«Köppel ist der Einzige, dem man Blochers Nachfolge zutrauen kann»

«Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel will in den Nationalrat. Was kann er bewirken? Was wird aus dem politischen Klima? Dazu Politexperte Michael Hermann.

«Köppel signalisiert mit seiner Kandidatur, dass er nicht nur Nationalrat werden, sondern auch eine Führungsrolle in der Partei übernehmen will»: Michael Hermann.

«Köppel signalisiert mit seiner Kandidatur, dass er nicht nur Nationalrat werden, sondern auch eine Führungsrolle in der Partei übernehmen will»: Michael Hermann. Bild: Keystone

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Herr Hermann, Roger Köppel kandidiert für die Zürcher SVP für den Nationalrat. Als medial omnipräsenter Journalist hat er einen hohen Bekanntheitsgrad. Hat er den Sitz schon auf sicher?
Ja, dank seinem Renommee und seiner schon lange gepflegten Nähe zur Partei wird er sehr viele Stimmen holen. Sicher ist zwar nur der Tod – aber Roger Köppels Nationalratssitz kommt gleich danach.

Der SVP fehlt nach Christoph Blochers Rücktritt aus dem Nationalrat eine neue starke Figur. Wird Köppel diesen Platz einnehmen können?
Roger Köppel ist die einzige Person in der Schweiz, der man Christoph Blochers Nachfolge ernsthaft zutrauen kann. Niemand in der SVP hat sein Format. Die zahlreichen Reaktionen auf seine Kandidatur verdeutlichen das.

Was macht Köppels politisches Format aus?
Schon heute als «Weltwoche»-Chefredaktor ist er nicht nur ein Schreibtischtäter, sondern auch ein guter Debattierer auf allen Kanälen. Er ist der einzige Schweizer, der auch in deutschen Fernseh-Talkshows eine dominante Rolle in Gesprächen einnehmen kann. Das hat Blocher nie gemacht. Zudem füllt Köppel ganze Säle mit politischen Themen, wie er nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative auf seiner Tour durch die Schweiz bewiesen hat. Als Publizist hat er zudem gezeigt, dass er die Schwächen seiner politischen Gegner auszuschlachten weiss. In Kombination mit der Wählerstärke der SVP ergibt das ein grosses Potenzial.

Gleichzeitig konnte er die Politik bisher als Beobachter kritisieren. Wird er gewählt, muss er sie mitgestalten. Birgt dieser Realitätscheck auch Absturzgefahr?
Köppel signalisiert mit seiner Kandidatur, dass er nicht nur Nationalrat werden, sondern auch eine Führungsrolle in der Partei übernehmen will. Das entspricht durchaus seinem Ehrgeiz – er ist ausgesprochen macht- und sendungsbewusst. Bisher konnte er in der «Weltwoche» die Themen selber setzen, als Parlamentarier muss er sich auch mit weniger attraktiven Gebieten befassen, in denen es kaum Lorbeeren zu holen gibt. Darunter hat ja auch Blocher gelitten. Doch Köppel ist ein zäher Typ, und er wird seine Wirkung sicher nicht primär in der Kommissionsarbeit entfalten wollen.

Als «Weltwoche»-Chefredaktor nimmt Köppel kein Blatt vor den Mund. Wird sich sein konfrontativer Stil auf die politische Kultur in Bundesbern auswirken?
Tatsächlich könnte sein Einzug ins Parlament wieder zu schärferen Debatten und mehr Provokationen führen. Sein Stil kontrastiert mit den jüngsten Versuchen der SVP, auf Allianzen zu setzen. Gleichzeitig hat Köppel Schalk und pflegt auch Kontakte in andere politische Lager. Die Gefahr besteht aber, dass er mit dem Parteistempel kompromissloser und dogmatischer wird.

Vor einem Jahr noch sagte er: «Im Moment ist meine Wirkung grösser, wenn ich mich als unabhängiger Journalist für die Schweiz einsetze.» Wird das politische Mandat seine Wirkung maximieren?
Solange er «nur» Nationalrat ist, wird seine Wirkung minimiert, denn das Amt nimmt ihm ein Stück seiner journalistischen Unabhängigkeit. Aber wegen seines Sendungsbewusstseins kann ich mir nicht vorstellen, dass er weniger will, als die informelle Parteiführung zu übernehmen. Und das wird seine Wirkung letztlich tatsächlich maximieren.

Was bedeutet Köppels Schritt für seine «Weltwoche»? Als Parlamentarier wird er an das Kommissionsgeheimnis gebunden sein.
Das Amt wird für Köppel ein Stück weit mit einem publizistischen Maulkorb verbunden sein. Doch nicht nur das: Das Nationalratsmandat wird ihn zeitlich fordern – er wird auf der Redaktion nicht mehr so präsent sein können. Die schwierigsten Folgen wird Köppels Entscheidung ohnehin für die «Weltwoche» haben: Weil die Politik nicht plötzlich attraktiver geworden ist, deutet sein Schritt darauf hin, dass die Arbeit für die Wochenzeitschrift weniger befriedigend ist als auch schon.

Medienunternehmer Roger Schawinski spricht wegen Köppels möglichem Doppelmandat als Politiker und Chefredaktor bereits von einer Renaissance der Parteipresse.
Nein, hier handelt es sich um einen Fall Köppel und nicht um einen allgemeinen Trend. Vielleicht erleben wir zurzeit gerade eine Repolitisierung der Medien, aber eine generelle Rückkehr zur Parteipresse ist ausgeschlossen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.02.2015, 16:10 Uhr)

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