Schweiz
«Internationale Standards überfordern die Volksschule»
Von Chantal Hebeisen. Aktualisiert am 23.05.2012 74 Kommentare
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In der Volksschule wurde ihr Sohn nicht glücklich, obwohl er zuvor gerne zur Schule ging. Aufgrund dessen sei dann der Wechsel an die internationale Schule erfolgt, sagte die Neuseeländerin Liliana Winkelmann gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Mangelnde Schweizerdeutsch-Kenntnisse des Jungen sollen mit ein Grund gewesen sein.
Heute hätten durchschnittlich 30 Prozent der Schulkinder Deutsch nicht als Muttersprache, so Jürg Brühlmann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. «Daher muss sich jede Gemeinde mit dem Thema der Integration beschäftigen.» Dabei unterscheide man nicht, aus welchem Land ein Kind stammt. Je nach Grösse und Kapazität einer Schulgemeinde komme das Kind zuerst in eine Einführungsklasse, wo es binnen zwei bis drei Monaten Deutsch lerne, sagt Brühlmann.
Keine speziellen Programme für Expat-Kinder
Wo keine Einführungsklassen möglich seien, werde das Kind sofort in die reguläre Klasse integriert und mit Einzelunterricht so weit gefördert, dass es möglichst rasch an allen Unterrichtslektionen teilnehmen kann. Man habe aber festgestellt, dass Kinder von bildungsnahen Familien rascher mit dem Schulsystem klarkämen als andere Kinder. «Normalerweise hört man von diesen Kindern nur sehr wenig, weil die Integration ohne Probleme verläuft», erklärt Brühlmann.
Dennoch sind die Expat-Familien seit rund drei Jahren ein Thema für den Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. Oft hätten diese Eltern zu hohe Ansprüche an das Schweizer Schulsystem. Handlungsbedarf sieht Brühlmann da nicht. «Wir bieten den Expats keine speziellen Programme an, denn es wäre seltsam, ihren Kindern eine bessere Ausbildung als den Schweizer Kindern anzubieten», sagt der 58-Jährige. «Unsere Volksschule kann nach der regulären Schulzeit zwar keinen internationalen Abschluss anbieten, doch die Schweizer Schulen sind gut aufgestellt.» Gerade in der Mathematik sei man den angelsächsischen Ländern oft voraus im Lehrplan. Bei den naturwissenschaftlichen Fächern dagegen habe der internationale Lehrplan die Nase vorn. Es gebe natürlich je nach Schule Unterschiede, welche Stoffe in welchem Schuljahr behandelt werden.
Bis zu einem Drittel der Kinder an Privatschulen
Für Familien, die nur zwei bis drei Jahre in der Schweiz bleiben und dann wieder weiterziehen, ist dies ein Problem. Weil in der Schweiz nicht nach internationalem Standard unterrichtet wird, entstehen bei den Kindern Lücken, wenn sie in einem anderen Land mit dem Unterricht fortfahren. Um das zu vermeiden, schicken viele Expats ihre Kinder auf internationale Schulen.
Im Kanton Zug führe dies dazu, dass in gewissen Gemeinden bis zu 30 Prozent der Kinder an Privatschulen unterrichtet werden, sagt Brühlmann. «Als Dachverband sehen wir dies natürlich nicht gerne.» Doch mit den Ansprüchen von internationalen Standards sei die Volksschule überfordert.
Mittlerweile gibt es aber auch Kantonsschulen, die den International Baccalaureate oder auch englische Abschlüsse wie das First Certificate oder das Proficiency systematisch anbieten. Zudem werde an immer mehr Gymnasien der Unterricht zur Hälfte in Englisch abgehalten. «Kinder, die die Mittelschule besuchen, haben überhaupt keine Probleme», ist Brühlmann überzeugt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.05.2012, 17:33 Uhr
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74 Kommentare
Was genau sollen internationale Standards sein? Das Bildungssystem der USA oder GB, wo die Mehrheit der Bevölkerung eine miserable Bildung geniesst? Oder jene Länder der Welt, wo sich nur der reiche Teil der Bevölkerung in Privatschulen eine erträgliche Schulbildung für die Kinder leisten kann? Antworten
Das Schweizer Schulsystem im m.E bestens positioniert um die Schweizer Jugend auf die Bedarfe der Wirtschaft vorzubereiten. Wir haben den richtigen und notwendigen Mix an Theorie und Praxis. Das duale Bildungswesen erlaubt es jedem den Bereich zu finden wo er erfolgreich sein kann. Als Folge davon, schauen Sie sich einfach die tiefe (Jugend-) Arbeitslosigkeit an. Ist Weltweit doch Spitze! Antworten
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