«Jedes Jahr sterben 1000 Menschen an Behandlungsfehlern»
Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 05.01.2009 46 Kommentare
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Das Drama ereignete sich während der Festtage: Die Eltern brachten ihre vierjährige Tochter in die Kinderklinik des Kantonsspitals Aarau. Das Mädchen hatte Fieber. Bevor die Ärzte es behandeln konnten, musste die Familie zwei Stunden in der Notfallaufnahme warten. Dort gaben sie den Eltern Zäpfchen gegen Grippe mit und schickten diese nach Hause. Am Nachmittag verstarb das Kind.
Nun laufen Ermittlungen im Todesfall. Der zuständige Staatsanwalt schliesst einen Diagnose-Irrtum nicht aus. Das wäre in der Schweiz kein Einzelfall: «Laut internationalen Studien kann man davon ausgehen, dass jedes Jahr 1000 Patienten an Behandlungsfehlern sterben», sagt Marc-Anton Hochreutener, Arzt und Geschäftsleiter der Stiftung für Patientensicherheit. Genaue Daten gibt es aber keine – die Zahl hat Hochreutener anhand internationaler Studien umgerechnet. Er geht jedoch davon aus, dass die Zahl nicht zu hoch gegriffen ist: «Diese Studien betrachten das Thema vorsichtig.»
Risiko: Spardruck und Wettbewerb
Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbandes Schweizerische Patientenstellen, kritisiert: «Der Spardruck sowie der Wettbewerb unter den Spitälern tragen erheblich zum Risiko eines Behandlungsfehlers bei.» Ein weiteres Risiko ist laut Ziltener der Personalmangel, der zu langen Wartezeiten auf den Notfallstationen führt.
Sie stellt zudem fest, dass immer mehr Patienten mit «leichten» Beschwerden auf die Notfallstation gehen. «Damit wird der Druck auf das Personal erhöht: Dieses muss bei kaum zu bewältigenden Arbeitspensen innert kürzester Zeit Prioritäten richtig setzen.» Ziltener fordert darum, dass die Spitäler Meldesysteme einrichten, um Behandlungsfehler künftig zu verhindern.
Gefährliche Medikamente
Auch die Stiftung für Patientensicherheit setzt sich dafür ein, dass die Zahl der Behandlungsfehler zurückgeht. Laut Marc-Anton Hochreutener wurden bereits über 100 Fälle in der Schweiz untersucht. So fanden die Fachleute heraus, wo die meisten Fehler passieren: bei der Verabreichung von Medikamenten. Doch auch mangelnde Kommunikation und fehlende elektronische Patientengeschichten sind laut Hochreutener mögliche Fehlerquellen. «Meistens ist es jedoch nicht nur eine Ursache, sondern es kommen mehrere zusammen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.01.2009, 13:38 Uhr
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46 Kommentare
Die Fehlerkultur im Gesundheitswesen steckt in den Kinderschuhen und Fehler Veröffentlichungen sind (noch) unerwünscht. In entwickelten Ländern können Patienten ihre Spitalwahl im Internet anhand von Spitalqualifikationen auswählen. Bis wir in der Schweiz soweit sind, werden Jahre vergehen, ich würde Ihnen empfehlen, bevor Sie ins Spital gehen, eine gute Rechtsschutzversicherung abzuschliessen! Antworten
Jungaerzte wurden - wie Jungpolizisten - Praesenzzeitmaessig schon immer zu einem laecherlichen Stundenlohn ausgebeutet. Erst Broffessoren und Offiziere haben eine geregelte Freizeit. Das ging gut, solange sich noch gelegentliche Sitzpausen ergaben. Haeute sind aber viele pausenlos ueberlastet (siehe Geburtshilfe mit Unterbruch einer anderen Operation). Die Letzten beissen wieder die Hunde. Antworten
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