In Schweizer Notfallstationen klafft eine riesige Personallücke

Ausgerechnet dort, wo es um Leben und Tod geht: Schweizer Notfall- und Intensivstationen haben mit akutem Personalmangel zu kämpfen.

Einzelne Spitäler müssen Patienten von der Intensivstation in andere Abteilungen verlegen: Notfallstation des Universitätsspitals Zürich. (Archivbild)

Einzelne Spitäler müssen Patienten von der Intensivstation in andere Abteilungen verlegen: Notfallstation des Universitätsspitals Zürich. (Archivbild) Bild: Martin Ruetschi/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für ihre Notaufnahmen und Intensivstationen finden die Schweizer Spitäler nur mit Mühe Pflegepersonal. In diesen Gebieten werden nicht genügend Fachleute ausgebildet, und die Lücken können im Gegensatz zu anderen Gebieten nicht mit ausländischen Pflegekräften gefüllt werden. Erschwert wird die Personalrekrutierung mit zusätzlichen Nachdiplomstudiengängen, die für Spezialgebiete wie Notfall- und Intensivpflege verlangt werden.

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, bekommen gewisse Spitäler den Personalmangel bereits empfindlich zu spüren. Dies wird von Lausanne bis St. Gallen und von Basel bis ins Bündnerland bestätigt. Das Kantonsspital Graubünden in Chur etwa muss vereinzelt Patienten von der Intensivpflegestation in andere Abteilungen oder sogar in externe Kliniken verlegen. In einzelnen Fällen führe der Personalmangel auch zum Aufschub dringender Behandlungen.

Gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagt Petra Tobias, Präsidentin der Schweizerischen Interessensgemeinschaft Notfallpflege, dass die Spitäler durch die Personalknappheit zu Reorganisationen gezwungen werden. Das Leben einzelner Notfallpatienten sei jedoch nicht in Gefahr: «Akute Fälle haben stets Priorität und erhalten die nötige Pflege und Behandlung», sagt Tobias.

Prämie für Stellenvermittlung

Personalchef Julius Risch weist neben den Unannehmlichkeiten für die Betroffenen auch auf die Einnahmeausfälle für das Spital hin. Um auf dem ausgetrockneten Markt fündig zu werden, belohnen einige Arbeitgeber ihre Angestellten für die Vermittlung von Pflegefachleuten mit Prämien. So bezahlen etwa das Universitätsspital Zürich und das Kantonsspital St. Gallen 1000 Franken Prämie an Angestellte, die sich für eine Anstellung verdient machen. Alleine am Unispital Zürich sind zurzeit 76 Stellen für die Pflege ausgeschrieben.

Die Lage droht künftig noch prekärer zu werden: Eine Studie prognostiziert bis 2020 gesamthaft 25'000 fehlende Beschäftigte im Gesundheitswesen; die Spezialgebiete werden besonders betroffen sein. Zurzeit bilden die Schweizer Fachschulen pro Jahr nicht mehr als 3000 Fachkräfte aus. Die kantonalen Gesundheitsdirektoren errechneten aber einen jährlichen Bedarf von rund 4700 diplomierten Pflegerinnen und Pflegern. (mrs)

(Erstellt: 27.07.2014, 11:52 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

«Ohne Ausländer ist die Versorgung nicht gewährleistet»

Kaum eine Branche stützt sich so stark auf ausländisches Personal ab wie das Gesundheitswesen. Das Ja zur Einwanderungsinitiative macht die Verantwortlichen nervös. Mehr...

Grünes Licht für Provisorium des Zürcher Unispitals

Das Universitätsspital darf im Spitalpark ein Provisorium erstellen. Dies hat das Baurekursgericht entschieden. Der Beschluss der kantonalen Baudirektion sei «denkmalpflegerisch vertretbar». Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Sponsored Content

Oktoberfest München 2016

Mit SBB RailAway zum Oktoberfest in München.

Werbung

Kommentare

Anzeigen

Die Welt in Bildern

Doppelt gemoppelt: Ein Fan, der das Konterfei des indischen Filmstars Rajinikanth auf dem Rücken trägt und sich zusätzlich als solcher verkleidet hat, steht vor einem Kino in Bengaluru, wo der neue Streifen Kabali gezeitg wird. (22. Juli 2016)
(Bild: Abhishek N. Chinnappa) Mehr...