl das Thema eigentlich eine schnelle Handhabe erfordern würde.

Studis erkennen Problem

Unter den Studierenden sorgt die wachsende Anzahl Evangelikaler für Unmut. «Besonders Studierende der Sekundarstufe 1 äusserten in Interviews, dass sie sich durch die gut organisierten Evangelikalen gestört fühlten», erklärt Caroline Bühler. Sie ist Co-Leiterin des Forschungsprojekts. «Die Studierenden haben vor allem Angst», erklärt Bühler. Zum einen davor, dass die Evangelikalen als Lehrer missionieren werden, und zum anderen, «dass dadurch der Beruf in ein schlechtes Licht gerückt wird».

Nicht nur zwischen den Studenten, auch in Lehrveranstaltungen werden die Diskussionen heftiger. «Für Studierende aus freikirchlichen Milieus scheint es ein Problem zu sein, die Evolutionstheorie zu vermitteln», so Bühler.

Zu unklares Lehrmandat

Die Umfragen der Studie zeigen, dass sich der Grossteil der Evangelikalen nach dem vorgegebenen Berufsethos richten. «Vereinzelt gibt es leider auch Studierende aus dem freikirchlichen Milieu, die immun sind gegen wissenschaftliche Reflexion», erklärt Bühler. Verstärkt wird dieser Umstand durch das zu schwammige Berufsbild. «Die Studierenden entscheiden letztlich selber, was ihre Aufgabe als Lehrperson sein wird», so Bühler. Ein gewisses Verantwortungsbewusstsein wird einfach vorausgesetzt. Wenn dieses zu wenig vorhanden ist, führt dies zu Schwierigkeiten.

Wenn das Mandat in diesem Beruf klar wäre, hätten es die religiösen Gruppierungen nicht so leicht, ihre zum Teil extremen Ansichten in den Unterricht einfliessen zu lassen. In Zukunft müsse besser definiert werden, in welchem Ausmass religiöse Erziehung in den Auftrag einer Lehrperson falle. «Dass Gläubige unterrichten, ist an sich kein Problem. Es muss aber verhindert werden, dass sie missionieren», erklärt Bühler.

Wo die Grenze ziehen?

Betroffen vom Zustrom freikirchlich Gläubiger ist hauptsächlich die Sekundarstufe 1. Grund dafür: «Die Herausforderungen für Lehrpersonen haben vor allem auf den oberen Stufen der Volksschule zugenommen», so Bühler. Die Frage stelle sich daher auf dieser Stufe, wie viel die Lehrer an Moral- und Werterziehung übernehmen sollen beziehungsweise wo die Grenze zu übertriebener Einflussnahme verläuft. «Vielleicht ist da in den letzten Jahren ein Vakuum entstanden, das evangelikal Gläubige ausnutzen können», sagt Bühler. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.05.2009, 16:10 Uhr

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67 Kommentare

Markus Schneider

27.05.2009, 13:14 Uhr
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@Daniel Schütz: Ich habe nichts gegen die Vemittlung von pers. Überzeugungen, wenn sie als solche deklariert werden. Nur haben die (monotheistischen) Religionen abs. nichts damit zu tun, denn sie vermitteln im Kern ein dogmatisches System von nicht diskutierbaren, letzten "Wahrheiten", welche niemals falsifiziert werden können! Antworten


Markus Schneider

27.05.2009, 11:27 Uhr
Melden

1/2: Offensichtlich besteht die Absicht dieser Kreise primär darin, Kinder möglichst frühzeitig und systematisch mit dem grotesken Blödsinn einer monotheistischen Religion (hier das Christentum) zu infizieren. Religiöser Glaube setzt in der Kindheit einen unbedingten Gehorsam voraus. Anstatt Kinder zu freien, unabhängigen und denkenden(!) Menschen zu erziehen, Antworten



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