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Kantone reissen sich um AKW

Das Rennen um die AKW-Standorte ist auch ein Wettbewerb unter den Kantonen: Bern hat ein wirtschaftliches Interesse daran, dass Mühleberg zum Handkuss kommt. Solothurn, Zürich und der Aargau halten dagegen.

Mühleberg muss als Erstes vom Netz: Bereits 2012 droht dem Atomkraftwerk der BKW das Aus. Die Anlage ist seit 1972 in Betrieb.

Andreas Blatter

Noch zehn Jahre in Betrieb: Beznau 1 und Beznau 2 werden voraussichtlich 2019 geschlossen. Die beiden AKW sind seit 1969 beziehungsweise seit 1972 in Betrieb.

Noch zehn Jahre in Betrieb: Beznau 1 und Beznau 2 werden voraussichtlich 2019 geschlossen. Die beiden AKW sind seit 1969 beziehungsweise seit 1972 in Betrieb. (Bild: Keystone)

Diese Woche geht das Buhlen der Stromkonzerne um die künftigen AKW-Standorte in die nächste Runde: Die grossen Stromkonzerne Axpo, BKW und Alpiq vertraten gestern vor der Energiekommission des Ständerats ihre Pläne für den Ersatz jener Atomkraftwerke, die in den nächsten Jahren abgeschaltet werden müssen. Heute wertet die Energiekommission die Hearings aus und will dann die Öffentlichkeit über das weitere Vorgehen informieren.

Bis voraussichtlich 2019 müssen drei Atomkraftwerke vom Netz, eines bis maximal zwei könnten realistischerweise mittelfristig ersetzt werden. Die Frage ist nur, wo die neuen AKW gebaut werden. Die Stromfirmen Axpo und BKW wollen in Mühleberg und Beznau zwei neue, deutlich leistungsfähigere Atomkraftwerke bauen und haben dazu ein gemeinsames Rahmenbewilligungsgesuch eingereicht. Gegenspielerin von Axpo und BKW ist die Alpiq, die im Kanton Solothurn ein zweites AKW bauen will.

Kantone mischen mit

Deutlich wird langsam, aber sicher, dass das Ringen um die AKW-Standorte längst nicht nur ein Streit der Stromriesen ist. Auch die Standortkantone schalten sich immer stärker öffentlich in die Debatte ein. Das zeigt sich auch daran, dass gestern vor der ständerätlichen Energiekommission auch Regierungsräte aus den Kantonen Bern, Aargau, Solothurn und Zürich auftraten. Diese Kantone sind finanziell an den grossen Stromkonzernen beteiligt.

Beispiel Kanton Bern: Der Entscheid der rot-grünen Regierung, sich aktiv für den AKW-Standort Mühleberg einzusetzen, kam am Wochenende für viele überraschend. Rein volkswirtschaftlich betrachtet ist der Beschluss aber nachvollziehbar: Die Rede ist von 400 Millionen Franken, welche das AKW dem Kanton jährlich generiert. Und als Mehrheitsaktionär – der Kanton Bern hält einen Aktienanteil an der BKW-Gruppe von 52,5 Prozent – hat der Regierungsrat ein Interesse daran, dass es dem Konzern wirtschaftlich gut geht.

Solothurn will Gösgen 2

Aber: Mit diesen monetären Interessen steht der Kanton Bern nicht alleine da. Ein Konkurrent ist der Kanton Solothurn. Er ist daran interessiert, dass mit Gösgen 2 ein zweites Atomkraftwerk ans Netz geht. Denn ein AKW im eigenen Kanton zu haben bedeutet auch höhere Steuereinnahmen.

Der Kanton Solothurn ist finanziell an der Alpiq beteiligt, allerdings nicht im gleichen Ausmass wie der Kanton Bern an der BKW: Solothurn hält 5,6 Prozent aller Alpiq-Aktien.

Fünf Kantone für Beznau

Der Stromversorger Axpo hat AKW-Pläne in Beznau: Er möchte im Kanton Aargau einen Ersatz für Beznau 1 und Beznau 2 bauen, die beide in ungefähr zehn Jahren abgeschaltet werden müssen.

Hinter der Axpo stehen gleich fünf Kantone: Zürich, Aargau, Schaffhausen, Glarus und Zug sind finanziell am Stromkonzern beteiligt. Dabei hält Zürich mit 18,3 Prozent am meisten Aktien. Dahinter folgen der Kanton Aargau mit 13,9 Prozent, Schaffhausen mit 7,9, Glarus mit 1,7 und Zug mit 0,9 Prozent.

Dass sich die drei Stromkonzerne auf zwei Standorte einigen können, ist eher unwahrscheinlich. Umso wahrscheinlicher ist deshalb, dass den Kantonen im Wettrennen um die AKW-Standorte eine entscheidende Rolle zuteilwerden könnte.

Für den Verlierer winkt immerhin eine Minderheitsbeteiligung: Es ist gut möglich, dass sich der unterlegene Stromkonzern beim Gewinner einkauft und sich mit beispielsweise 25 Prozent Aktienanteil 25 Prozent der Stromproduktion sichert. Dieses Modell ist in der Stromwirtschaft ein gängiges. Mit leeren Händen steht am Schluss demnach womöglich niemand da. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.10.2009, 08:36 Uhr

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11 Kommentare

Thomi Horath

06.10.2009, 15:56 Uhr
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Ah ja, Herr Alex Hug? Dann wär's vielleicht wieder mal Zeit für ein Tschernobyl, um zu sehen, wie gut die AKW-Fanatiker rechnen können. Antworten


Roland Gubser

06.10.2009, 14:03 Uhr
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Also, die CH Strompreise müssen verdoppelt werden, nur dass neue, ausländische AKWs finanziert werden können und ein Kanton ein paar extra % einsacken kann? tiny.cc/KZrls Mit den 30 Mrd. für 3 neue ausländische AKWs können übrigens Schweizer Fotovoltaik-Fabriken finanziert werden, welche 15 GW jährlich produzieren (40 mal AKW Mühleberg Leistung jedes Jahr!). tiny.cc/6iHXz Antworten


Alois Bachmann

06.10.2009, 13:45 Uhr
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Da sogar ich das schon gehört habe, betreffen Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, bin ich wirklich nicht für den Atomausstieg. Preise steigen sowie, aber sicherlich einiges weniger mit AKW's... Und eben, zur Zeit ist es einfach noch nicht möglich, ohne AKW-Strom die Netzsicherheit zu gewährleisten... Aber Ideale vertreten ist ja erlaubt... Antworten


Yves Mundorff

06.10.2009, 13:30 Uhr
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Super, damit sind die Kantone parteiisch und können gar nicht mehr objektiv entscheiden. Ganz grosse Klasse. Der Bau von AKW's behindert die Innovationskraft im Bereich der nachhaltigen Energien. Und: Nein, AKW's sind nicht nachhaltig! Schöne sauber neue Welt. Antworten


thomas trinkler

06.10.2009, 13:09 Uhr
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Ohne den Bau eines neuen AKW's bietet sich die Chance eines sanften Ausstiegs aus der Atomenergieproduktion! Bedingung dafür ist die stark vermehrte Förderung erneuerbarer Energieformen durch Kantone & Stromerzeuger. Das schafft nachhaltig Arbeitsplätze & lässt die Problematik der Endlagerung radioaktiver Abfälle nicht ins Unermessliche anwachsen. Die kommenden Generationen werden es uns danken! Antworten


Alex Hug

06.10.2009, 12:50 Uhr
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@ alfred bleuler: Weil diese "AKW-Fanatiker", ganz im Gegensatz zu "Öko-Fanatikern", rechnen können. @ Wyss, Kunze: wie wahr... Antworten


Christian Bolfing

06.10.2009, 11:55 Uhr
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Jeder Kanton, der ein AKW will soll bitte entsprechend für ein atomares Endlager besorgt sein. Mal sehen, wieviele sich dann noch bewerben.... Antworten


Peter Wyss

06.10.2009, 11:11 Uhr
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Kantone in denen ein AKW steht müssen dazu verpflichtet werden, sich auch um die Endlagerung zu kümmern. Antworten


Peter Kunze

06.10.2009, 09:58 Uhr
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Es wäre schön, wenn sich die Kantone im selben Ausmass auch um das Endlager für radioaktive Abfälle prügeln würden... Antworten


alfred bleuler

06.10.2009, 09:37 Uhr
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es ist kaum zu glauben, dass es noch AKW-fanatiker gibt. ---- haben die denn noch nie von alternatvenrgien gehöhrt...--- warum nicht brennstoffzellen, auf jedes dach sonnenzellen und windräder. ------ dies liesse sich im gleichen zeitraum realisiren. und den preis vom neuen AKW-strom kennt man auch noch nicht, dass die alternativen energien mit der massenproduktion billiger wird ist bekannt Antworten


Emanuel Reinhard

06.10.2009, 09:28 Uhr
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Wie bekannt ist wurde in Europa das letzte Atomkraftwerk anfang der 90er Jahre fertiggestellt. Andere Projekte wurden mittlerweile aufgegeben weil diese Technik nicht finanzierbar ist. Die Kosten des europäische prestige Kraftwerk in Norwegen sind vor wenigen Wochen aus dem Ruder gelaufen. Bush, Berlusconi haben neue Kraftwerke versprochen, keines wurde auch nur geplant! Hopp Schwyz! Antworten



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