Schweiz

Jetzt spricht die Familie einer Geisel

Aktualisiert am 03.09.2009

Nach 411 Tagen Ausreisesperre gaben die Angehörigen des in Libyen festgehaltenen ABB-Mitarbeiters eine schriftliche Erklärung ab.

Hier sitzen ihre Liebsten und warten auf die Ausreisebewilligung: Schweizer Botschaft in Tripolis.

PD

Seine Geschwister bezeichnen beide Staaten, sowohl Libyen als auch die Schweiz, als «kompliziert in der Entscheidungsfindung und Kommunikation». Zudem träfen mit der Schweiz und Libyen zwei massiv verschiedene Kulturen und Zeitbegriffe aufeinander.

Gleichzeitig bedankte sich die Familie bei Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und Bundespräsident Hans-Rudolf Merz für den «kompromisslosen Einsatz und deren persönliches Engagement». Ebenfalls gross sei die Unterstützung von Seiten des Arbeitgebers ABB.

Trotzdem zuversichtlich

«Wir hoffen, dass die involvierten Teams weiterhin mit viel Elan, Geduld und diplomatischer Kreativität weiterarbeiten», äusserten sich die Angehörigen zuversichtlich. Die Familie habe Vertrauen, dass Libyen den Staatsvertrag umsetzen wolle und demnächst beide Schweizer ausreisen lasse.

Für einigen Wirbel sorgte heute ein angeblicher Antrag Libyens bei der Uno auf Aufteilung der Schweiz. FDP-Nationalrätin Christa Markwalder hatte gestern gegenüber der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens erklärt, es gebe einen offiziellen Antrag Libyens an die Uno-Vollversammlung, die Schweiz aufzulösen und unter den Nachbarstaaten aufzuteilen. Die Bernerin sagte dies, als habe sie das Dokument gesehen. Tatsächlich hatte Qadhafi bereits beim G-8 Gipfel in Italien mit der Zerschlagung der Schweiz gedroht und denselben Vorschlag vorgebracht.

General Comittee weiss nichts von Antrag

Recherchen von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz bei der Uno in Genf und New York zeigen jetzt jedoch, dass ein solcher Antrag bisher nicht vorliegt. «Auf der Agenda der Septembersession gibt es keinen solchen Antrag Libyens», sagt eine Uno-Sprecherin in Genf. Die Mitgliedsstaaten könnten allerdings auch während der Session Begehren hinterlegen, sofern diese dringlich behandelt werden müssten. Dem müsse aber auch die Vollversammlung zustimmen.

Dem General Committee liege kein libyscher Antrag vor, der die Schweiz betreffe, heisst es auch bei der helvetischen Uno-Mission in New York. Und jetzt sagt auch der Sprecher der Aussenpolitischen Kommission, Geri Müller, gegenüber Radio 1, den Antrag gebe es nicht. Christa Markwalder habe sich wohl getäuscht.

Zwei weitere APK-Mitglieder haben Angaben bestätigt

Jetzt nimmt auch Markwalder gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz Stellung. «Umso besser, wenn die Information nicht stimmt, die uns in der Aussenpolitischen Kommission offiziell mitgeteilt wurde.» Markwalder sagt allerdings nicht, von wem diese Information in die APK eingeschleust wurde. Diese Geschichte werde aber ganz sicher noch einmal in der Kommission behandelt.

Beim Schweizer Fernsehen sagt ein Verantwortlicher, nebst Markwalder hätten zwei weitere Mitglieder der APK diese Geschichte bestätigt. Man habe gestern Abend zudem das EDA mit den Aussagen der Nationalrätin konfrontiert. Das Auswärtige Amt habe dazu nichts sagen können. (cpm/mooser/sda)

Erstellt: 03.09.2009, 19:40 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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