«Intelligente Bescheidenheit täte der SRG gut»
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 17.05.2011 215 Kommentare
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SVP-Nationalrätin Natalie Rickli zieht gegen die SRG vom Leder – und viele ziehen mit. Die Petition, die dem «Gebührenmonster» den Geldhahn zudrehen will, wurde 143'000 Mal unterschrieben, Hunderte Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser pflichten dem Ansinnen bei, ärgern sich über «Zwangsgebühren» und das «verfilzte Leutschenbach». Woher rührt dieser Unmut gegen die SRG, die nüchtern betrachtet nur ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt?
«Die SRG ist in den vergangenen Jahren nicht mehr durch intelligente Bescheidenheit aufgefallen. Das täte ihr aber gut», sagt der Ringier-Publizist und ehemalige «Rundschau»-Chef Hannes Britschgi. «Wir siegen uns zu Tode», zitiert er den ehemaligen SF-Direktor Peter Schellenberg. Die SRG müsste selber merken, dass sie nicht zu mächtig werden darf und nicht ein Maximum an Privilegien haben kann. «Irgendwann wird die Empfindlichkeit in der Bevölkerung zu gross.» Peinlich sei die wiederkehrende Leier mit dem Auslandvergleich: «Wenn jetzt auch Roger de Weck das Budget des Schweizer Staatssenders mit jenem in Deutschland vergleicht, ist das nicht nur unredlich, sondern auch dumm. Jeder, der ein bisschen mitdenken kann, hält diesen Vergleich für lachhaft.»
«Was sind schon 143'000 Unterschriften?»
Britschgi relativiert seine Kritik: Es handle sich bei der Petition aber auch um geschickte Bauernfängerei. «Wenn ich frage: Willst Du dasselbe Angebot zum halben Preis haben?, sagt niemand Nein.» Das Mobilisierungspotenzial der Rickli-Petition lasse sich auch damit erklären, dass das Fernsehen alle kennen. «Jeder kann mitreden. Und den Mächtigen ans Bein zu pinkeln ist ein gesunder, republikanischer Reflex.»
Peter Studer, ehemaliger SF-Chefredaktor, sagt: «Was sind schon 143'000 Unterschriften verglichen mit fünf Millionen Schweizer Stimmberechtigten? Das RTVG ist vom Parlament abgesegnet, und die SRG hat per Verfassung einen Auftrag in Bildung, Kultur und Unterhaltung.» Würde Petitionärin Natalie Rickli wirklich etwas ändern wollen, müsste sie nicht bloss ein unverbindliches Gesuch einreichen, sondern eine Verfassungsinitiative lancieren, sagt Studer.
Studer räumt aber ein, dass er Verbesserungsmöglichkeiten sieht im Angebot und der Organisation der SRG. «Ich sehe nicht ein, warum es neben dem Jugendsender DRS 3 mit Virus noch einen weiteren braucht. Ebenso wenig macht es Sinn, neben DRS 2 auch Classic Radio zu betreiben.» Einige Sendungen seien ihm zu «billig» gemacht. Die «Aversion gegen die SRG», die von der SVP und insbesondere Nationalrätin Natalie Rickli geschürt werde, kann Studer aber nicht bestätigen: «In Umfragen erhalten die SRG-Programme regelmässig sehr hohen Zuspruch.»
«Es gäbe ein Aufschrei in unserem Land»
Die Aufregung sei weitgehend künstlich, sagt Radio-1-Chef Roger Schawinski: «Das ist alles hoch gepusht. Die Leute, die unterschrieben haben, wissen wahrscheinlich gar nicht, was das bedeuten würde.»
Laut Rickli wäre die drastische Gebührensenkung von 460 auf 200 Franken machbar mit der Einstellung oder Privatisierung verschiedener Sender wie SF 2. Spielfilme und Serien gehörten auch nicht zum Service public. Schawinski dazu: «Wenn der Sportkanal SF 2 abgeschaltet würde, gäbe es einen Aufschrei im ganzen Land. SF ohne Fussball WM? Ohne Olympische Spiele? Undenkbar!» Auch Serien und Spielfilme gehörten zum Grundangebot öffentlich-rechtlicher Sender, wie Deutschland beweist. «Wer kann schon grosse Serien selber produzieren oder Spielfilme mitfinanzieren? 3+ kupfert allein erfolgreiche Reality-Shows von deutschen Sendern ab. Zu mehr reicht es nicht.»
Schawinski bezeichnet die Petition als «völligen Schrott, total undurchdacht». Rickli sei als SVP-Politikerin und Angestellte der Werbevermarkterin der deutschen Privatsender gleich doppelte Lobbyistin. Zudem sei die Petition mitnichten die erfolgreichste aller Zeiten: «Für Radio 24 haben wir im Jahr 1979 in bloss fünf Tagen 212'000 Unterschriften gesammelt.» Ein gewisser Unmut gegen die SRG bezeichnet Schawinski, der ab August eine eigene Sendung bei SF moderiert, als normal: «Ein Monopolist ist nie besonders sympathisch. Und SF hat im Informationsbereich immer noch ein weitgehendes Inlandmonopol.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.05.2011, 13:17 Uhr
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215 Kommentare
Typisch Schawinski, er hat wieder mehr Unterschriften gesammelt als Rickli. Er hat aber damals auf seinem Radiosender wochenlang für diese "getrommelt"! Aber so ist er halt, er ist immer der Erste, der Beste, der Erfolgreichste und der, welcher alles erfunden hat. Lassen wir ihm die Freude! - Die Reaktionen der SRG geben mir zu denken, offenbar keinerlei Einsicht, nur Ausreden, Hohn und Häme. Antworten
Man schalte ab: Swiss-Award, Miss- und Mister Schweiz-Wahlen, nehme am Euro Contest (und hebe sich davon positiv ab) nicht mehr teil, schalte für jeden Landesteil nur noch einen Sender auf, beschränke die 10vor10 Sendungen wirklich auf das Internationale und Inländische (und verzichte auf Reportage-Ferien von SRG-Angestellten, welche niemanden interessieren). Und schon ist viel gespart! Antworten
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