Kein Ritalin, keine Schulreise
Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 25.03.2009 29 Kommentare
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Eltern verhaltensauffälliger Kinder beklagen sich, Lehrer und Schulleitungen hätten auf die medikamentöse Behandlung der schwierigen Schüler gepocht. Dies belegen mehrere Reaktionen auf die TA-Berichterstattung zur rasanten Zunahme des Ritalin-Konsums in der Schweiz.
Weigern sich Eltern, ihre Kinder psychologisch auf das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) hin abklären zu lassen, oder widersetzen sie sich der Verschreibung von Ritalin, drängen Lehrkräfte bisweilen auch mit Nachdruck auf die Abgabe von Medikamenten. So machen die Schulen etwa die Versetzung oder die Teilnahme an Schulanlässen wie Lagern oder Wanderungen von einer Medikation der Kinder abhängig. Die Zürcher Anwältin Susanne Raess (siehe Interview) ist mit solchen Fällen vertraut. Sie hat von 1996 bis 2001 den Rechtsdienst der Bildungsdirektion des Kantons Zürich geleitet und vertritt heute mehrere betroffene Elternteile, die sich gezwungen sahen, sich auf juristischem Weg gegen die Druckversuche der Schulen zu wehren. Dies sei zwar nicht gerade an der Tagesordnung, sagt Raess, aber: «Es sind keine Einzelfälle, und es gibt sie nicht nur im Kanton Zürich.»
«Ob mit Ritalin oder ohne»
Das Zürcher Volksschulamt (VSA) distanziert sich von den Behauptungen Raess’ und ihrer Klienten entschieden. Dass Eltern ihre Kinder nicht medikamentös behandeln lassen wollen, sei nie ein Grund gewesen, unruhigen Schülern den Verbleib in ihrer Klasse oder die Teilnahme an Schulanlässen oder -lagern zu verweigern. «Seitens des VSA gibt es auch keine Richtlinien, wie mit diesen Kinder bei besonderen Schulanlässen umzugehen ist. Es gelten die üblichen Sicherheitsregeln, unabhängig ob es sich um ein ADHS-Kind handelt oder nicht, ob mit Ritalin oder ohne», schreibt Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamtes. Die Lehrer trügen die Verantwortung für die Kinder und könnten die Teilnahme an Lagern oder Wanderungen im Einzelfall verbieten. Die Wahrscheinlichkeit, von solchen Massnahmen betroffen zu sein, ist bei verhaltensauffälligen Kindern höher als bei Normkindern.
Daniel Frey, Kinderarzt und Direktor der Schulgesundheitsdienste der Stadt Zürich, räumt ein, dass hyperaktive ADHS-Kinder wegen ihrer Ablenkbarkeit und Unruhe ein grösseres Unfallrisiko haben und deshalb etwa auf Schulreisen eine intensive Betreuung bräuchten. Hyperaktivität und Ablenkbarkeit sprächen «in der Regel» auf die Behandlung mit Ritalin gut und rasch an. Frey betont aber, dass kein Kind allein aufgrund eines Vorschlags von Lehrpersonen mit Medikamenten behandelt werden dürfe. «Es braucht eine ärztliche Verschreibung, beispielsweise von einem Kinderarzt oder einem Kinderpsychiater», sagt Frey. Eine medikamentöse Behandlung solle aber immer nur Teil eines umfassenden Therapieprogrammes mit psychologischen, pädagogischen und sozialen Massnahmen sein und setze eine sorgfältige Abklärung durch Fachleute wie Kinderpsychiater, Schulpsychologen und Schul- oder Kinderärzte voraus.
Ritalin-Studie noch in Entwurf
Um die Zahl der Ritalin-Verschreibungen an Zürcher Schüler zu erheben, hat der Kantonsrat eine Statistik angefordert. Es wird die erste ihrer Art in der Schweiz sein. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten. «Wir prüfen, wie dieser Auftrag mit vertretbarem Aufwand, auch finanzieller Art, erfüllt werden kann», so Wendelspiess. Auf die Zahlen gespannt ist auch Schularzt Frey, den ein weiterer Anstieg der Ritalin-Verschreibungen nicht wundern würde: «Die Wahrscheinlichkeit, dass nicht alle Kinder Ritalin erhalten, denen es helfen würde, ist grösser als diejenige, dass zu viele Kinder Ritalin verschrieben bekommen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.03.2009, 08:21 Uhr
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29 Kommentare
Tja liebe Lehrerschaft: Man vermutete es ja schon länger. Aber scheinbar ist die Kuschelpädagogik gescheitert. Solltet Ihr trotzdem mit den aufgeweckten Kindern überfordert sein - greift doch zu Ritalin. Die Aerzte verschreiben es ja auch den Erwachsenen. Demnächst gibt es Ritalin in verschieden bunten Farben, dann können Schüler und Lehrer untereinander tüüschle. Dann ist Ruhe im Klassenzimmer. Antworten
Das Vorgehen passt wunderbar ins Bild der neuen Bananenrepublik Schweiz (Siehe Impfmassnahme an der ETH Lausanne). Noch bin ich stolz, dass wir eines der Länder sind, die das Thema persönliche Freiheit ernst nimmt. Die Repressionen des Staat nehmen aber zusehend zu, sei es im Gesundheitswesen oder eben auch in der Bildung. Im Übrigen wirkt Ritalin bei nicht Betroffenen eher aufputschend. Antworten
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