Schweiz

«Kirchenglocken oder Muezzin – das ist doch dasselbe»

Aktualisiert am 21.10.2009

Der Basler Regierungspräsident findet, Muezzine sollen in der Schweiz durchaus vom Minarett aus zum Gebet rufen dürfen. Er hält die Angst der Bevölkerung vor dem Islam für unbegründet.

1/4 005.jpg
Die Montage von Lautsprechern weckt in der Schweiz die ärgsten Befürchtungen: Das Minarett im deutschen Rheinfelden.
Bild: Claudio Habicht

   
Tolerant: Der Basler Regierungspräsident Guy Morin.

Tolerant: Der Basler Regierungspräsident Guy Morin.

Artikel zum Thema

Der Lautsprecher auf dem Minarett der Moschee im deutschen Grenzstädtchen Rheinfelden sorgt in der Schweiz für Aufruhr. Die Muslime der Gemeinde am Rhein selbst montieren ihn nun ab und sprechen von einem «naiven Versehen». Im nahen Basel aber kommt Verständnis für den Minarett-Lautsprecher auf – und das an allerhöchster Stelle. In einem Interview mit dem lokalen Nachrichtenportal «Onlinereports» sagt Regierungspräsident Guy Morin: «Kirchenglocken oder der Muezzin - das ist doch dasselbe, einfach in einer jeweils anderen Kultur». Wenn die Anwohnerschaft durch Glocken oder den Muezzin belästigt werde, dann müsse man einen Konsens finden, so der Grüne weiter. Basel habe auch schon ein Kirchengeläut verboten, so Morin gegenüber «Onlinereports».

Morin stellt seine Argumentation auf die Basis der Gleichbehandlung der Religionen. «Die Kirchenglocken rufen auch zum Gebet auf», sagt er im Interview. Und er weist weiter auf die Geschichte hin: «Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben Protestanten katholische Kirchentürme verboten – und umgekehrt». Zum Glück habe man diese Zeiten überwunden.

Nur «mündlich und unverstärkt»

Neu ist es nicht, dass im deutschen Rheinfelden der Muezzin freitags zum Gebet ruft. Das tat er schon seit rund fünf Jahren. Bislang hatte dies nicht zu Problemen geführt. Erst seit ein Mitglied der türkisch-muslimischen Gemeinde drei Lautsprecher am Minarett montierte, wurde das Rufen zum Thema. Ursprünglich war vereinbart worden, dass zwar zum freitäglichen Mittagsgebet gerufen werden dürfe, aber nur mündlich und unverstärkt.

Der Basler Regierungspräsident nimmt es lockerer. «Es ist doch etwas Wunderschönes, wenn ein Mensch zum Gebet aufruft, zur Hinwendung zu einer spirituellen Kraft. Da muss man einfach tolerant sein», sagte er auf «Onlinereports». Die Ausübung von Glauben und Religion sei ein Grundbedürfnisse und die Religionsfreiheit eine der grossen aufklärerischen Errungenschaften. (se)

Erstellt: 21.10.2009, 12:03 Uhr

Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.