Kantone sparen 381 Millionen bei der Bildung

Erstmals sind Zahlen bekannt, wie viel in den letzten Jahren bei der Bildung gespart worden ist. Der Lehrerverband Schweiz warnt vor dieser Entwicklung.

Gefährliche Politik: Die Sparprogramme der Kantone gehen zu Lasten der Ausbildung. (September 2014)

Gefährliche Politik: Die Sparprogramme der Kantone gehen zu Lasten der Ausbildung. (September 2014) Bild: Christian Beutler/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie die TV-Sendung «10vor10» heute Abend berichtete, liegen Zahlen vor, wie der Sparkurs gesamtschweizerisch die Bildung beeinträchtigt. Der schweizerische Lehrerverband spricht von Einsparungen in der Höhe von 381 Millionen Franken. Dabei haben 17 Deutschschweizer Kantone Sparprogramme für die Schule erlassen. Seit 2013 haben die besagten Kantone 250 Millionen Franken bei der Bildung gespart, in den nächsten Jahren werden Kürzungen von weiteren 131 Millionen Franken umgesetzt.

Am häufigsten sparen die Kantone bei den Lehrerlöhnen und Pensionskassen, beim Unterrichtsangebot und bei den Klassengrössen. «Bei solchen Zahlen ist klar, dass die Qualität der Bildung sinkt. Ohne Leistungsabbau kann man nicht so viele Millionen einsparen», sagt Beat Zemp, Präsident des Lehrerverbands Schweiz.

Das Beispiel aus dem Aargau

Weniger dramatisch sieht der Präsidenten der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz die Situation: «Ich bin überzeugt, dass die Qualität der Schweizer Schulen heute noch garantiert werden kann», erklärt Christoph Eymann. Aber auch er rät den Kantonen, bei Sparmassnahmen zu Lasten der Bildung vorsichtig zu sein.

Ein Beispiel zeigt die Auswirkungen der Sparpolitik: Die Gemeinde Waltenschwil im Kanton Aargau zum Beispiel hat die Einschulungsklasse, in der Kinder mit Startschwierigkeiten die erste Klasse während zwei Jahren absolvieren konnten, geschlossen. Die Lehrerin der Einschulungsklasse kann sich ab heute nur noch in drei Lektionen statt wie vorher in 21 um die Schülerinnen und Schüler kümmern. «Ich kann den Kindern nicht mehr die Betreuung geben, die sie brauchen. Das wird sich im Laufe ihrer Schulkarriere rächen», klagt Lehrerin Annamarie Meier gegenüber der SRF-Sendung «10vor10». (fal)

(Erstellt: 10.08.2015, 19:18 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

«Einseitiger und ungebildeter geht es nicht»

Interview Bildungskritiker Konrad Paul Liessmann kritisiert die Vermessung der Bildung. Er empfiehlt der Schweiz ein Reformmoratorium. Mehr...

«Wir wollen keine Schule, die auf Drill beruht»

Interview Pisa-Weltmeister Finnland galt als Musterschüler bei der Bildung. Nun wird dieses Image demontiert. Experte Urs Moser sagt, was dran ist und was das für die Schweiz bedeutet. Mehr...

Warum Bildung unnütz sein muss

Politblog Worauf es bei einer Bildungsoffensive ankommen muss: Es ist nicht die Quote, vielmehr geht es um das eigentliche Wesen der Bildung. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Sponsored Content

Entdeckungsreise unter Strom

Spannende Ausflüge in die Besucherzentren der BKW.

Werbung

Blogs

Outdoor Spasskiller Rückenschmerzen

Sweet Home Kochen mit nur drei Zutaten

Sponsored Content

Entdeckungsreise unter Strom

Spannende Ausflüge in die Besucherzentren der BKW.

Die Welt in Bildern

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt: Angela Merkel, Barack Obama, Shinzo Abe und weitere Politiker greifen beim Ise-Jingu Schrein in Japan zur Schaufel und pflanzen Bäumchen (26. Mai 2016).
(Bild: Carolyn Kaster) Mehr...