Lang lebe das Nationalgestüt!
Von Markus Brotschi. Aktualisiert am 02.12.2010 12 Kommentare
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Das Nationalgestüt gerät regelmässig ins Visier von Finanzpolitikern, die nach überflüssigen Subventionen suchen. Anfang der 90er-Jahre wollte Finanzminister Otto Stich dem «Haras national» den Geldhahn zudrehen. 1996 beantragte Werner Marti, SP-Nationalrat und späterer Preisüberwacher, die Stilllegung des Gestüts.
Das «einzigartige Kulturgut»
Die jüngste und wohl für lange Zeit letzte Attacke auf die Hengstenzucht des Bundes leitete Anfang Jahr Finanzminister Hans-Rudolf Merz ein. Dessen Forderung, den einstelligen Millionenbetrag endgültig aus dem Budget zu streichen, hat das Gegenteil bewirkt. Der Ständerat verknurrte den Bundesrat gestern dazu, das Gestüt als Kulturerbe anzuerkennen. «Der Bund betreibt ein nationales Gestüt», steht künftig im Landwirtschaftsgesetz. Bisher hiess es, der Bund «kann» ein solches betreiben.
Erreicht hat dies der Zuger Ständeherr Peter Bieri (CVP). Der Agronom und Zuchtexperte überzeugte den Rat davon, dass es sich um ein «einzigartiges Kulturgut» und einen «Wissenspool» handle. «Hier geht es um Emotionales, eine Errungenschaft der Eidgenossenschaft», pflichtete ihm Hannes Germann (SVP, SH) bei. «Wenn das der Schweiz diese 5 Millionen Franken pro Jahr nicht mehr wert ist, frage ich mich wirklich, wie weit wir es gebracht haben.»
65 Mitarbeiter, 60 Hengste
Ans Herz gegangen war den Ratsmitgliedern ein Besuch in den Freibergen, wo sie sich des kulturellen Werts des Schweizer Rassepferdes Gewahr wurden. «Seit dem Ausflug vom Herbst in den Jura und dem Besuch des Gestüts wissen wir, dass wir dieses selbstverständlich alle unterstützen werden», sagte die Basler SPFrau Anita Fetz. Selbst hartgesottene Sparapostel wagten sich nicht aus der Deckung.
Lediglich drei Vertreter der Finanzkomission empfahlen, das Geschäft im Januar zunächst unter Finanzpexperten zu besprechen, da es um das Konsolidierungsprogramm für den Haushalt gehe. Doch so lange mochten die anderen nicht warten.
Die Unsicherheit der 65 Mitarbeiter in Avenches müsse ein Ende haben, sonst kündigten die besten Fachkräfte, warnte Bieri. Mit 29 zu 4 Stimmen sprach sich die kleine Kammer so klar für den Erhalt des Gestüts aus, dass das Votum des Nationalrats nur noch Formsache ist.
Der nervenstarke und umgängliche Freiberger
Auch Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann mochte kein Rückzugsgefecht führen, vertrat aber pflichtgetreu die bundesrätliche Position. Er gestand, dass beim Thema Gestüt «auch ich eine Emotionalität habe». Er warb für eine Public-private-Partnership, um die Kosten für den Bund etwas zu reduzieren. Die Dienstleistungen des Gestüts, die private Pferdezüchter in Anspruch nehmen, sollen künftig zu Vollkosten verrechnet werden. Die Bundessubventionen können so auf knapp 5 Millionen pro Jahr reduziert werden.
Die Eidgenossenschaft hatte das Nationalgestüt 1899 im waadtländischen Avenches gegründet, um eine Pferderasse von hoher Qualität für Armee und Landwirtschaft zu erhalten. Es war der nervenstarke und umgängliche Freiberger. Noch heute stehen 60 vorzüglich selektionierte Zuchthengste in den Stallungen. Sie werden nun auch künftig zur Decksaison – im Spätwinter und Frühjahr – zu den Stuten im Land gefahren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.12.2010, 10:20 Uhr
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12 Kommentare
Bravo, bravo, bravo und Dank an den SR - und nun hört mal auf über diesen lächerlichen Betrag zu reden. Oder haben wir vergessen wieviele Millionen wir jährlich - in die Knie gezwungen von EU, UNO, und so weiter - nach Afrika, Ost-Europa, etc verschenken. Dort ergötzen sich fremde Herren dann schöner Karrossen mit vielen Pferdlein unter der Haube - ohne Zuchtanspruch... Antworten
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