Schweiz

«Leuenbergers Sprüche gehören an den Stammtisch»

Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 19.04.2010

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sitzt derzeit in Seoul fest – und ärgert sich über die humoristischen Aussagen des Verkehrsminister Moritz Leuenberger.

1/8 Der Eyjafjallajökull spuckt gewaltige Aschewolken in die Luft.
Golli/Kjartan Þorbjörnsson

   

Christian Wasserfallen ist FDP-Nationalrat. Zusammen mit zwei Nationalratskollegen sitzt er derzeit in Südkorea fest, woher sie planmässig am Sonntag hätten zurückkehren sollen. Wasserfallen beschäftigt sich politisch unter anderem mit Verkehr, Energie und Umwelt. (Bild: Keystone )

«Zäsur tut gut»

Moritz Leuenberger nahm das europäische Flug-Chaos von der lockeren Seite. «Leider bin ich in der Schweiz. Wissen Sie, dass ich es bereue, dass ich nicht gerade eine Konferenz auf Bali hatte?», sagte er der Zeitung «Sonntag». Und weiter: «Ich merke bei mir, dass eine solche Zäsur gut tut. Sie bringt eine gewisse Leichtigkeit in schwere Themen.» Schon zuvor hatte er gewitzelt, er sei froh, könne man ihm in diesem Fall keinen Vorwurf machen: «Das Gute beim Vulkanausbruch ist: Niemand ist schuld. Nicht einmal die Sonntagszeitungen werden Rücktritte verlangen können, ausser vielleicht gegenüber Petrus», sagte er dem Schweizer Fernsehen. Er selbst hat mit solchen Scherzen angeblich kein Problem, wie er im «Sonntag» beweist: «Der vermeintliche Anspruch, jederzeit um den Globus fliegen zu können, ist tief verwurzelt. Da darf man sich offenbar keinen Witz erlauben.»

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Herr Wasserfallen, Moritz Leuenberger sagte in Interviews sinngemäss, das Chaos sei eine erholsame Pause, er würde selbst gerne in Bali festsitzen. Sie selbst sind derzeit in Seoul und kommen nicht weg. Wie klingt das für Sie?
Das ist eine Bemerkung, die man an einem Stammtisch machen kann. Aber nicht als Bundesrat gegenüber der Öffentlichkeit. Zehntausende von Leuten würden gerne in ihre Heimat zurückkehren, ihre Familien treffen oder Geschäftstermine wahrnehmen. Für all jene ist Leuenbergers Bemerkung ein Affront. Meines Erachtens ist er amtsmüde. Offenbar sieht er in der Sache nicht mehr ganz durch.

Sie hätten vom Verkehrsminister etwas Aufbauenderes erwartet?
Ganz klar, ja. Fluggesellschaften verlieren Hunderte von Millionen, diverse Güter können nicht mehr geliefert werden, es gibt etliche Versicherungsfälle. Nun zu sagen, die Ruhe tue gut, geht in die falsche Richtung.

Der Verkehrsminister ist dafür bekannt, auch wenn es ernst gilt, einen Witz zu reissen.
Auch ich bin ein humorvoller Mensch. Aber während in manchen Situationen eine humoristische Bemerkung angebracht ist, lässt man sie in anderen lieber sein.

Hat die Schweizer Flugsicherungsbehörde den Luftraum zurecht gesperrt?
Ja. Rund um die Schweiz sind die Lufträume geschlossen. Nichts geht mehr. Dass die Schweiz da aufs Ausland schaut, ist völlig verständlich. Zumal es auch Bestrebungen für die Einrichtung eines «Single European Sky» gibt, also eines einheitlichen europäischen Luftraums.

Sie wirken leicht genervt. Wie schlimm ist es für Sie, dass Sie derzeit nicht vom Fleck kommen?
Auch ich hätte wichtige Termine wahrzunehmen, wie etwa Kommissionssitzungen. Auch wäre ich morgen gerne zum SCB-Match gegangen. Stattdessen in Südkorea festzusitzen, ist mühsam. Für viele andere haben die Flugausfälle aber viel entscheidendere Konsequenzen. Wir halten hier die Ohren offen, wie es mit dem Rückflug aussieht. Mehr als warten können wir aber nicht tun.

Wann rechnen Sie mit einer Rückkehr?
Das bestimmt allein der Vulkan. Verstärkt sich seine Aktivität, wird sich unsere Heimreise weiter verzögern. Doch die Fluggesellschaften werden noch mehr Druck aufsetzen, so dass der eine oder andere Flughafen bald wieder aufmachen könnte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.04.2010, 12:07 Uhr

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