Köppel: «Ich bin einer der neugierigsten Menschen, die ich kenne»

Roger Köppel ist in der Online-Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zum klügsten Kopf des Landes gewählt worden. Der «Weltwoche»-Chef über seinen Triumph, das intellektuelle Klima in der Schweiz und seinen Wikipedia-Eintrag.

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Herr Köppel, wer ist für Sie der grösste Intellektuelle der Schweiz?
Lebend oder tot? Wer ist der grösste Intellektuelle? Dürrenmatt, aber der lebt nicht mehr… (denkt nach) Sagen Sie es mir.

Sie sind es. Die Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet haben Sie mit 18 Prozent zum grössten Schweizer Intellektuellen gewählt. Wir gratulieren.
Tatsächlich? Hervorragend, vielen Dank, offensichtlich hat Tagesanzeiger.ch/Newsnet kluge Leser (lacht).

Auf dem Podium werden Sie von Roger de Weck und Jean Ziegler flankiert, zwei prononciert kapitalismuskritischen Denkern. Ist Ihr Triumph ein Sieg des Liberalismus oder sind Sie einfach der letzte Mohikaner der Rechten?
Die Leser haben mir zwei Kritiker zur Seite gestellt, damit ich nicht übermütig werde (lacht). Ausserdem bin ich enttäuscht, dass ich nur so knapp vor Jean Ziegler liege! Ich glaube aber tatsächlich, dass es der «Weltwoche» gelingt, sich aus dem linkslastigen intellektuellen Einheitsbrei abzuheben. Vielleicht wurde das honoriert. Mich interessieren Ideen und Argumente. Ich bin einer der neugierigsten Menschen, die ich kenne. Schön, dass das honoriert wird.

Sie haben in der «Weltwoche» einmal geschrieben, dass es in der Schweiz eigentlich nur linke Intellektuelle gebe, während das Land immer konservativer wird.
Das ist tatsächlich so. Die «Weltwoche» ist ja die Plattform für ein intellektuelles Milieu, das sich nicht am Mainstream orientiert und Gegensteuer gibt, andere Meinungen und Fragestellungen nach vorne bringt, auch dort kritisch bleibt, wo alle anderen applaudieren. Ich habe das enge intellektuelle Klima oft am eigenen Leib gespürt, die Inquisitorengesichter in den Redaktionen, wenn Sie mal einen anderen Gedanken einbrachten. Da muss man einfach ausbrechen und für Frischluftzufuhr sorgen.

Am Gymi hätten die Pseudo-Intellektuellen Punk gehört, Sie dagegen Clapton, Deep Purple oder Cream, gaben Sie gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnetz zu Protokoll. Ihre Top 5 heute, 20 Jahre später?
Momentan «The Capitol Years» von Frank Sinatra, aus den 50ern und 60ern. Dann Quincy Jones und von Alfred Brendel Beethovens Klavierkonzerte. Den Rhythm’n’Blues von Eric Benet. Und Nils Landgren.

Glauben Sie, dass auf Ihrem Wikipedia-Artikel schon etwas von der Wahl steht?
Den habe ich schon lange nicht mehr gelesen, ich will mich ja nicht ständig aufregen (lacht). Sollte diese Umfrage tatsächlich notiert werden, da bin ich sicher, würde der Wikipedia-Wächterrat darauf achten, dass es einen schönen negativen Dreh bekommt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 08.10.2009, 15:20 Uhr)

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