Liebe statt Krise: Heiratswillige stürmen die Zivilstandsämter

Aktualisiert am 15.06.2009 11 Kommentare

Die Schweizer Zivilstandsämter erleben zurzeit einen Ansturm von Heiratswilligen. Einer der Gründe dafür ist die Wirtschaftskrise.

Blasen zum Sturm auf die Standesämter: Heiratswillige Frauen.

Blasen zum Sturm auf die Standesämter: Heiratswillige Frauen. (Bild: Keystone)

Die Nachfrage nach Hochzeitsterminen ist gross, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur AP ergab. Laut Expertenmeinung könnte auch die Wirtschaftskrise dazu beigetragen haben, dass das Interesse am Bund der Ehe gestiegen ist.

«Wir erleben einen regelrechten Ansturm», sagte Willy Zimmermann, Leiter des Zivilstandsamtes St. Gallen. Seit dem vergangenen Frühling sei sehr viel los. Die Nachfrage sei überdurchschnittlich gross. Es würden sowohl zahlreiche Ehevorbereitungen als auch Trauungen durchgeführt. Auch beim Zivilstandsamt Zürich haben die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. «Wir haben viele Anmeldungen», sagte Roland Peterhans, Co-Leiter des Zivilstandsamtes Zürich. Dies könne aber auch damit zusammenhängen, dass neue Traulokale zur Verfügung stünden. «Zum Teil trauen wir am selben Tag an drei bis vier Orten, früher stand nur ein Trauzimmer zur Verfügung», erklärte er. Rein subjektiv habe man den Eindruck, dass die Zahl der Trauungen über dem Vorjahr liege, sagte die Stellvertretende Leiterin Mirjam Cattin vom Zivilstandsamt Basel-Stadt. Ein Blick auf die Zahlen zeige aber, dass gleich viele Eheschliessungen durchgeführt oder angesetzt worden seien wie im starken Vorjahr. Allerdings sei das Interesse gestiegen. Es gebe sehr viele Anfragen, wie Cattin erklärte.

Ein möglicher Grund für den vermehrten Wunsch nach einer rechtlich eingetragenen Bindung stellt die Wirtschaftskrise dar, wie Oliver Fiechter vom St. Galler ISG Institut sagte. Das Institut hat mit Swiss Spirit fünf Wertestudien gemacht und dabei rund 1300 Schweizerinnen und Schweizer befragt. Dabei wurden 175 Werte analysiert. Laut Fiechter lässt sich dabei feststellen, dass in den zwölf Monaten seit Beginn der Wirtschaftskrise eine starke Verschiebung von den materiellen Werten zu immateriellen Werten stattgefunden hat. Dies bedeute eine Verschiebung vom Lebensstandard zur Lebensqualität.

Attraktivität hat stark verloren

Seien die immateriellen Werte vor zehn Jahren auf einer Wichtigkeitsskala noch bei 5,3 gelegen, stünden sie nun bereits bei 8,3. Der soziale Zusammenhalt und die Partnerschaft hätten dabei extrem an Bedeutung gewonnen. Bei der grossen Erwartungshaltung in diesem Bereich sei der Erfüllungsgrad aber niedrig geblieben. «Das führt dazu, dass Paare, die sich in wirtschaftlich guten Zeiten nicht sicher waren, nun in wirtschaftlich weniger guten Zeiten zum Heiraten entscheiden», sagte Fiechter. Eine andere Studie zeige zudem, dass die früher sehr wichtige Grundpräferenz für eine Partnerschaft, die Attraktivität dank gutem Aussehen oder Geld, stark an Wichtigkeit verloren hat.

Wichtiger sei in den Zeiten der Wirtschaftskrise nun eine starke Werteübereinstimmung mit dem Partner. «Man will sich verstanden wissen und nicht nur materielle Sicherheit sondern auch emotionale Geborgenheit», sagte Fiechter. Das Bekenntnis zur Ehe sei dabei die stärkste Ausdrucksform. Mit jemandem im Konkubinat zusammen leben könne man auch aus zweckmässigen Gründen. Der Wunsch nach einer Ehe sei dabei emotionaler, langfristiger und nachhaltiger. (sam/ap)

Erstellt: 15.06.2009, 08:58 Uhr

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11 Kommentare

Karl Bauer

15.06.2009, 08:57 Uhr
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Hört, hört:..."früher sehr wichtige Grundpräferenz für eine Partnerschaft, die Attraktivität dank gutem Aussehen oder Geld, stark an Wichtigkeit verloren hat.". Dafür nimmt die Wichtigkeit des Geldes mit den Jahren zu, nämlich spätestens dann, wenn die Getrauten statt vor dem Pastor vor dem Richter stehen, aber eben: eine Ehe wird ja nie aus materiellen Gründen eingegangen, NIE im Leben! Antworten


Thomas Heiss

15.06.2009, 09:01 Uhr
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Im letzten Absatz geht gerade "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" unter. In der Krise ins private und nur in der Konjunktur selbstbestimmt. Die Schönwetterkarierefrauen tun der Gleichberechtigung nicht gut Antworten



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