Islam-Wissenschaftler Ramadan tritt in den USA auf
Artikel zum Thema
- «Der Islam ist jetzt auch eine Schweizer Religion»
- Nach Minarett-Verbot: Der Appell von Tariq Ramadan
- Libyscher Student fühlt sich von Genf schikaniert
Stichworte
Sechs Jahre lang ist dem umstrittenen Genfer Islam-Wissenschafter Tariq Ramadan die Einreise in die USA verweigert worden. Am Donnerstagabend trat er dort nun zum ersten Mal wieder auf und sprach zum Recht auf freie Meinungsäusserung.
«Ich bin kein Extremist und habe nichts zu tun mit Terrorismus», sagte Ramdan in New York bei seinem ersten Auftritt in den USA seit 2004.
Sein Visum, mit dem er seine Stelle als Professor für Islam an der Notre Dame Universität im US-Bundesstaat Indiana hätte antreten können, sei ihm von der Regierung unter Präsident George W. Bush nur verweigert worden, weil er sich gegen die US-Aussenpolitik geäussert habe.
Bis auf den letzten Platz besetzt
In seiner Rede an der Cooper Union Schule in Manhattan stand das Recht auf freie Meinungsäusserung im Zentrum. Trotz höchsten Sicherheitskontrollen war der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Tariq Ramadan erinnerte das Publikum daran, dass es eine Bürgerpflicht sei, die eigene Meinung kund zu tun.
Die amerikanische Organisation zur Erhaltung der Bürgerrechte (ACLU) stellte sich 2004 nach dem Einreiseverbot hinter Ramadan und trat vor Gericht für die Aufhebung der Verfügung ein.
Ramadan dankte den ACLU-Vertertern. Selbst Personen, die gegen seine Auffassungen seien, hätten sich gegen das Verbot gewehrt, sagte Ramadan. Mit solchen Leuten werde er in Zukunft das Gespräch suchen, versprach der Professor.
Zweifel am Fundament
George Packer, ein Journalist des Magazins «New Yorker», bezeichnete Ramadan in der Diskussionsrunde als «Brückenbauer, der seine Brücke auf einem bedenklichen Fundament» baue. Er warf dem Schweizer mit ägyptischen Wurzeln vor, seinen Grossvater nicht genügend für dessen Kontakte zu Hitler zu verurteilen.
Ramadan machte indes klar, dass er Anti-Semitismus in aller Form verurteile und nichts mit Faschismus und Nazismus am Hut habe. Er betonte zudem die wichtige Rolle, die Frauen im Islam zukommen sollte.
Viele der muslimischen Frauen würden Schleier und Burka bewusst wählen, um ihre Einstellung zu zeigen, nicht weil sie von Familie oder dem Ehemann dazu gedrängt würden, sagte der Professor. Er erntete dafür viel Applaus von zahlreichen jungen muslimischen Frauen im Publikum.
Ausweichende Antwort
Der Frage aus dem Publikum, ob jemand nach Ansicht des Professors offen homosexuell und gleichzeitig gläubiger Muslim sein könne, wich Ramadan jedoch aus. «Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Du machst, aber respektiere Dich als Menschen», antwortete Ramdan. Jede Person habe verschiedene Identitäten, letztlich sei der freie Wille entscheidend, welchen man folge.
Ramadan war in den USA unter Präsident Bill Clinton oft als Islam- Experte aufgetreten. US-Aussenministerin Hillary Clinton hob den Bann in Januar diesen Jahres auf und lud Ramadan dazu ein, erneut einen Visa-Antrag für die Anstellung an einer amerikanischen Universität zu stellen. «Dies ist ein erster Schritt zur Wiederherstellung des Rechtes auf freie Meinungsäusserung», sagte Clinton. (oku/sda)
Erstellt: 09.04.2010, 08:37 Uhr
Schweiz
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!




