Kinderschänder auf der Flucht: Bevölkerung soll informiert werden

Von Vera Hächler. Aktualisiert am 20.11.2009

Die Sicherheit im offenen Massnahmenvollzug in St. Johannsen soll erhöht und die Bevölkerung über aussergewöhnliche Ereignisse besser informiert werden.

Das teilt Hans-Jürg Käser, Polizei- und Militärdirektor des Kantons Bern mit. Die Entweichungen aus dem offenen Massnahmenvollzug in St. Johannsen seien nicht auf gravierende Fehler des Personals zurückzuführen. Personen hätten keine Fehler begangen, jedoch könne man das System verbessern. Oberstes Ziel müsse es bleiben, die Rückfallgefahr zu minimieren. Zu diesem Schluss kommt Hans-Jürg Käser auf Grund einer internen Untersuchung, deren Resultate an einer Medienkonferenz in Bern vorgestellt wurden.

Als Sofortmasssnahmen für eine Verbesserung der Sicherheit in St. Johannsen ordnet Käser folgende Schritte an: Bei Eingewiesenen ist im Zweifelsfall vor dem Eintritt in den Vollzug eine therapeutische Vorbehandlung im geschlossenen Strafvollzug durchzuführen, alle aktuellen Vollzugsfälle in St. Johannsen sind auf die Rückversetzung in einen geschlossenen Bereich zu überprüfen und die Freizeitbeschäftigung in der Fischereizone wird eingeschränkt.

Auch soll die Informationspolitik verbessert werden: Wenn Sexualtäter entweichen, soll die Öffentlichkeit sofort informiert werden, so Martin Kraemer, Vorsteher des Amtes für Freiheitsentzug und Betreuung. Somit soll es in Zukunft nicht mehr zu Lücken in der Information kommen, wie dies bei drei entwichenen Häftlingen, darunter Jan H., der Fall war. Mit dem neuen Informationskonzept soll das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung ernst genommen werden.

Mittelfristige Massnahmen

Als mittelfristige Ziele soll die Bevölkerung unter anderem mit Zutrittsverboten auf die Anstalt hingewiesen werden. Auch ist die Vergitterung der Fenster im inneren Ring geplant. Alle beschlossenen Abläufe, die zur Sicherheit beitragen, sollen künftig regelmässig überprüft werden, teilt Käser weiter mit.

Als langfristige Massnahmen wird der Einsatz neuester Technologien, wie zum Beispiel der Gebrauch von Wärmebildkameras, geprüft.

In St. Johannsen sei die Sicherheit ein ständiges Thema, wie Franz Walter, Direktor des Massnahmenvollzugs St. Johannsen ausführte. Daher habe man in den Jahren 2000 bis 2009 Investitionen im Bereich Sicherheit vorgenommen. Die Videoüberwachung und der Sicherheitsdienst wurden ausgebaut. Auch wurde eine geschlossene Beobachtungs- und Triagestation eingeführt und eine Umzäunung des Geländes vorgenommen.

Kinderschänder flüchtete

Käser hatte die interne Untersuchung Anfang Monat angeordnet, nachdem publik wurde, dass mehrere Insassen aus der Anstalt entweichen konnten.

Im August 2009 war es einem verurteilten Kinderschänder (Jan H.) gelungen, unbemerkt zu entweichen und ein Kind zu missbrauchen. Er wurde am Tag nach der Tat in der Anstalt verhaftet. Der Mann ist ein Wiederholungstäter und als solcher nicht der einzige, der in St.Johannsen einsitzt. Wie es zur Flucht kommen konnte, wird zurzeit noch abgeklärt. Ein Restrisiko werde es immer geben, so Walter. In diesem Fall habe St. Johannsen das Risiko einer Flucht jedoch falsch eingeschätzt.

Im offenen Massnahmenvollzug sitzen längst nicht nur leichte Fälle ihre Strafe ab: Ein Viertel der 80 in Le Landeron inhaftierten Männer hat ein Tötungsdelikt, versuchte Tötung oder schwere Körperverletzung begangen. 32 der Insassen sitzen wegen eines Sexualdelikts. 18 dieser Männer vergingen sich an Kindern.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.11.2009, 20:10 Uhr

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