Schweiz

Kantone bleiben hart: Jedes Spiel muss bewilligt werden

Aktualisiert am 02.02.2012 36 Kommentare

Die Kantone wollen die Gangart gegen Hooligans verschärfen und Fussballspiele unter Bewilligungspflicht stellen. Klubs und Fans wehren sich. Ein Klub hält sich bereits an dieses System.

Die Kantone verlieren die Geduld: GC-Fans mit Fahnenstangen im Fussballspiel zwischen den Grasshoppers und dem FC Zürich. (2. Oktober 2011)

Die Kantone verlieren die Geduld: GC-Fans mit Fahnenstangen im Fussballspiel zwischen den Grasshoppers und dem FC Zürich. (2. Oktober 2011)
Bild: Keystone

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Die Kantone bleiben hart gegenüber den Sportveranstaltern. Fussball- und Eishockeyspiele sollen künftig nur mit Bewilligung stattfinden können. Damit wollen die Behörden die Spiele an Auflagen knüpfen können, um die Gewalt in und um die Stadien einzudämmen. Dies hat die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) an ihrer Plenarversammlung einstimmig beschlossen. Das revidierte Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt an Sportveranstaltungen geht nun zur Ratifikation an die Kantone.

Damit sollen die Klubs stärker in die Verantwortung genommen werden. In der Regel werden Bewilligungen über einen längeren Zeitraum erteilt. Die Behörden wollen sich aber die Möglichkeit offenlassen, auf veränderte Umstände zu reagieren. Die Kantone sind mit dieser Lösung nicht auf die Bedenken der Swiss Football League (SFL) eingegangen. Diese hatte in der Vernehmlassung verlangt, dass nur Risikospiele bewilligt werden müssen. Auch hatte sich die SFL gewünscht, dass die Bewilligung für eine ganze Saison oder zumindest für eine Meisterschaftsphase erteilt wird. Ansonsten ist gemäss SFL die Meisterschaft in Gefahr.

Laut dem St. Galler Polizeidirektor Nino Cozzio hat sich dieses «Schreckgespenst» in St. Gallen nicht bewahrheitet. Dort gilt seit November 2010 eine Bewilligungspflicht für Fussballspiele in der AFG- Arena.

Meisterschaft in Gefahr

Bei Fans und Liga kommen diese Massnahmen gar nicht gut an. Für Thomas Gander, Geschäftsleiter der Fanarbeit Schweiz, gehen die geplanten Massnahmen gegen Gewalt im Sport in die falsche Richtung. Kleine Delikte würden gleich wie schwere Straftaten geahndet, kritisierte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Diese Pauschalisierung des Gewaltbegriffs ist falsch und unserer Ansicht nach rechtswidrig.»

Seiner Ansicht nach gehen auch die Durchsuchungsbeschlüsse zu weit: «Wenn ich zum ersten Mal Unterhosen ausziehen muss an einem Match, gehe ich danach an kein Spiel mehr», sagte Gander. Ein Fussballfan werde dies nicht tolerieren. Mit den Massnahmen, die sich gegen die Fans richten, hat die Swiss Football League (SFL) kein Problem. Sie lehnt aber eine flächendeckende Bewilligungspflicht für die Matches der obersten Liga ab. Philippe Guggisberg, Sprecher der SFL, sieht dadurch die Meisterschaft in Gefahr.

«Wenn einige Tage vor dem Spiel Auflagen kommen, die ein Klub kaum erfüllen kann, dann ist ein geordneter Spielbetrieb schwierig», sagte er. Es könne nicht sein, dass Auflagen über die ganze Liga gelegt würden, die nicht verhältnismässig seien. (kle/sda)

Erstellt: 02.02.2012, 16:35 Uhr

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36 Kommentare

Rolf Cohen

02.02.2012, 15:37 Uhr
Melden 62 Empfehlung

Warum konzentriert sich die Politik nichtmal auf die wirklichen Probleme? Drogendealer einsperren, Menschenhändel unterbinden, Gewalt im Ausgang eindämmen?
Jeder der in eine Kurve geht nimmt die (minimen) Risiken, die u. a. Pyros verursachen in Kauf, wer sich trotzdem nicht traut, kann immernoch in den Family Corner, dort ist meinen Informationen zufolge noch niemand an Pyros gestorben...
Antworten


Bernhard Heggendorn

02.02.2012, 13:52 Uhr
Melden 59 Empfehlung

Rund 330 Menschen starben 2010 im Strassenverkehr. Null beim Fussball. Was macht man da? Richtig. Tägliche Verkehrskontrollen, bei einem Raserunfall wird der Autobahnabschnitt zur Strafe für Alle gesperrt, Wer Verkehrsregelbrecher nicht stellt und der Polizei übergibt macht sich zum Mittäter, es herrscht generelles Alkoholverbot im ganzen Land... Oder etwa doch nicht? Achja, das ist ja was Anderes Antworten



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