Schweiz

Kein Durchmarsch für Jordan

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 10.01.2012 126 Kommentare

Der SNB-Vize und logische Erbe von Philipp Hildebrand wird ein erstes Mal scharf kritisiert. Derweil entwickelt sich die Nachfolge-Regelung zum politischen Machtkampf.

1/5 Ist in der Poleposition, aber noch nicht gewählt: SNB-Vize Thomas Jordan.
Bild: Keystone

   

Traut Jordan in geldpolitischen Fragen nicht über den Weg: Rudolf Strahm.

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Christian Levrat

Der SP-Präsident will ein höheres Franken/Euro-Kursziel. (Keystone-Video)

Die Nachfolgeregelung

Bereits am Tag nach dem Rücktritt von Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand trifft sich der Bankrat der SNB, um die Nachfolge in die Wege zu leiten. Dies sagte Nationalbank-Sprecher Walter Meier auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Mit der Suche nach einem Kandidaten befasst sich die dreiköpfige Ernennungskommission. Dieser gehören laut Meier Bankrats-Präsident Hansueli Raggenbass, der Genfer Volkswirtschaftsprofessor Cédric Tille und der Neuenburger Staatsrat Jean Studer an. Der elfköpfige Bankrat macht dann dem Bundesrat einen Vorschlag. Dieser wählt die Mitglieder des SNB-Direktoriums, kann dabei aber die Vorschläge des Bankrats nur annehmen oder ablehnen. Frei ist der Bundesrat dagegen, welches der drei Mitglieder er zum Präsidenten und welches er zum Vizepräsidenten ernennt.

Nicht ausgeschlossen ist auch, dass ein Quereinsteiger aus der Finanzindustrie wie Hildebrand im Direktorium Einsitz nimmt. Da es sich um eine Ersatzwahl handelt, wird das neue Mitglied im Direktorium nicht für eine ganze sechsjährige Amtszeit gewählt, sondern nur für den Rest der Ende Juni 2015 auslaufenden Periode. (sda)

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Wenn der Bundesrat ihn als SNB-Präsident wolle, dann würde er die Aufgabe übernehmen, sagt SNB-Vize Thomas Jordan im Radio DRS. Normalerweise läuft das so ab: Der Vize rückt ins Präsidium nach. Jordan ist also Favorit im Rennen um die Hildebrand-Nachfolge und nicht wenige wünschen sich eine rasche Klärung der offenen Position. Doch ob er am Schluss gewinnt, ist offen.

Nun kommen nämlich die ersten kritischen Stimmen zu Jordan. Zwar habe dieser seine Rolle in der Too-big-to-fail-Debatte «hervorragend gespielt», sagte der Ökonom und ehemalige SP-Nationalrat Rudolf Strahm im Interview mit cash.ch. «Aber in geldpolitischen Fragen kann man ihm nicht über den Weg trauen.» Der frühere Preisüberwacher sagt, Jordan stamme aus der «Berner Schule der Geldpolitik» und das seien «dogmatische Monetaristen» gewesen. Eine frühere Teuerungswarnung Jordans schimpft Strahm als «absurde Verirrung».

Es kursieren diverse Namen

Die Angelegenheit ist heikel – und politisch. Zwar wird ein neues Mitglied für das SNB-Direktorium vom Bundesrat auf Vorschlag des Bankrats gewählt. Das Parlament ist also offiziell nicht involviert. Erstens aber sitzen im Bankrat Angehörige politischer Parteien und zweitens überlässt die Politik das Feld der Nachfolge-Debatte nicht allein dem Bankrat. «Klar diskutieren wir über die Nachfolge von Herrn Hildebrand. Das ist für den Werkplatz Schweiz von grosser Wichtigkeit», sagt die SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer vielsagend. Namen will die Finanzpolitikerin aber nicht nennen: «Das wäre das Ende jeder Kandidatur.»

Namen kursieren aber dennoch. Etwa diejenigen der beiden Seco-Kaderbeamten, Aymo Brunetti und Serge Gaillard. Letzterer dürfte als ehemaliger Gewerkschafter für die SP eine interessante Option sein, hat doch die politische Linke zusammen mit den Arbeitnehmervertretern eine Anhebung der Untergrenze für den Euro/Franken-Kurs gefordert. Einen Namen nennt auch SVP-Nationalrat Hans Kaufmann im «Tages-Anzeiger», nämlich jenen des früheren SNB-Direktors Bruno Gehrig. Die «Basler Zeitung» bringt die in Deutschland lehrende Ökonomieprofessorin und Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro ins Spiel. Klar, es geht um viel. Mit Hildebrand verliert die Linke einen Fürsprecher für eine schärfere Bankenregulierung. Die Rechte wiederum sieht die Chance, in dieser Sache eine neue Stimme ins Spiel zu bringen.

Die wichtige Euro/Franken-Untergrenze

Einer, der auf Jordan setzt, ist Tobias Straumann. «Jordan hat alle Entscheidungen der letzten Zeit mitgetragen», so der Wirtschaftshistoriker. Und Straumann stellt sich auch gegen Strahms Kritik am SNB-Vize: «Dogmatische Monetaristen im alten Sinne gibt es heute gar nicht mehr.» Jordan würde zudem dafür garantieren, dass die Untergrenze von 1,2 Franken pro Euro sicher gehalten würde. Für mehr allerdings sieht Straumann keinen Konsens.

Zu Namen will sich Straumann nicht äussern. Auch er glaubt, dass dies für allfällige Kandidaturen «nicht hilfreich» wäre. Dafür nennt er die drei wichtigsten Kriterien, für künftige SNB-Mitglieder: Fachlich kompetent – also mit ausgewiesenen Kenntnissen in Währungs-, Bank- und Finanzfragen – und integer müsse die Person sein und «sie muss die Schweiz gut kennen».

Falsche Einschätzung Hildebrands

Letzteres sieht er als Erkenntnis aus der Affäre um die Devisenkäufe von Philipp Hildebrand. Der abgetretene SNB-Präsident habe die Sache – inklusive die Rolle der SVP – falsch eingeschätzt. «Hildebrand hätte schon abtreten müssen, als ihn der Bundesrat mit der Angelegenheit konfrontierte», sagt Straumann. Und zur Sache selbst meint der SNB-Kenner: «So etwas macht man einfach nicht, das verstösst gegen jeden Anstand.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.01.2012, 15:38 Uhr

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126 Kommentare

lui casutt

10.01.2012, 16:52 Uhr
Melden 128 Empfehlung

hab eben ein lachanfall gekriegt: serge gaillard als nationalbankpräsident...!!!
na dann, gute nacht schweiz, aber definitiv. nehme das gerne als schlechtgemeinten witz entgegen.
jordan war, meines wissens, der eigentliche drahtzieher im hintergrund. während hildebrand mehr als repräsetant gegen aussen agierte.
gegen jordan ist kein kraut gewachsen. blitzgescheit! passt wohl vielen nicht...
Antworten


hans zumstein

10.01.2012, 15:51 Uhr
Melden 119 Empfehlung

Die Politiker sollen doch jetzt bitte ihre Klappe unter Verschluss halten. Die SNB braucht fachlich ausgewiesene -eben wie Hildebrand einer war bzw. immer noch ist- und unabhängige Persönlichkeiten mit ausgewiesenem Fachwissen und Erfahrung. Nicht Lakaien, die irgendeinem Parteibüchlein oder einem Parteibonzen verpflichtet sind. Antworten



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