Israels Bombenhagel zerstörte Schweizer Projekte
Von Astrid Frefel, Gaza. Aktualisiert am 30.01.2009 27 Kommentare
In solche Schulen wurde mittels der Hilfsprojekte viel Geld investiert - und durch die Bombardements wieder verloren. Die finaziellen Einbussen betreffen auch Hilfsorganisationen aus der Schweiz.
Vor dem Krieg gab es im Osten des Jabalya-Flüchtlingslagers im nördlichen Gaza-Streifen kleine Gärten, in denen Blumen gezüchtet wurden. «Heute erkennt man die Gegend nicht wieder. Alles ist weg: die Blumen, die Bewässerungseinrichtungen, die Zäune. Hier schlugen nicht nur Bomben ein, die ganzen Felder wurden von Bulldozern platt gewalzt», sagt Mario Carera. Der Leiter der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Jerusalem ist in diesen Tagen im Kriegsgebiet unterwegs, um sich ein Bild von den Schäden zu machen.
Schwere psychologische Kriegsfolgen
Die Deza unterstützt das Projekt der Blumengärten von Jabalya. Betrieben wird es von PARC – einer alteingesessenen palästinensischen Organisation im Bereich der Landwirtschaft. Sie will damit Verdienstmöglichkeiten schaffen. Nun haben die betroffenen Familien mit der Zerstörung ihre wirtschaftliche Grundlage verloren. Insgesamt liegt zwischen 40 bis 50 Prozent der Landwirtschaft in Trümmern. Völlig verwüstet ist auch der Hauptsitz von PARC in Gaza-City, der von der israelischen Armee besetzt worden ist.
«Die materiellen Schäden sind das eine, mindestens so gravierend sind aber die psychologischen Traumata, welche die Menschen erlitten haben. Wir haben eine Familie besucht, deren Mutter sich völlig verstört einschliesst und aus Angst das Haus nicht mehr verlässt. Solche Beispiele gibt es viele», erklärt Carera.
Um diese Kriegsfolgen kümmert sich das Gaza Community Mental Health Program von Dr. Eyad Sarraj, das die Schweiz unterstützt – ebenso wie zwei Jugendzentren. Sie haben vor allem Kollateralschäden von Bombardements in der Umgebung erlitten. Fenster gingen zu Bruch, und Computer sind unbrauchbar geworden. Insgesamt schätzt der Deza-Verantwortliche die Schäden an den Schweizer Projekten auf 600'000 bis 700'000 Franken. Alle betroffenen Organisationen haben ein Notprogramm auf die Beine gestellt, um trotzdem weiterarbeiten zu können.
Die Schweiz hat zusätzlich drei Millionen Franken an das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNRWA) gegeben und eine Million für humanitäre Hilfe bereitgestellt. Mit diesem Geld wurden bereits Hilfsgüter wie Decken, medizinische Ausrüstung, Plastikplanen und vieles mehr gekauft. In den nächsten Tagen sollen sie mit 22 Lastwagen über die ägyptische Grenze in den Gaza-Streifen gelangen.
Israelische Kompensation gefordert
«Die Verteilung übernehmen unsere Partnerorganisationen, die bereits 1000 Freiwillige aufgeboten haben», sagt Carera. Wenn die Uno in der ersten Februar-Hälfte ihren Hilfsappell für Gaza lanciert, könnte die Schweiz weitere Spezialisten aus dem Katastrophenhilfskorps bereitstellen.
Die 22 Tage dauernden Kämpfe haben auch viele Schäden an Uno-Einrichtungen und am zentralen Warenlager angerichtet haben. Mehr als 50 Uno-Gebäude wurden beschädigt. Nun stellt sich für die Geldgeber die Frage nach israelischen Kompensationen. Denkbar wäre auch eine Mitfinanzierung der Soforthilfe und des Wiederaufbaus. John Holmes, der Uno-Verantwortliche für die humanitäre Hilfe, erklärte dazu vor wenigen Tagen in Kairo, erst müsse Israel klare Antworten zu diesen Übergriffen liefern. Dann werde die Frage der Kompensation geprüft. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.01.2009, 07:31 Uhr
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27 Kommentare
Warum dieser sinnloser Krieg? Israel musss hart bestraft werden (wirtschaftlich). Vor dem interationalen Gerichtshof verurteilt werden. Waffen eingesetzt gegen unschuldige Bevölkerung. Was die wirtschaftlichen Schäden betrifft müssen Israel finanziell alles bezahlen, fuer jedes Menschenleben mindestens eine Million Euro an Hinterbliebene. Wieso keine Hilfslieferung mit Schiffen und Flugzeugen? Antworten
Dass Israels Abwehr auf die jahrelang anhaltenden Raketenangriffe der Terroristen viel Zerstörung gebracht hat, will ich nicht kleiner machen. Jedoch geht dies auf das Konto der Hamas, die sich und ihre Waffen in solchen Gebäuden untergebracht haben (Spitäler, Schulen, Kindergärten etc.) und sogar die Bevölkerung daran hinderte, die Gebäude und Umgebung zu verlassen - als Schutzschilde. Antworten
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