Kein Preis für die Schweiz
Von Matthias Meili. Aktualisiert am 09.10.2010 17 Kommentare
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Matthias Meili
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Anfang Woche sind wie immer im Oktober die wichtigen Nobelpreise in den wissenschaftlichen Kategorien Medizin, Physik und Chemie vergeben worden. Die Schweiz ging wieder mal leer aus, die letzte Auszeichnung liegt bereits acht Jahre zurück. Als letzter Schweizer hat 2002 ETH-Professor Kurt Wüthrich den Nobelpreis für Chemie erhalten – für seine bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Magnetresonanz-Spektroskopie.
Was ist los mit dem Forschungsplatz Schweiz? Es wäre zwar vermessen, einen direkten Zusammenhang zur Qualität des Wissensstandorts zu ziehen. Dafür sind die Kriterien, die das Nobelpreis-Komitee bei der Vergabe anlegt, zu wenig durchschaubar.
Doch ein kurzer Rückblick zeigt, dass die Schweiz vor wenigen Jahren sehr viel erfolgreicher war. Schweizer Forscher oder solche, die hier tätig waren, holten einen Nobelpreis nach dem anderen. Zwischen 1975 und 2002 erhielten hiesige Forschungsstätten 14 der begehrten Auszeichnungen. Vom ETH-Chemiker Vladimir Prelog bis zu Rolf Zinkernagel von der Uni Zürich war eine lange Reihe von Wissenschaftlern erfolgreich. 1984 erhielten gleich vier in der Schweiz tätige Forscher den Anruf aus Stockholm – je zwei vom Cern und vom Basler Institut für Immunologie. Und von 1986 bis 1988 ergatterte jedes Jahr mindestens ein hiesiger Wissenschaftler die Nobelpreis-Medaille, vier davon gingen ins IBM-Forschungslabor in Rüschlikon.
Kurz gesagt: Der Forschungsplatz Schweiz war die grosse Erfolgsstory.
Das scheint sich in den letzten Jahren geändert zu haben. Jeder weiss zwar, dass mit dem Nobelpreis in erster Linie Arbeiten ausgezeichnet werden, die 20 bis 40 Jahre zurückliegen. Neue und innovative Forschung kommt selten in die Ränge. Doch die Erfolge sind nichtsdestotrotz ein Zeichen für die Bedeutung eines Forschungsplatzes und ein Mass für die Investitionen, die getätigt wurden.
Bleibt zu hoffen, dass die momentane Erfolglosigkeit nicht bereits ein Vorbote der Sparpolitik der vergangenen Jahre ist: Die Parlamentarier hatten ihre grossmundigen Budgetversprechen in der Forschungsförderung regelmässig auf das Minimum reduziert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.10.2010, 09:23 Uhr
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17 Kommentare
In der Schweizer Forschung geht es nur noch darum, möglichst viele Publikationen zu schreiben mit möglichst vielen nichtstuenden Co-Autoren auf der Autorenliste, damit man in deren Gust bleibt. Quantität ist alles, und was in den Publikationen steht, ist Nebensache. Ein Nobelpreis schaut dabei halt nicht raus. Antworten
Der Vergleich hinkt wohl. Allerdings ruhen sich die Schweizer Unis und insbesondere die ETHs gerne auf den Lorbeeren aus. Die Mittel werden knapper und ein grosser Teil geht für PR und zweifelhaftes Controlling flöten. Zusätzlich wird in der Schweiz in letzter Zeit vornehmlich angewandte Forschung unterstützt. Für innovative, risikoreiche Grundlagenforschung steht zu wenig Geld zur Verfügung.. Antworten
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