Jetzt bricht bei den Versicherten Hektik aus
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Der massive Anstieg der Krankenkassenprämien hat die Wechselbereitschaft der Versicherten im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent erhöht. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage des Internet-Vergleichsdiensts Comparis.ch. Im Auftrag von Comparis.ch befragte das Marktforschungsinstitut Demoscope Ende September und Anfang Oktober 1222 Personen in der deutschen, französischen und italienischen Schweiz. Gaben vor einem Jahr 8 Prozent der Befragten an, die Krankenkasse wechseln zu wollen, waren es heuer mit 12 Prozent der Befragten 50 Prozent mehr. Im Herbst 2007 gaben sogar lediglich 5 Prozent an, die Krankenkasse wechseln zu wollen. Damals war der Prämienanstieg mit 0,5 Prozent im Gegensatz zu diesem Jahr aber auch minimal.
Vor einem Jahr wechselten am Ende 12 Prozent der Versicherten die Krankenkasse. Wenn sich dieses Jahr die Befragten wie im letzten Jahr verhalten, werden über 18 Prozent der Versicherten die Krankenkasse wechseln. Dies entspricht über 1,3 Millionen Kassenwechseln. Entscheidend für oder gegen einen Krankenkassenwechsel dürfte aber für viele Versicherte, die sich in der Umfrage noch nicht festlegen wollten, der Erhalt der Prämien für das nächste Jahr sein. Der Versand dieser Prämieninformationen erfolgt dieser Tage durch die Krankenkassen.
Hohe Franchise - höhere Wechselabsicht
Je nach Franchise, Wohnort und Alter der Befragten ist die Wechselbereitschaft unterschiedlich gross. Von den Befragten mit einer hohen Franchise gaben 15 Prozent an, die Krankenkasse wechseln zu wollen. Damit ist die Wechselbereitschaft doppelt so hoch wie bei den Versicherten mit der Standardfranchise. Wegen einer Rabattsenkung bei Wahlfranchisen sind die Prämienerhöhungen bei diesen Franchisen überdurchschnittlich hoch. Für Versicherte mit einer 2000-Franken-Franchise steigen die Prämien im Schnitt um über 20 Prozent, für Erwachsene mit Grundfranchise hingegen um lediglich 8,7 Prozent. Diese überdurchschnittlichen Aufschläge dürften der Hauptgrund für die höhere Wechselbereitschaft sein.
Tiefste Wechselbereitschaft im Tessin
Zwischen den Landesteilen zeigen sich erhebliche Unterschiede bei der Wechselabsicht. Anteilsmässig am meisten Personen wollen in der Westschweiz ihre Krankenkasse wechseln, gefolgt von der Deutschschweiz. Im Tessin wollen 10 Prozent der Befragten die Kasse wechseln. Auch gaben im Tessin am wenigsten Befragte an, «vielleicht» die Krankenkasse zu wechseln. Auch hier weist die Westschweiz mit 15 Prozent den höchsten Wert auf.
Je jünger die Versicherten sind, desto grösser ist ihre Bereitschaft, die Krankenkasse zu wechseln. So gaben 25 Prozent der Befragten zwischen 18 und 25 Jahren an, die Krankenkasse wechseln zu wollen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Wechselbereitschaft ab. Bei den 56- bis 65-Jährigen gaben noch 7 Prozent der Befragten an, sich eine neue Krankenkasse suchen zu wollen.
Versicherte nutzen Wettbewerb
Dass dieses Jahr deutlich mehr Versicherte als im Vorjahr die Krankenkasse wechseln wollen, zeige, dass der Wettbewerb funktioniere, sagt Richard Eisler, Geschäftsführer von Comparis.ch. «Die Versicherten haben gelernt, den Wettbewerb zu ihren Gunsten zu nutzen und zwingen dadurch die Krankenkassen zu einem haushälterischen Umgang mit den Prämieneinnahmen», so Eisler weiter. Mit der nun geplanten Einführung des mehrjährigen Vertragszwangs bei Wahlfranchisen schränke die Politik die Ausweichmöglichkeit für die Versicherten allerdings unnötig ein und leiste dem kostendämpfenden Wettbewerbsdruck einen Bärendienst, kritisiert Eisler. Da habe sich die Krankenkassenlobby einmal mehr zulasten der Versicherten durchgesetzt.
Wie wichtig der Preis bei der Entscheidung für einen Wechsel ist, zeigt die Erhebung der Wechselgründe: Rund 70 Prozent der Wechselwilligen gaben an, dass ihr bisheriger Anbieter der obligatorischen Grundversicherung zu teuer ist oder dass sie den Prämienaufschlag als zu hoch empfinden. Weit abgeschlagen folgt mit 8 Prozent der schlechte Service der bisherigen Kasse als zweitwichtigster Wechselgrund. Hier zeigt sich auch, dass die Versicherten mittlerweile wissen, dass die Leistungen in der Grundversicherung gesetzlich vorgeschrieben und bei den Kassen gleich sind. (cpm/sda)
Erstellt: 26.10.2009, 08:36 Uhr
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