Junge sollen den Umgang mit Geld lernen – nötig hätten es andere
Von David Schaffner und Fabian Renz. Aktualisiert am 20.04.2011 98 Kommentare
Die Wirtschaftspolitiker des Nationalrats sind alarmiert: Rund ein Viertel der 16- bis 25-Jährigen würden heute mehr Geld ausgeben, als ihnen zur Verfügung stehe, und teilweise hohe Kredite aufnehmen. Die Wirtschaftskommission (WAK) will nun Gegenmassnahmen ergreifen: Künftig sollen Firmen, die Konsumkredite gewähren, einen Teil ihres Umsatzes in Präventionsprogramme gegen die Jugendverschuldung investieren müssen. Mit 12 zu 11 Stimmen hiess die WAK gestern eine entsprechende parlamentarische Initiative von Hugues Hiltpold (FDP, GE) gut. Der Vorstoss geht nun an die Schwesterkommission des Ständerats.
Wie hoch die von den Kreditinstituten zu leistende Präventionsabgabe sein soll, wurde gestern noch nicht diskutiert. Hiltpold nennt in seiner Initiative allerdings die sehr hohe Zahl von einem Prozent des erzielten Umsatzes.
Jugendproblem überschätzt
Bei Fachleuten stösst der Vorschlag allerdings auf Kritik: «Mehr Prävention gegen die Verschuldung ist an sich begrüssenswert», meint Mario Roncoroni, Geschäftsführer der Berner Schuldenberatung. «Da die grösste Verschuldungsrate bei Menschen zwischen 35 und 55 Jahren liegt, wäre es jedoch sinnvoll, den Fokus nicht bloss auf Jugendliche zu legen.» Gleicher Meinung ist Jürg Gschwend, Leiter der Fachstelle Schuldenberatung bei Caritas Schweiz: «Es wäre besser, wenn der Bund künftig die Prävention in allen Altersgruppen verstärkt.» Die angeblich hohe Verschuldung der Jugendlichen halten beide Fachmänner für weniger gravierend als allgemein angenommen.
Ein Blick in die 2007 publizierte massgebliche Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz zeigt tatsächlich: Zwar haben rund 38 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in der Deutschschweiz offene Geldverpflichtungen. Bei der Hälfte der Betroffenen liegen diese allerdings unter 1000 Franken. In den allermeisten Fällen schulden sie das Geld einem Familienmitglied oder jemandem aus dem Freundeskreis. Rund 11 Prozent der Jugendlichen haben einen Leasing- oder Abzahlungsvertrag. Hier geht es im Normalfall um Beträge über 2000 Franken.
Mit den Befunden der Studie begründet auch die Dachorganisation der betroffenen Banken ihren Widerstand gegen die Beschlüsse der WAK. Die vorgeschlagene Präventionsabgabe sei eine «unsinnige und ungerechtfertigte Sondersteuer», sagt Robert Simmen, der den Verband Schweizerischer Kreditbanken und Finanzierungsinstitute leitet.
Caritas-Fachmann Gschwend allerdings ist nicht gegen mehr Mittel für die Prävention. Er schlägt vielmehr vor, dass der Bund zusätzliches Geld in einen Ausbau der bisherigen Schuldenberatungsstellen stecke. Diese seien stark überlastet und könnten sich für die betroffenen Menschen zu wenig Zeit nehmen. Überdies regt er an, Kredit-Beratungsstellen aufzubauen – analog zu den sogenannten Verbraucherorganisationen in Deutschland. Dort könnten sich Menschen schon vor der Aufnahme eines Kredites beraten lassen.
Finanzkompetenz als Schulfach
Marianne Affolter wiederum, Sprecherin von Pro Juventute, befürwortet eine verstärkte Schuldenprävention bei Jugendlichen ausdrücklich. Denn, so Affolter: «80 Prozent der erwachsenen Schuldner machten ihre Schulden vor dem 25. Lebensjahr.» Auch Mario Roncoroni, der den Schwerpunkt stärker bei den Erwachsenen setzen würde, regt an, dass künftig «alle Schüler in der obligatorischen Schule eine praktische Ausbildung in Finanzkompetenz erhalten.» Insbesondere müssten sie lernen, Geld für die Steuern und die Krankenkassenprämien auf die Seite zu legen. Schulden gegenüber dem Staat und den Krankenkassen würden bei den Fällen der Berner Beratungsstelle den Löwenanteil ausmachen.
Wie hoch die Verschuldung der Gesamtbevölkerung heute ist, weiss in der Schweiz niemand. Die WAK des Nationalrats beschloss daher gestern eine Motion, die vom Bundesrat eine Erhebung aller verschuldeten Haushalte in der Schweiz verlangt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.04.2011, 10:31 Uhr
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Mein noch studierender Sohn wurde bereits mehrmals wegen Überzug von Krediten auf die schwarze Liste gesetzt, bekommt trotzdem immer wieder neue Kreditkarten. Letzhin von der Post, zusammen mit einem Flyer der in darauf aufmerksam machte wieviele schöne Sachen er jetzt auf Pump kaufen könne...Noch Kommentare? Antworten
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