«Konvertiten müssen mit Folgen ihrer Selbstausgrenzung leben»
Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 03.05.2010
Umfrage
Darf ein zum Islam konvertierter Schweizer Hauptmann werden?
Ja
Nein
1118 Stimmen
«Konvertierte Muslime wählen oft eine eher fundamentalistische Anschauung»: Elisa Streuli ist Leiterin der Abteilung Gleichstellung und Integration des Kantons Basel-Stadt.
Muslimischer Hauptmann?
Der 26-jährige Konvertit Gibril Zwicker ist Mitglied des Islamischen Zentralrats Schweiz. Im Militär hat er bereits den Grad des Oberleutnants. Nun möchte er auch Hauptmann werden, wie er gegenüber der Zeitung «Sonntag» sagte. Jedoch will er nicht akzeptieren, dass er nur einmal statt fünfmal beten darf. Ob ihm die Beförderung gewährt wird, ist ungewiss.
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Darf ein zum Islam konvertierter Schweizer Hauptmann werden?
Von der Verfassung her besteht hier kein Ausschlussgrund. Sicher muss sich der Aspirant aber zu den Grundwerten unseres Staates und der Verfassung bekennen. Einen solchen Fall müsste man also genauer anschauen – unter der Berücksichtigung des Militärrechts.
Konvertiten sehen sich häufig primär als Muslime, und erst dann als Schweizer.
Auch wenn in der Schweiz Kirche und Staat getrennt sind, fusst unser Land auf christlichen Werten. Natürlich besteht Religionsfreiheit, aber wir wollen keine fundamentalistischen Strömungen und schon gar keine religiösen fundamentalistischen Ausprägungen. Solche Werte haben in unserer Gesellschaft keinen Platz.
Wo stossen Konvertiten sonst noch an ihre Grenzen?
Ganz sicher wenn es um die Arbeitssuche geht. Praktizierende oder fundamentalistische Muslime geben ihre Religionszugehörigkeit nach aussen zu erkennen. Insofern müssen sie mit den Folgen dieser Selbstausgrenzung leben. Konvertierte Muslime wählen oft eine eher fundamentalistische Anschauung. Denn beim gemässigten Islam gibt es Überschneidungen mit christlichen Werten – da bräuchte man ja gar nicht erst zu konvertierten.
Das ist eine sehr kleine Gruppe…
… die im Moment eine riesige Medienaufmerksamkeit geniesst. Meiner Meinung nach ist das zwiespältig. Denn häufig sind es fundamentalistische Muslime, die das Bedürfnis nach Anerkennung haben. Muslime hingegen, die in unserer Gesellschaft Werte finden und Perspektiven sehen, haben es gar nicht nötig, zu fundamentalistischen Strömungen zu wechseln.
Fällt Muslimen die Integration besonders schwer?
85 Prozent der Muslime sind weltlich orientiert. Ihnen merkt man gar nicht an, dass sie Muslime sind. Andere praktizieren den Islam, indem sie regelmässig beten und die Essensvorschriften befolgen. Problematisch wird es erst, wenn sie fundamentalistische Werte vertreten. Dann treten Schwierigkeiten auf. Mit ihnen ist auch der Dialog kaum mehr möglich. Ich möchte aber betonen, dass das eine kleine Minderheit ist.
Ab wann ist ein Muslim fundamentalistisch?
Wenn er seine Religion als die einzig wahre ansieht. Und das religiöse Rechtssystem über das unsrige stellt. Von einem integrierten Muslim erwarte ich, dass er sich ganz klar von der Scharia distanziert. Das Schweizerische Rechtssystem muss über allem stehen. Wer das nicht akzeptiert, ist fundamentalistisch.
Dürfen fundamentalistische Muslime Lehrer werden?
Es ist nicht zulässig, religiös zu missionieren oder religiöse Symbole zur Schau zu stellen. Woran er glaubt, ist jedoch jedem Lehrer selbst überlassen.
Inwieweit müssen wir den Muslimen entgegenkommen?
In erster Linie ist es Sache der Immigranten, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Auf der anderen Seite müssen wir verhindern, dass es zu Diskriminierung kommt. Denn die Schweiz muss zwar ihre Werte verteidigen, einer davon jedoch ist auch die Religionsfreiheit.
Wie sehen solche Aushandlungsprozesse konkret aus?
In den Schulen im Kanton Basel-Stadt hat man sich auf eine so genannte Handreichung geeinigt. Demzufolge kann etwa der höchste religiöse Feiertag, sofern er zu Beginn des Schuljahres schriftlich eingegeben wird, frei gegeben werden. Zwischen Behörden und Religionsgemeinschaften besteht eine regelmässige, institutionalisierte Zusammenarbeit. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.05.2010, 14:16 Uhr
Schweiz
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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