Jeder soll künftig als Organspender gelten

Wer seine Organe nicht spenden will, soll dies künftig ausdrücklich festhalten müssen. Mit dieser Umkehr der geltenden Regel versucht der Nationalrat, die Spenderquote zu erhöhen.

In der Schweiz gibt es zu wenig Organspender: Ein Arzt hält einen Beutel mit einem gesunden Herz im Kinderspital Zürich. (Archivbild Sommer 2011)

In der Schweiz gibt es zu wenig Organspender: Ein Arzt hält einen Beutel mit einem gesunden Herz im Kinderspital Zürich. (Archivbild Sommer 2011) Bild: Keystone

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Der Nationalrat will die automatische Organspende einführen. Er hofft, mit der sogenannten Widerspruchslösung die Spenderquote erhöhen zu können. Der Bundesrat hingegen setzt auf einen Aktionsplan.

Geht es nach dem Willen des Nationalrats, soll sich in Zukunft jeder Bürger mit der Frage befassen müssen, ob er sich als potenzieller Organspender zur Verfügung stellen möchte. Dazu würde nach der Vorstellung von Motionär Laurent Favre (FDP, NE) eine Datenbank angelegt. Äussert sich eine Person nicht, soll von einer Zustimmung ausgegangen werden.

Positive Erfahrungen in anderen Ländern

Favre verwies auf die positiven Erfahrungen in anderen europäischen Ländern, welche die Widerspruchslösung kennen. Von den zehn Ländern mit den höchsten Spenderquoten seien neun nach dem Widerspruchsmodell organisiert.

Gesundheitsminister Alain Berset glaubt nicht, dass die Zahl der Organspenden mit der Widerspruchslösung merklich zunehmen würde. Ausserdem habe die automatische Organspende im Vergleich mit der heutigen Regelung ethische Defizite.

Ethikkommission dagegen

Auf Empfehlung der nationalen Ethikkommission verzichtete der Bundesrat deshalb darauf, die Widerspruchslösung weiterzuverfolgen. Mit dem im März dieses Jahres vorgestellten Aktionsplan setzt er stattdessen auf verbindliche Spendenprozesse in allen Spitälern, den Aufbau einer nationalen Stelle sowie die Information der Bevölkerung.

Bei der Widerspruchslösung werden die Organe nach dem Tod automatisch entnommen, sofern es der Patient nicht ausdrücklich anders gewünscht hat. Heute dürfen Organe in der Schweiz nach dem Tod nur dann entnommen wurden, wenn die betroffene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder wenn es die Angehörigen erlauben. Im Jahr 2012 haben 96 Menschen nach ihrem Tod eines oder mehrere ihrer Organe gespendet.

Nun befasst sich der Ständerat mit dem Geschäft. (rub/sda)

(Erstellt: 12.09.2013, 12:20 Uhr)

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