Schweiz

Lebensmittel aus Japan werden am Flughafen gestoppt und kontrolliert

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 22.03.2011 3 Kommentare

Die Oberzolldirektion überprüft ab sofort alle aus Japan importierten Lebensmittel auf Radioaktivität. Und was ist mit Produkten, die bereits im Regal stehen? Migros und Coop nehmen Stellung.

Lebensmittel aus Japan werden ab heute durchgehend kontrolliert: Algen, die auch für Sushi verwendet werden, waren 2010 neben Fetten die grösste Gruppe der aus Japan importierten Produkte.

Lebensmittel aus Japan werden ab heute durchgehend kontrolliert: Algen, die auch für Sushi verwendet werden, waren 2010 neben Fetten die grösste Gruppe der aus Japan importierten Produkte.
Bild: Keystone

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Am Wochenende äusserte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstmals besorgt über die Lebensmittelsicherheit, nachdem in Japan in Lebensmitteln wie Blattgemüse und Milch stark erhöhte Radioaktivität gemessen worden war. Die japanische Regierung rief derweil die Bauern und Molkereien von vier betroffenen Regionen auf, keine verstrahlten Lebensmittel in Umlauf zu bringen.

Die Schweizer Behörden sind dadurch in Alarmbereitschaft versetzt worden. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Oberzolldirektion mit «schwerpunktmässigen Kontrollen» beauftragt, wie BAG-Sprecherin Sabine Helfer sagt. Werden normalerweise alle importierten Lebensmittel stichprobenartig untersucht, liegt der Fokus ab heute auf den Lieferungen aus Japan. «Wir haben bereits damit begonnen», sagt Walter Pavel, Sprecher der Oberzolldirektion, auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Resultate in zwei bis drei Wochen

In den verganenen Tagen haben die Behörden ein Schwerpunktprogramm definiert. Da nur wenig und unregelmässig Lebensmittel aus Japan in die Schweiz geliefert werden, werden stichprobenmässig verschiedene Lebensmittel aus Japan erhoben - und nicht einzelne spezifische Lebensmittel- oder Lebensmittelgruppen.

Weil nur wenig und unregelmässig Lebensmittel aus Japan in die Schweiz geliefert würden, habe man sich entschieden, keine einzelnen Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen zu kontrollieren, sagt Sabine Helfer. Stattdessen habe das BAG in Absprache mit der WHO und den Gesundheitsbehörden anderer europäischer Länder ein Schwerpunktprogramm definiert. Lieferungen aus Japan werden von der Oberzolldirektion am Flughafen gestoppt, dann werden Muster entnommen und in die Labors geschickt. Mit Ergebnissen rechnet das BAG in den kommenden Tagen. In zwei bis drei Wochen will die Behörde über die Resultate informieren.

Risikobehaftete Fracht werde bei der Verzollung im elektronischen System erkannt, herausgefiltert und zurückbehalten, erklärt Walter Pavel. Die Proben würden an das für den Empfänger der Sendung zuständige kantonale Labor geschickt.

Kein Bedarf an japanischen Produkten

Die Importmenge aus Japan ist klein, Japan importiert selber ein Vielfaches der exportierten Lebensmittel. Das Importvolumen japanischer Lebensmittel in der Schweiz betrug im vergangenen Jahr 17 Millionen Franken. Der grösste Teil davon waren Fette und Öle von Pflanzen und Fischen sowie Algen; daneben wurden Sojasauce, Gewürze, Rotwein, Gemüse und «andere geniessbare Pflanzenteile» eingeführt, wie es auf der Importliste der Oberzolldirektion heisst.

Das BAG geht davon aus, dass die heute in der Schweiz verkaufte Ware bedenkenlos konsumiert werden kann, weil sie vor dem AKW-Unglück hergestellt und importiert wurde. Dasselbe sagen auch Migros und Coop. «Wir haben nur eine Handvoll Produkte aus Japan im Sortiment, wie Bier oder Miso-Suppe», sagt Coop-Sprecherin Denise Stadler. Weitere Lieferungen seien zurzeit nicht geplant, «weil kein Bedarf besteht». Zutaten für japanische Gerichte würden übrigens nicht unbedingt in Japan hergestellt, fügt Stadler hinzu: «Sushi-Kit beispielsweise kommt aus China.» Auch Migros-Sprecherin Monika Weibel sagt: «Wir haben keine gefährlichen Produkte.»

Dorf ohne Trinkwasser

Anders sieht es in Japan aus. In der Region Fukushima ist laut Medienberichten ein ganzes Dorf ohne geniessbares Trinkwasser, es befindet sich rund 30 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt. Die Verseuchung der Lebensmittel sei nun nicht mehr auf 20 bis 30 Kilometer beschränkt, liess die WHO am Wochenende verlauten.

Für die betroffenen Regionen Fukushima, Ibaraki, Tochigi und Gunma, die Milch und gewisse Gemüsesorten nicht mehr liefern dürfen, bedeutet dies eine starke wirtschaftliche Einbusse. Der Norden Fukushimas beispielsweise wird für den Lebensmittelanbau und die Milchwirtschaft stark genutzt. Die Landwirtschaft ist für die Region der wichtigste Wirtschaftszweig. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.03.2011, 13:03 Uhr

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3 Kommentare

daniel hofer

22.03.2011, 14:02 Uhr
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...unsere Höselernation ist wirklich zum Schreien. Armee abgebaut, reine Panik nach der Katastrophe in Japan (aber null Mitgefühl, dieses sparen wir uns für die Haitianer auf, die nicht mal selbt die Trümmer wegräumen) und vorauseilender Gehorsam gegenüber Brüssel. Pferdefleisch aus Polen und Zuchtlachs wäre, wenn schon, auch mal eine Untersuchung wert! Antworten


Juerg Schwaller

22.03.2011, 14:41 Uhr
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Herr Hofer, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen:"HÖSELERNATION" ! Unsere Obrigkeitshörigkeit ist echt peinlich. Die ganze Welt soll doch verrecken; ist egal solange es die CH nicht tangiert ! Das Heer von Schweizer Klugscheissern "Experten" und demokratisch gewählten Politikern zeigt der ganzen Welt wieder mal, wie man die Dinge richtig anpackt. ZUm Kotzen! Antworten



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