Leuenberger will, dass Pendler öfter zu Hause bleiben
Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 22.04.2010 47 Kommentare
Realistisch?: Das «Home Office» als umweltfreundliche Alternative.
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Der Appell klingt verlockend: «Bleiben Sie doch mal zu Hause», wird Moritz Leuenberger heute den Schweizerinnen und Schweizern sinngemäss ans Herz legen. Doch wer dabei an amtlich bewilligtes Blaumachen denkt, hat sich zu früh gefreut: Der Umweltminister wirbt für den ersten «nationalen Home Office Day», der am 18. Mai unter dem Patronat der Bundesämter für Energie und für Berufsbildung stattfinden wird. Dessen Ziel: die Berufstätigen zu motivieren, öfters mal von zu Hause aus zu arbeiten. So schone man die Umwelt, gewinne an Lebensqualität und könne dank geteilten Arbeitsplätzen erst noch Kosten sparen, argumentieren die Organisatoren.
Aus der Wirtschaft kam denn auch der Anstoss für diesen Tag. Zu den Initianten gehören etwa Microsoft, Swisscom und LeShop.ch, Firmen also, welche die Heimarbeiter mit Computern, Leitungen und Proviant ausstatten können. «Ich finde das etwas komisch», sagt Doris Bianchi vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) zu Leuenbergers Engagement in diesem Bereich.
Mehr Platz im Zug
Die Organisatoren betonen indes, es gehe ihnen weniger um den eigenen Nutzen als um den der ganzen Gesellschaft. Für Leuenberger stehen dabei die Umwelt- und Verkehrsprobleme im Zentrum, die das Heer der Pendler täglich auf Strasse und Schiene verursacht.
Gemäss Statistik arbeiten knapp 60 Prozent der Schweizer ausserhalb ihres Wohnortes. Ihr einfacher Arbeitsweg ist im Schnitt 12 Kilometer lang und wird in etwa 20 Minuten zurückgelegt. Experten gehen nun davon aus, dass 450'000 dieser Pendler problemlos einen Tag pro Woche zu Hause arbeiten könnten. Allein dadurch liessen sich wöchentlich 4,5 Millionen Autokilometer, 2,6 Millionen Bahnkilometer und 1400 Tonnen C02 einsparen.
Glaubt man internationalen Studien, macht der Wegfall des lästigen Pendelns die Mitarbeiter auch glücklicher: Es bleibt ihnen mehr Raum für die Tagesgestaltung, für Freizeit und für die Familie. Und nicht zuletzt könnte auch die Wirtschaft profitieren. Denn die Heimarbeit soll es erlauben, Bürofläche einzusparen und so die Kosten pro Arbeitsplatz um bis zu einem Drittel zu senken. Zudem gehen die Promotoren davon aus, dass die Menschen zu Hause viel produktiver arbeiten als im Büro.
Solche Aussagen lassen die Gewerkschaften aufhorchen. Man sehe in der Heimarbeit für gewisse Branchen zwar durchaus Potenzial und Chancen, heisst es bei der Unia. Handkehrum bestehe die Gefahr, dass diese Arbeitsform missbraucht werde. Telearbeit bestehe heute leider vielfach in Arbeit auf Abruf, bei welcher die Firma den Nutzen habe und der Arbeiter das Risiko, sagt SGB-Fachfrau Bianchi. Zudem drohen Probleme, auf die ebenfalls in Studien hingewiesen wird: soziale Isolation, mangelnde Unterstützung und eine Zunahme von versteckter und unbezahlter Arbeit. Der Bieler SP-Nationalrat Ricardo Lumengo hat darum bereits gefordert, dass Telearbeiter vom Gesetz besser geschützt werden.
Leuenberger musste ins Büro
Dazu sieht der Bundesrat indes keinen Anlass. Die Heimarbeiter seien durch das Arbeitsrecht ausreichend abgesichert, beschied er Lumengo, es brauche keine neuen Regeln. Umgekehrt wird sich Leuenberger aber davor hüten, das Home Office nun als Regelfall oder gar als Sparprogramm zu propagieren. Man sehe darin vielmehr eine begrenzte Möglichkeit, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bringen, sagt ein Departementssprecher.
Diese Grenzen bekam Leuenberger im Vorfeld seines Auftritts auch selber zu spüren: Er wollte sich eigentlich heute von zu Hause aus in die Medienkonferenz einklinken. Doch das Vorhaben scheiterte – der Bundesrat musste wegen dringender Termine ins Büro. ()
Erstellt: 21.04.2010, 23:13 Uhr
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47 Kommentare
Wenn die Wohnung zum Büro wird, soll der Arbeitgeber sich auch in angemessener Weise an den Wohnungskosten und der nötigen Infrastruktur beteiligen müssen. Doch im Arbeitsgesetz und OR sucht man vergeblich nach solchen Bestimmungen. In der Praxis heisst das, dass das Unternehmen auf Kosten des Arbeitnehmers spart. Moritz Leuenberger, bitte mehr Realitätssinn, sind Sie noch in der SP? Antworten
Ja, ja wer's glaubt: Scheinbar sind linke Politiker sehr empfänglich für Lobbying. Hand auf's Herz Herr Leuenberger, glauben Sie ernsthaft, dass den Trägern des HO-Day , wie etwa Microsoft, Swisscom oder LeShop.ch die Natur und das Wohl der Arbeitnehmer am Herzen liegt? Wohl eher Gewinnmaximierung durch den Verkauf der eigenen Produkte. Kann man wirklich so naiv sein? Antworten
@ cristiano safado: wo BR Leuenberger Recht hat, da hat er Recht. Energie (Strom, Oel) ist noch immer viel zu billig! Sie werdens sicher noch miterleben, dass sich ein langer Arbeitsweg nur noch vermögende Personen leisten können, da macht die Arbeit zuhause durchaus Sinn. Für den Arbeitgeber ist die Idee auch interessant, sie kommt nur etwa 20 Jahre zu früh, aber dann ist Leuenb. sicher noch BR. Antworten
Das ist ein guter Appell unseres Bundesrates. Ich denke, es braucht in naher und ferner Zukunft physikalische Präsenz am Arbeitsort. Eine Verschiebung zur vermehrten Anteil der Arbeitszeit im Home Office bedingt einen kulturellen Wandel. Nehmen wir uns dafür Zeit. Ich bin ein Freund des öffentlichen Verkehrs, aber skeptisch zu den Szenarien Bahn 2030 (oder ähnlich). Es braucht dann nicht so viel. Antworten
Eine gute Idee und bei vielen Schreibtisch-Jobs mit der heutigen Technologie, auch ohne Industrie-Internet, sehr leicht umzusetzen. Leider ist die Akzeptanz dafür, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, nicht sehr gross. Neid von Mitarbeitern, misstrauische Vorgesetzte! @Holmes: ich habe nicht verstanden wofür sie BR Leuenberger verantwortlich machen? Antworten
Bei vielen Arbeiten die wir gerade in der IT-Branche erledigen ginge dies problemlos. Die Firmen könnten Labtops mit entsprechender Infrastruktur stellen, der MA installiert bei sich einen guten DSL Internetzugang. Ich habe schön einiges offline von zu Hause aus erledigt. Dies ist Zukunft und wird in wenigen Jahren normal sein. Klar werden einige es nicht schaffen (Disziplin). Antworten
Es gibt mehrere länder und auch firmen wo dies gefördert wird. ING (grossbank in NL) hat bereits in 1995 die 4x9 stunden woche eingeführt damit nur 4/5 der damaligen büroplätze gebraucht werden. Feste büros wurden abgeschafft. Dazu wird home office noch gefördert (durch die firma, nicht durch den staat). Die anwesendheitspflicht ist altmodisched denken (für viele berufe). Antworten
Tim Ferris, Autor des Bestsellers “The 4 Hour Workweek” (26 Sprachen) propagiert ja bekanntlich als 1. Schritt: einen Tag pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten - aber viel effizienter und effektiver als im Grossraumbüro, kein Pendeln, keine unnötigen Telephone, keine sinnlosen Meetings. Die gleiche Arbeit ist dann in der halben Zeit erledigt, das gibt Freiraum, den man sinnvoll nutzen kann! Antworten
Klar, homeoffice ist eine gute Sache! Doch nur sehr beschränkt möglich (je nach Stelle, Art der Arbeit). Persönliche Kontakte sind nämlich durch nichts zu ersetzen, etwas was vor allem Leute vehement vertreten die bereits Erfahrungen mit zuhause arbeiten gesammelt haben. Für mich ist das eine gute Alternative, dann und wann, je nachdem was grad ansteht. Aber sicher kein genereller Lösungsansatz. Antworten
Vorausgesetzt der Tages Anzeiger gibt hier korrekte Informationen, so darf man behaupten - BR Leuenberger und sein Department gehören ersetzt. Ein sehr grosser Prozentsatz der Arbeitnehmer sind eben gerade NICHT fähig selbständig von zu Hause aus zu arbeiten. ZUR Arbeit gehen zu können, bietet oft die nötigen (weichen) Strukturen - die nötig sind um überhaupt produktiv zu sein, dabei zu sein. Antworten
Wie lange es doch gebraucht hat, bis jemand mit einer grösseren Werbewirkung auf diese Idee gekommen ist. Ich selber arbeite seid vielen Jahren von zu Hause aus und das funktioniert super. Ich bin überzeugt tausende von Arbeitnehmern könnten das genau so gut, sie würden Zeit sparen und die Umwelt weniger belasten. Soziale Vereinsamung? Stöpsel im Ohr und 20 Minuten lesen können sie auch zu Hause. Antworten
Die gleiche Schnapsidee aus dem Hause Leuenbergers, wie dazumal der Aufruf an die Arbeitgeber durch Couchepin, vermehrt Invalide einzustellen. Die Arbeitgeber sagen aus politischen Gründen ja zu einer Idee wohl wissend, dass sich diese wiederum in der Praxis in Rauch auflöst. Die Arbeitgeber wollen, von Ausnahmen mal abgesehen, die totale Kontrolle ihrer Arbeitnehmer während der Arbeitszeit. Antworten
Das Arbeitslosengesetz produziert sicher viele Pendler. Warum schicken die RAV's die Arbeitsuchenden immer noch durch die halbe Schweiz auf Stellensuche? Habe schon oft Inserate von Gastrobetriebe vom rechten Zürichseeufer in RAV-eigenen Werkhöfen in Zug gesehen. Antworten
ENDLICH fällt herr leuenberger mal etwas gescheites ein! mit der heutigen technik wäre das schon längst möglich. ich arbeite schon seit bald 20 jahren so. musste aber mit den jeweiligen bossen hart darum kämpfen. nur so konnte ich alleinerziehend 100% arbeiten und dennoch zeit für meine tochter haben.klar es geht nicht überall, aber da wo es geht, sollte es unbedingt eingeführt werden! Antworten
Tja ausnahmsweise wäre das mal ein guter Vorschlag von Hrn. Leuenberger! Leider ist er kaum durchsetztbar, da ja sämtliche bei uns in der Firma mit Laptop's ausgestattet werden müssen, plus noch zusätzlich einer schnellen Leitung damit man auch sicher Online arbeiten kann! Tja ich habe ja schon lange das Gefühl das die Luft im berner Parlament besonders dünn zu sein schein! Antworten
Der Vorschlag kommt genau aus der richtigen Ecke. Wenn alle Politiker mit ihrem Betreuungsstab statt in der Weltgeschichte rumfliegen würden, Videokonferenzen abhalten würden, könnte einiges eingespaart werden und der "Büezer" weiterhin pendeln. Die Personenfreizügigkeit soweit regulieren, damit nicht Jobsharing das neue Zauberwort der Zukunft wird und dafür alle "etwas Arbeit" haben. Antworten
Tolle Idee. Bin aber mal gespannt, was BR Leuenbergers Kollegen aus dem Finanzdept. dann sagen, wenn wir alle unser Arbeitsgerät (PC ...) und die zu Hause eingerichteten Büroräume von der Steuer absetzen wollen. Bei mir hiess es bis jetzt jedenfalls immer "Njet", trotz nachgewiesenem Bedarf. Antworten
Kein Freund Leuenbergers muss ich ihm für einmal Recht geben. Es gibt mir zu denken, dass ich selbst - wie viele andere - täglich ins Büro pendle, andern einen Sitzplatz in der S-Bahn "wegnehme" und die Umwelt zusätzlich belaste für etwas, das ich mit der heutigen Technologie auch von zu Hause aus erledigen könnte. Antworten
noch so gern! soll herr leuenberger mal mit meinem management reden, die erlauben so was nämlich nicht, ich arbeite mit vertraulichen kundendaten! denkt er im ernst, die pendler gingen freiwillig alle zu einer bestimmten zeit ins büro und würden nicht gern mal von daheim arbeiten? klappt nur halt nicht! Antworten
Selbst wenn tatsächlich 450'000 Pendler einen Tag pro Woche zu Hause arbeiten würden, dann wären lediglich 90'000 pro Tag weniger unterwegs. Angesichts der gegenwärtigen Zuwanderung gäbe das nur eine kleine Verschnaufpause bei den überlasteten Strassen und Bahnen. Antworten
Nachdem erschwinglicher Wohnraum in Städten wie Zürich eliminiert wurde ... habe ich einen Pendler-Arbeitsweg von über 3 Stunden täglich auf mich zu nehmen. Verständlicherweise begrüsse ich jede Initiative, um in häuslicher Ruhe und bei frischer Luft arbeiten zu können, anstatt im Lärm/Gestank der Stadt mit einer Klimaanlage. Das schont Ressourcen und erhöht meine Lebensqualität wie Produktivität. Antworten
Die klügste Aussage von Herrn Leuenberger seit langem. Die Kritik des SGB ist schwer nachvollziehbar, denn soziale Isolation droht nur den Leuten, die eh schon keine Freunde aus dem privaten Umfeld haben. Aber genau diesen Menschen hilft Telearbeit am meisten, da sie dann ihr Leben wieder vermehrt selber gestalten müssen, was ganz neue Möglichkeiten in der Freizeitgestaltung eröffnet. Antworten
Mein Gott seit Ihr naiv. Leuenberger sagt Dies und Das. Verlangt doch mal die internen Richtlinien von Leuenbergers Ämtern zur Telearbeit. Da sieht es schon ganz anders aus. Aber eben, das wäre dann Recherche und die heutigen Journis kennen nur noch "Kopieren" - "Einfügen" Antworten
Ich kann dazu sagen dass ich seit Jahren Telearbeit betreiben kann (IT Branche). Ich schätze diese Arbeitsform sehr, jedoch möchte ich dies nicht 100% so handhaben. Wie im Bericht geschrieben, darf der soziale Aspekt nicht vergessen werden. Andererseits ist der Schweizer noch nicht soweit (wie meist). Heimarbeit, so hört man of, ist zu Hause abhängen und ab und zu mal was machen. Ich sage dem Neid Antworten
"Ich finde das etwas komisch" - ist das das einzige was der SGB dazu zu sagen hat ? Endlich schläge einmal etwas vor, dass das Berufsleben vereinfachen würde und das einzige was die Gewerkschaften dazu sagen ist "komisch" ? Daran sieht man deutlich die Unprofessionalität dieses "Vereins". Es ist halt nicht deren Idee - da kann man ja nicht 100% dahinterstehen. Antworten
Soweit kommt's noch! Jetzt sollen auch noch die Arbeitsplatz- samt Infrastrukturkosten zu Lasten der Arbeitnehmer gehen oder glaubt wirklich jemand, dass die AN für die Zurverfügungstellung des kompletten Arbeitsplatzes auch eine entsprechende Entschädigung kriegt...? Am Schluss arbeiten wir alle nur noch wie Sklaven für einen mikrigen Lohn, der kaum reicht um alle Lebenshaltungskosten zu decken. Antworten
Was für ein Träumer! Zuerst musste man im Sinne der Globalisierung bereit sein, einen Job anzunehmen der nicht gerade um die Ecke liegt... "25 km Arbeitsweg sind locker zumutbar, in der heutigen Welt blah blah.... Mobilität ist alles" und so weiter. Und nun solche Träumereien von einem Bundesrat, der leider nicht mehr in die heutige Zeit passt. Bitte endlich abtreten, Herr Leuenberger. Antworten
Ich habe das Glück, einen guten Teil meiner Arbeit von zu Hause aus erledigen zu können - der Gewinn an Lebensqualität im Vergleich zu der zeitfressenden Pendlerei ist eklatant. Ich möchte nie mehr jeden Tag ins Büro reisen. Etwas verwundert bin ich über die ablehnende Haltung der Gewerkschaften, die erwähnten Problem (Isolation, etc.) stellen sich bei 1-2 Home-Office-Tagen pro Woche kaum. Antworten
Ein guter Ansatz, aber als Einzellösung nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Wünschenswert ist auch, dass sich M. Leuenberger endlich dafür einsetzt, dass der Flughafen Zürich nicht als Drehscheibe für Billigtouristen von ganz Europa, die ausser dem Flughafen und den Airlines KEINEN wirtschaftlichen Nutzen bringen, auf Kosten der Umwelt, missbraucht wird. Antworten





Fabio Marti
Wieso git es hier Leute, die Homework zu machen und immer wieder an der Firma herumnörgeln, sie spare Quadratmeter auf die Kappe der Mitarbeitenden, sie solle sich an der Infrastruktur zuhause beteiligen usw. Seid einfach glücklich darüber, dass ihr diese Möglichkeit habt. Es gibt Arbeitnehmer, die würden den kleinen Finger dafür geben. Antworten