Schweiz

Juso-Chef: «Es ist nicht zu verhindern, dass auch Idioten teilnehmen»

Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 28.01.2009 35 Kommentare

Nach einer eskalierten Besetzungsparty hat Cédric Wermuth ein Strafverfahren am Hals. Der Chef der Jungsozialisten gesteht Fehler ein, provokative Aktionen will er aber auch weiterhin durchführen.

Provokativ: Cédric Wermuth (22) ist Präsident der Juso Schweiz und Vize-Präsident der SP. Er studiert Politikwissenschaft an der Universität Zürich.

Provokativ: Cédric Wermuth (22) ist Präsident der Juso Schweiz und Vize-Präsident der SP. Er studiert Politikwissenschaft an der Universität Zürich. (Bild: Keystone)

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Herr Wermuth, wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Diebstahl wird auch gegen Sie ermittelt. Ist Ihnen die Angelegenheit peinlich?
Peinlich nicht, aber es ist natürlich unangenehm. Der entstandene Schaden ist bedauerlich und ich verurteile diese Vandalenakte aufs Schärfste. Wir haben ursprünglich nicht 100 Leute erwartet. Das war eine relativ spontane Aktion, die sich stärker herumgesprochen hat, als wir dachten. Wir waren auf rund 20 Leute vorbereitet. Das haben wir falsch eingeschätzt. Und offenbar ist auch nicht zu verhindern, dass Idioten an so einer Veranstaltung teilnehmen.

Ihre Besetzungsparty war schon sehr dreist...
Klar, man kann die Aktion als dreist bezeichnen. Es handelte sich jedoch um den Teil eines Hotelkomplexes, der seit mehreren Jahren leer steht. Die Räume sind heruntergekommen, Schutt und Geröll liegt herum, vor 2012 wird nichts damit passieren. Wir haben es bewusst an einem Ort gemacht, wo nichts kaputtgehen kann.

Offenbar kam es ja aber doch zu Sachbeschädigungen.
In einem anderen Hotel, ja. Die Gebäude sind unterirdisch miteinander verbunden, darum haben wir auch nichts mitbekommen. Wir sind guten Gewissens gegangen, hatten aufgeräumt und geputzt. Dass es zu Vandalismus kam, erfuhren wir erst aus den Medien.

Die «Wohnungsnot» schien ein Alibi-Argument zu sein, es ging doch vor allem um die Aufmerksamkeit.
Wir hatten eine klares politisches Anliegen: mehr günstigen Wohnraum in Baden. Es gab bei der Aktion auch eine kurze Ansprache und eine Diskussion. Die Leute teilen unser Anliegen und sehen den Missstand durchaus. Leider hat sich die Botschaft danach verlagert. Selbstverständlich haben wir auch Aufmerksamkeit gewollt und darum ein provokatives Mittel gewählt.

Haben Jungparteien solche Provokationen nötig, um wahrgenommen zu werden?
Sie hätten mich kaum angerufen, wenn wir nur eine Bürgermotion eingereicht hätten. Leider wohl auch nicht, wenn es keine Vandalenakte gegeben hätte.

Wie weit darf eine Juso-Aktion gehen, wo ziehen Sie die Grenzen?
Wenn Sachen oder Personen zu Schaden kommen, ist das völlig inakzeptabel und zu verurteilen.

Sitzstreiks und Häuserbesetzung machen einen etwas infantilen Eindruck.
(lacht) Finden Sie? Ich finde es legitim, damit Aufmerksamkeit für das Anliegen zu erreichen. Ausserhalb der Schweiz ist diese Art von Aktionen stärker verbreitet. Wie gesagt: Wenn die Juso dem Stadtammann einen Brief überreicht, gibt es keinen zweiseitigen Artikel. Wenn wir allerdings vor die UBS am Paradeplatz sitzen, haben wir die nötige Resonanz.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Juso mit Krawallmachern wie dem Schwarzem Block in Verbindung gebracht werden?
Ich kann mir vorstellen, dass die Vandalen in Baden vom Schwarzen Block waren. Entweder war es reine Idiotie oder eine bewusste Aktion, um uns und unserem politischen Anliegen zu schaden.

Könnte der Vorfall in Baden auch dem Image der SP schaden?
Ich glaube nicht. Die Diskussion wird differenziert wahrgenommen. Die Leute verstehen, dass die Aktion in guter Absicht durchgeführt wurde und das Anliegen berechtigt ist. Die Folgen werden sich allerdings erst in nächsten Tagen und Wochen zeigen.

Haben Sie bisher noch keinen Rüffel von SP-Präsident Christian Levrat bekommen?
Nein. Ich habe ihn informiert. Was den politischen Inhalt betrifft, habe ich Rückendeckung von der SP Schweiz. Vom Stil her ist es eine klare Juso-Aktion. Das ist kein Weg, den ein SP-Politiker einschlagen würde, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Aber schauen Sie, es gibt keinen 68er, der anno dazumal nicht ähnliche Erfahrungen gemacht hätte.

Haben Sie schon eine nächste Aktion geplant?
Heute Abend werden wir auf dem Paradeplatz 2000 Kerzen aufstellen für die 2 Milliarden Boni, die die UBS ihren Mitarbeitern auszahlt. In Baden soll die Diskussion um die Wohnungsnot mit Zeitungsartikeln, Leserbriefen und politischen Vorstössen weitergeführt werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.01.2009, 11:19 Uhr

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35 Kommentare

David Meili

28.01.2009, 10:39 Uhr
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Durchaus nützliche "Iditoten" liess Herr Wermuth wie an der 1. Mai Demonstration in Zürich mit Farbkübeln nachlaufen. Vielleicht bekommen einige von ihnen sogar Einträge ins Strafregister, - und dann lernen sie: Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen. So muss man rasch ein "Grosser" werden, damit wieder Kleine nachlaufen. Schneeballsystem gemäss Kaderschulung, links wie rechts. Antworten


Thomas Lanz

28.01.2009, 09:26 Uhr
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Auch wenn das Anliegen berechtigt ist, muss ich sagen das Hausfriedensbruch als illegale Aktivität nicht zur Sache beiträgt. Äusserst schade ist es, dass die JUSO nun von Vandalen in ein schlechtes Licht gerückt wird. Es ist jedoch sehr wichtig, zwischen der JUSO als gewaltfreie Partei und diesen gewaltbereiten Vandalen zu unterscheiden. Antworten



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