Jährlich rund 5000 neue Arme im AHV-Alter

Die Schere zwischen Arm und Reich bei den über 65-Jährigen öffnet sich immer weiter. Dies belegen neue Zahlen von Pro Senectute.

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Immer mehr Pensionierte kommen finanziell nicht über die Runden. 12,2 Prozent der Senioren haben im letzten Jahr zusätzlich zu ihrer AHV-Rente Ergänzungsleistungen (EL) bezogen – 0,5 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Dies zeigen neue Zahlen von Pro Senectute Schweiz.

Weil analog dazu auch die Gesamtzahl der AHV-Rentner gestiegen ist, scheint der Prozentwert verschwindend klein. Die blanken Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache: 185‘800 Rentner in der Schweiz sind neben der Altersversicherung auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Das sind 26'800 Personen mehr als im Jahr 2008. Im Durchschnitt ist die Zahl der EL-Bezüger damit jährlich um rund 5000 gewachsen.

Die Zahlen von Pro Senectute zeigen zudem, dass die Einkommens- und Vermögensunterschiede bei den Menschen im AHV-Alter immer grösser werden. Gemäss Hochrechnungen zählte die Schweiz im Jahr 2013 altersübergreifend rund 264‘000 Millionäre. Die Organisation schätzt, dass etwas mehr als die Hälfte (53,1 Prozent) dieser Millionäre im AHV-Alter ist. 140'000 über 65-jährige Millionäre – das seien weit weniger, als bisher angenommen wurde.

Weil nur vereinzelte Kantone altersspezifische Vermögensstatistiken ausweisen, basiert die Zahl der Millionäre unter den Rentnern auf Schätzungen. Im Jahr 2008 versteuerten in den Kantonen Basel-Stadt, Thurgau, Waadt und Zürich 83‘088 Personen ein Reinvermögen von über einer Million. Davon waren 43‘782 oder 52,7 Prozent im AHV-Alter.

Die Gegenüberstellung von Millionären und Bezügern von Ergänzungsleistungen verdeutlicht: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich im AHV-Alter immer mehr.

Am meisten Rentner mit Ergänzungsleistungen zur AHV leben im Kanton Tessin – 15‘063 Personen oder 19,4 Prozent der Pensionierten. Das habe mehrere Ursachen, sagt Anna Rossetti von der Sozialversicherungsanstalt (SVA) Tessin. Zum einen sei das Einkommensniveau schon immer tiefer gewesen als in anderen Kantonen – aktuell lägen die Saläre 15 Prozent unter jenen in der restlichen Schweiz. «Das beeinflusst die Leistungen der ersten und zweiten Säule, so dass bei uns mehr Pensionäre Ergänzungsleistungen benötigen als in anderen Kantonen.» Zum anderen sei die Altersquote im Tessin um fünf Prozent höher als in der Restschweiz. Dazu trügen auch viele Rentner aus anderen Teilen der Schweiz bei, die in der Sonnenstube ihre Pension verbringen.

Neben dem Tessin weisen zudem fast alle Westschweizer Kantone sowie Luzern und Basel-Stadt hohe EL-Bezugsquoten auf.

Im Kanton Zug dagegen beziehen nur 7,2 Prozent der AHV-Rentner (1432 Personen) Ergänzungsleistungen. Das ist der schweizweit tiefste Wert. Rolf Lindenmann, Direktor der Ausgleichskasse und IV-Stelle, sagt, diese tiefe Zahl ergebe sich wohl aus einem Zusammenspiel verschiedener Gründe: Im wirtschaftlich prosperierenden Kanton befände sich ein Grossteil der Einwohner im Erwerbsalter – daher lebten vergleichsweise wenige Rentner in Zug. Darüber hinaus seien die meisten Arbeitnehmer im mittleren und unteren Einkommensbereich Pendler aus anderen Kantonen, weil sie sich die hohen Lebenskosten in Zug nicht leisten könnten.

Gerade die teuren Mieten hätten aber die Behörden veranlasst, zu handeln, sagt Lindenmann: «Wir helfen EL-Bezügern bei der Finanzierung des Mietzinses. Dazu wären wir aufgrund des Bundesgesetzes nicht verpflichtet.» Weitere Faktoren, welche die Zahl der EL-Bezüger klein halten, dürften die tiefen Krankenkassenprämien sowie die im interkantonalen Vergleich hohen AHV-Renten sein. Trotzdem ist Lindenmann überzeugt, dass aufgrund der demografischen Entwicklung die Zahl der EL-Bezüger im Pensionsalter auch in Zug zunehmen werde.

Neben Zug gehören auch das Wallis, Appenzell Innerrhoden und Nidwalden zu den Kantonen mit niedrigen EL-Bezugsquoten.

Im interkantonalen Vergleich fällt das Wallis auf: Dort ist die Zahl der EL-Bezüger im Pensionsalter zwar vergleichsweise tief, aber sie hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Im Wallis kann man über diese Entwicklung nur mutmassen: «Wir gehen davon aus, dass diese Zahl wegen der demografischen Entwicklung angestiegen ist. Zudem dürfte es viele Senioren geben, die ihren Lebensabend in unserem Kanton verbringen wollen. Wissenschaftlich erhärtet sind diese Vermutungen indes nicht», sagt Bernard Vogel, Direktor der Ausgleichskasse Wallis.

Der nachfolgende Teil ist noch unbearbeitet

Die Mehrheit der EL-Beziehenden – nämlich über 75 Prozent – lebt selbständig zu Hause. Diese Senioren benötigen durchschnittlich 916 Franken pro Monat zusätzlich zur AHV.

38 Prozent der Rentnerinnen und 13 Prozent der Rentner erhalten neben der AHV weder Leistun-gen aus einer Pensionskasse noch aus einer dritten Säule. Bei einer Bandbreite der AHV-Rente von minimal 1‘170 bis maximal 2‘340 Franken pro Monat wäre das Armutsrisiko ohne Ergän-zungsleistungen hoch. Trotzdem verzichten manche ältere Menschen aus Scham oder Ehrgefühl darauf, Ergänzungsleistungen zu beantragen.4

In Obwalden spriessen Millionäre

Millionärs-Hochburg Schwyz

--> offen: wie Pro Senectute das hochgerechnet hat: Die Organisation hat bei den Millionären auf der Basis der nationalen Steuerstatistiken der Eidgenössischen Steuerverwaltung aus den Jahren 2008 bis 2010 einen Trend bis 2013 berechnet. Weil es sich beim verwendeten Modell um eine lineare Regression handelt, geht Pro Senectute davon aus, dass die Schätzung konservativ ist.

(Erstellt: 30.09.2014, 11:32 Uhr)

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