Kriminelle Teenager: 35'000 sexuelle Übergriffe pro Jahr

Aktualisiert am 25.05.2009 33 Kommentare

Die Jugendgewalt soll landesweit genauer erfasst werden als bisher. Neuste Zahlen zu den Delikten von Teenagern sind erschreckend.

Ein ernsthaftes Problem der Gesellschaft: Gewalt unter Jugendlichen, hier in einer gestellten Szene.

Ein ernsthaftes Problem der Gesellschaft: Gewalt unter Jugendlichen, hier in einer gestellten Szene.
Bild: Keystone

Auch in den USA ein zunehmendes Problem: Verhaftete, junge Schlägerinnen.

Auch in den USA ein zunehmendes Problem: Verhaftete, junge Schlägerinnen. (Bild: Keystone)

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Raubüberfälle, Körperverletzungen, sexuelle Übergriffe, Quälen von Mitschülern: Jugendgewalt bestimmt immer wieder das Tagesgeschehen, Fachleute und Bevölkerung sind besorgt. Der Bundesrat will nun Gegenmassnahmen ergreifen und hat ein nationales Programm zur Prävention und Bekämpfung von Jugendgewalt in Aussicht gestellt, das er mit den Kantonen, Städten und Gemeinden ausarbeiten will. Bis 2010 soll das Detailkonzept vorliegen.

Als Grundlage dienen zwei Expertenberichte, die aufgrund von drei Postulaten aus dem Nationalrat verfasst wurden. Als Experten wurden Manuel Eisner vom Institute of Criminology der Unversität Cambridge (England) und Olivier Steiner von der Fachhochschule Nordwestschweiz beigezogen.

Deutlicher Anstieg der Gewaltdelikte

Die offiziellen Statistiken zeigen in den letzten 20 Jahren einen markanten Anstieg der Gewaltdelikte von Jugendlichen: Die Zahl der Körperverletzungen stieg um das Fünffache, die Zahl der Drohungen, Nötigungen und Erpressungen sogar um das Zehnfache.

Die Zunahme könnte allerdings auch durch eine verbesserte Aufklärungsquote oder häufigere Anzeigen der Opfer erklärt werden. Deshalb will der Bundesrat unter anderem auch die statistischen Grundlagen verbessern. Gleichzeitig soll die Machbarkeit einer regelmässigen «Dunkelfeldforschung» von nicht registrierten Strafdelikten geprüft werden.

Gewaltige Dunkelziffer hochgerechnet

Eisner geht aufgrund von Hochrechnungen aktueller Befragungen bei den 12- bis 17-Jährigen von folgenden jährlichen Dunkelziffern aus: 40'000 bis 55'000 Raubüberfälle, 30'000 Körperverletzungen mit Arztbesuch, 100'000 Körperverletzungen ohne Waffe, 35'000 sexuelle Übergriffe und 300'000 Fälle, in denen Mitschüler gequält wurden.

Killergames als mögliche Ursache

Handlungsbedarf und Interventionsmöglichkeiten sieht der Bundesrat in der Familie und frühen Kindheit, in der Schule und Ausbildung, im öffentlichen Raum und beim Medienangebot. Nach Feststellungen von Olivier Steiner nutzen 28 Prozent der 12- bis 16-Jährigen eine Spielkonsole im eigenen Zimmer. Bei fast der Hälfte dieser Altersgruppe steht ein Computer im Kinderzimmer, und 35 Prozent können dabei auch das Internet nutzen.

Die Gefahr, dass sich die Kinder zum Beispiel mit nicht altersgemassen Killergames oder pronografischen Inhalten befassen, ist laut den Fachmann gegeben – vor allem dann, wenn die Eltern sich um die Medienkonsum des Kindes nicht kümmern, wenn die Nutzung zu Sucht und Isolation führt.

Die Stärkung der elterlichen Kompetenz und die Unterstützung überforderter Eltern sollte nach Ansicht des Wissenschaftlers deshalb ein besonderes Gewicht erhalten.

Risikofaktoren Alkohol und Drogen

Prävention müsse eine gewisse Qualität aufweisen, so Eisner weiter. Er könnte sich eine Zertifizierung von Präventionsprogrammen vorstellen, wie sie im Ausland teilweise schon eingeführt wurde. Wichtig sei überdies eine Kontrolle der Wirksamkeit.

Ansetzen sollte die Prävention laut Eisner vor allem bei den wichtigsten Risikofaktoren. Dazu gehörten etwa das rechtzeitige Behandeln von Problemverhalten, Integrations- und Partizipationsförderung sowie Massnahmen gegen zu frühen Alkohol- und Drogenkonsum. (sda)

Erstellt: 25.05.2009, 14:50 Uhr

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33 Kommentare

Ronnie König

25.05.2009, 10:44 Uhr
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Mich interessiert Hintergrund und Nationalität der Täter und genau so der Opfer. Dass die Statistik stümperhaft ist wissen wir! Also was gedenkt man endlich dagegen zu tun? Weiter Kaffeesatzlesen und linke Pflästerlipolitik? Rechte Polemik? Das geht seit bald 25 Jahren so und keiner will wirklich das heisse Eisen anfassen. Das Resultat sehen wir seit Jahr und Tag. Neuinterpretieren hilft wenig. Antworten


Lee Tim

25.05.2009, 18:30 Uhr
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@ Gisele Niedermann, die Kultur zuhause musst nicht unbedingt ein Nachteil sein. Warum auch, bin von einer Einwandererfamilie und mit 4 verschiedenen Sprachen aufgewachsen und bin dennoch Jurist geworden. Wichtig ist, was man in der Schule lernt und dass die Lernumgebung eben auch stimmt. Antworten



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