«In jedem Kanton ein Felsenputzer-Verein»
Interview Christoph Landolt. Aktualisiert am 01.04.2009 42 Kommentare
«300'000 Leute leben vom Tourismus»: Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus. (Bild: Keystone)
Artikel zum Thema
Herr Schmid, Schweiz Tourismus unterstützt den Verein der Felsenputzer. Was soll das?
Die Vogelpopulation in den Bergen nimmt stetig zu. Das ist gut für die Natur, aber eine grosse Herausforderung für den Tourismus. Denn unsere Marktforschung zeigt: Der Hauptgrund, warum Touristen in unser Land kommen, ist die einzigartige Natur und die schöne Bergwelt. Wenn die in Gefahr ist, darf uns das nicht egal sein.
Steht es so schlimm um die Bergwelt? Mich stören in den Bergen mehr die Kuhfladen.
Kuhfladen lösen sich mit der Zeit im Regen auf – das ist bei Vogeldreck anders. Der ätzt sich in den Autolack, oder das Gestein. Dazu kommt die ästhetische Komponente: Wenn ein Bartgeier einen «gheien» lässt, dann hat das einen Streukreis von zehn Metern. Das sehen unsere Gäste.
Und deshalb lässt Schweiz Tourismus Leute in den Bergen herumkraxeln und Vogeldruck putzen?
Im Gegenteil. Das sind ganz lobenswerte, engagierte Leute, die bis jetzt aber ein Nischendasein fristen. Deshalb unterstützen wir den Verein der Felsenputzer finanziell, aber auch in Sachen Kommunikation: Wir helfen den Felsenputzern bei der Suche nach Freiwilligen.
Haben sich schon Interessenten gemeldet?
Ja, wir haben heute morgen ein Telefon von einem Bündner bekommen, der in seinem Kanton eine Sektion auf die Beine stellen will. Wir wollen, dass es dereinst in jedem Kanton einen Felsenputzer-Verein gibt – wie beim SAC.
Welche Anforderungen muss jemand erfüllen, der sich den Felsenputzern anschliessen will?
Nun, man muss die Natur lieben. Das müssen Leute sein, die ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit haben und bereit sind, sich zu engagieren. Man muss kein Spitzensportler sein – aber schwindelfrei sollte man schon sein. Und man muss halt wirklich den Besen in die Hand nehmen und putzen können. Das ist kein Schoggi-Job!
Müssen Freiwillige in den Berggebieten wohnen?
Nein. Es wird immer Basisarbeit zu tun geben. Die Felsenputzer sagen, dass sie in einem Fünfjahres-Zyklus sämtliche Täler durchreinigen wollen. Dazu gibt’s eine Art Not-Telefon. Wenn Sie eine besonders akute Verschmutzung bemerken, rückt eine Schnelleinsatz-Truppe aus. Wie bei der Rega.
Das ist ja sehr löblich. Gehört es zu den Kernaufgaben von Schweiz Tourismus, solche Hobby-Schrubber zu unterstützen? Immerhin wird Ihr Verband vom Bund finanziert.
Unsere Aufgabe ist es, das Reiseland Schweiz zu vermarkten. Aber wenn wir sehen, dass auf der Produkteseite Handlungsbedarf besteht, dann ist es Bestandteil der Marketingaufgaben, Massnahmen zu treffen um langfristig konkurrenzfähig zu sein. In der Schweiz leben 300'000 Leute vom Tourismus. Eine schöne Bergwelt ist deshalb absolut im Interesse des Landes.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 01.04.2009, 09:38 Uhr
WRITE A COMMENT
42 Kommentare
Ausgezeichnete Idee, doch die Aktion geht zu wenig weit. Nach der Reinigung sofort mit einem Firnis (Lack, natürlich wasserfest)) behandeln, damit der Fels bei einer weiteren Putzaktion, die sich nach Jahren wieder aufdrängen wird, nur noch mit Wasser abgespritzt werden muss. Und dann bitte etwas moderner vorgehen: "Kärcher" einsetzen! Mit Hochdruck geht alles viiiiiiieeeeel "ringer". Antworten
Ich würde einen Vogelerziehungskurs vorschlagen, wie für die Hunde. Diese ganze Putzaktion ist ja sehr teuer, daher kann man von den Vögeln auch eine gewisse Reinheit verlangen. Toll wäre vielleicht wenn sie ähnlich wie die Logos die in Kornfelder geschnitten werden, eine Werbung hinkacken könnten. Z.B. "Heidi Musical in Walenstadt" etc. Antworten
Man sollte die in den Bergen wohnhaften Zwerge dazu verplichten. Sie wohnen idealerweise Vorort, kennen das Gelände wie ihre eingene Westentasche und haben was das Putzen anbelangt eine langjährige Erfahrung. Mit ihrer erstaunlichen Grösse von 20 cm kämen sie auch an jede noch so kleine Bergritze ran! Wäre doch putzig so eine Kolonie von putzenden Zwergen. Das wäre die Touristenattraktion! Antworten
Der Thuner Stadtrat hat heute vormittag beschlossen, dass der neue Wasserstollen für die Abführung des Mists zur Verfügung steht. Dies vor allem um das in letzter Zeit am Schilthorn zu beobeachetende Bartgeierpärchen in der Region zu behalten. Bei der sofort durchgeführten Testspülung kamen dann drei Kanufahrer zum Vorschein, welche im Stollen für die Kanu-WM trainierten. Sache gits! Antworten
Hmm, ich finde, da öffnen sich ganz neue Möglichkeiten - Pampers for Birds beispielsweise, selbstreinigend und voll kompostierbar. Verschiedene Farben wären auch ganz toll! Mit dem entsprechenden Training für die Vogelschwärme könnte man so herrliche Farbdisplay auf die Felsen und an den Himmel zaubern. Das würde die momentan schleppenden Tourismuseinnahmen ankurbeln! Antworten
Ich würde vorschlagen, dass man zuerst alle Murmeltiere einsammelt und in einem staatlichen Umerziehungsprogramm dazu abrichtete, süchtig nach Geier- und anderen Vogelkot werden. Mögliche Nebenwirkung dieser Problemlösung: Einwanderung der Murmis in die Städte und Stürmung der Kanalisationen und öffentlichen Ämtern, denn: Fresst Scheisse, Millionen von Fliegen können nicht irren! Antworten
Zu hause verwenden wir Putzessig - also Säure. Um nun in der ganzen Schweiz das Vogelschissproblem zu lösen, müsste landesweit gleichmässig Säure vom Himmel fallen. Dazu könnte man zwei, drei thermische Kraftwerke bauen et voilà: Energieproblem +Herstellung von saurem Regen wären auf einen Schlag gelöst. Und die Freiwilligen hätten wieder Zeit, die gereinigten Alpen auch zu geniessen. Antworten
Lächerlich... Das sind wirklich Luxusprobleme die hier gepflegt werden sollen... Haben wir in der Schweiz wirklich keine anderen Sorgen? Für mich als Tourist ist wichtiger, dass ich in den Restaurants anständig bedient werde und die jeweilige Küche hygienischen Standards genügt. Leider sind dies heute keine Selbstverständlichkeiten mehr. Antworten
@ Hansjürg Meier: Da bin ich auch dafür. Ein Gremium, das die die Grösse und Härte der Bürsten vorschreibt, plus die einzusetzenden Reinigungsmittel normt: Wie viel Seife, wieviel Scheuermittel zugegeben werden und welche Körnung das Scheuermittel haben darf. Dazu sind noch umfangreiche Umweltverträglichkeitsgutatchen zu erstellen. Auch dürfen nur staatlich geprüfte Alpenschrubber zu Werke gehen. Antworten
Kann man daraus nicht eine europaweite Kampagne (oder Stiftung) machen und den Kot der Wölfe einzusammeln, welche seit gestern an der Ginsburg im Siegerland (D) gesichtet wurden. Es ist ja schon mit dem Hundekot schlimm genug, und jetzt auch noch Wolfskot! Für ein sauberes Europa!!! Antworten
Das wäre doch ein Job für unsere Star Bänker. Sie könnten mir ihren Zahnbürsten nicht nur ihr Image aufpolieren, nein, sie würden das erste Mal in ihrem Leben etwas für die Allgemeinheit tun. ICh würde mich auch verpflichten keine Geier mehr zu füttern. Antworten
Ich finde die Idee gut. Denn die Schweiz ist ja gerade wegen ihrer Sauberkeit so bekannt. Gut wäre aber auch, man würde den Kot bei den SAC-Hütten, welcher z.T. auch über die Felsen weggeht, ab & zu reinigen... da finden sich wahrscheinlich jedoch keine Freiwillige... Antworten
Schlimm an dieser Angelegenheit ist, dass auf diese Art unsere Alpen schliesslich weg geschrubbt werden. Hat sich Schweiz Tourismus auch schon Gedanken gemacht, wieviel Fels so jedes Jahr verloren geht. Früher oder später sind dann die Alpen bachab und in Holland. Bevor diese Putzaktion gestartet wird, braucht es eine Kommission, welche die Härte der Bürsten bestimmt und vorschreibt. Antworten
Zusätzlich schlage ich vor beim Aufstieg, mittels gesammelten Weinkorken, den Kühen den Hintern zu verschliessen, um damit die Methangaskonzentration zu vermindern. Damit es weniger stinkt und die Explosionsgefahr reduziert ist. Diese Aktionen sind schon längst überfällig. Antworten
Das mit der Teflonbeschichtung ist hervorragen. Da bleiben auch keine Kaugummis in den Alpen kleben. Wir haben deshalb beschlossen eine Initative einzureichen. Heute 12.00 in Zürich Paradeplatz, zum Zeichen tragen wir alle eine alte Bratpfanne (vogeldreckfrei) um den Hals. Antworten
Diese Vögel treiben es aber bunt. Wäre es nicht möglich, zusamen mit der Vogelwarte, die Vögel so zu erziehen, dass die, wie Katzen, ins Kistchen machen? Es gibt doch eine Studie, die besagt, dass es in den Alpen etwa 800 bis 1000 Vogelklos reichen würde. Auch Zeitungsenten könnten da hinein machen? Antworten
Super Initiative, endlich tut sich was in den Bergen. Wieso laden wir nicht den Herrn Steinbrück aus Deutschland ein und machen ihn zum Aktivmitglied. Er hätte doch auch gerne eine saubere Schweiz. Aber vielleicht ist er ja nicht 'Schwindelfrei'? Antworten
Mich haut es glatt weg um, das muss ein Aprilscherz sein. Putzt doch zuerst den menschlichen Dreck weg. Z. B. die unzähligen Kaugummies auf Strassen und Trottoirs, die Petflaschen , Fastfoodcontainer und Plastiksäcke and den Strassenrändern. Die Verluderung des Landes, treu der angelsächsischen Mentalität, ist in der "sauberen Schweiz " anscheinend nicht aufzuhalten, im Gegensatz zu Singapore. Antworten
Im Kanton BL gibt es noch keine Sektion! Wer ist dabei und hilft eine zu gründen? Bitte direkt bei Jürg Schmid melden, ich hab's schon gemacht! Es ist ja schlimm, wie Sissacher-, Rote-, Weisse- und noch viele -Fluh inzwischen aussehen! Da besteht dringender Handlungsbedarf! Packen wir's an! Für ein sauberes (Vogelschissfreies) Baselbiet! (eine Sektion BS könnte sich dem Münster widmen! Antworten
:-)Die Vorstellung, tausende, angeseilt am 'Gstältli', am Fegen der Eigernordwand..!!! Oder das Matterhorn, vollbehängt mit Putzequipen, die am Schaben und Schrubben sind!!! Ein tolles Werbebild für die saubere Schweiz! Mit dem Slogan: 'Bei uns ist ALLES rein!' :-) oder 'Barfuss in die Alpen, wir halten die Wege REIN! (VV Appenzell)Oder an der Jungfrau: Wir halten die Jungfrau jungfräulich :-)) Antworten
Ich verstehe, dass die Schweiz ihren Ruf als sauberes Land gerne hochhalten will. Dass jedoch ausgerechnet der Geier, welcher mit mir den Namen teilt, als Hauptverursacher des Drecks in den Alpen herhalten muss, finde ich eher übertrieben. Es gibt eine Menge anderer Vogelarten, die mitverantwortlich sind. Dazu kommt der Dreck von Touristen, weidenden Kühen etc. Antworten





Elsbeth Draemann
Als 1.Aprilscherz ist es gut aufgemacht, gratuliere!!! Werde gerne die geputzten Alpen besichtigen! Mit besten Grüssen Elsbeth Draemann Antworten