Schweiz

Löhne locken Lehrer nach Zürich

Von Simone Rau. Aktualisiert am 20.05.2011 10 Kommentare

Im Kanton Zürich geht der Lehrermangel spürbar zurück. Anders in den Nachbarkantonen: Die Lage hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschärft.

Wo ist der Lehrer? In dieser Schule in Davos ist alles in Ordnung, er ist nur nicht auf dem Bild zu sehen.

Wo ist der Lehrer? In dieser Schule in Davos ist alles in Ordnung, er ist nur nicht auf dem Bild zu sehen.
Bild: Keystone

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Das Zürcher Volksschulamt gibt Entwarnung: Der Lehrermangel gehe vor allem in der Primarschule spürbar zurück. Acht Wochen vor den Sommerferien sind noch 300 Stellen für Klassen- und Fachlehrpersonen unbesetzt. Vor einem Jahr waren es 420.

Anders klingt es in den Nachbarkantonen: «Die Lage hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschärft», sagt Walter Berger, Chef des Volksschulamtes Thurgau. Während vor einem Jahr noch 15 bis 20 Bewerbungen auf eine Stelle eingegangen seien, würden sich jetzt «nur noch ein paar oder gar keine Lehrer mehr» melden. Schwieriger geworden sei die Situation vor allem in der Primarschule, wo die Schülerzahl ansteige und deshalb mehr Lehrer nötig seien. Das allein reiche als Erklärung aber nicht aus: «Ein weiterer Grund für den Rückgang könnten die Löhne in Zürich sein.» Dort verdient ein Neueinsteiger in der Primarschule ab dem Sommer 90'000 Franken – 15'000 mehr als im Thurgau.

Guter ÖV als Anreiz

Dank der guten ÖV-Verbindungen sei es kein Problem, im Thurgau zu wohnen und in Zürich zu arbeiten, sagt Berger. «Wenn man günstig wohnen bleiben kann und in Zürich viel verdient, kann das ein Anreiz zur Abwanderung sein.»

Auch in Schwyz spürt man den Lohndruck aus Zürich. «Einige Lehrer sind abgewandert», sagt Markus Probst, der dem Amt für Volksschulen vorsteht. Über konkrete Zahlen verfüge er nicht, doch sei bereits jetzt klar, dass man auch dann nicht mit den Zürcher Löhnen mithalten könne, wenn man die eigenen erhöhe. Derzeit läuft in Schwyz eine entsprechende Vernehmlassung. Anspannung ist auch in Schaffhausen spürbar – trotz leicht rückgängiger Schülerzahlen: «Die Situation ist prekärer als letztes Jahr», sagt Heinz Keller, Leiter der Dienststelle Primar- und Sekundarstufe I. Er könne noch nicht abschliessend beantworten, ob die hohen Zürcher Löhne der Grund für den Bewerbungsrückgang seien. Aber denkbar sei es durchaus. Man führe intensive Gespräche über Gegenmassnahmen. Auch verkürzte Ausbildungen würden diskutiert. Eine solche Kurzausbildung für Primarlehrer bietet seit Februar der Kanton Zürich. Bereits sind 64 Quereinsteiger auf Stellensuche. Diese Massnahme wird denn auch als einer der Hauptgründe für die Entschärfung der Lage angeführt. Der zweite: Studierende der Pädagogischen Hochschule Zürich können im letzten Studienjahr ausnahmsweise zu zweit eine Klasse übernehmen.

«Lohnerhöhung hat Signalwirkung»

Die erhöhten Löhne hingegen könnten nicht mit dem Rückgang des Lehrermangels in Verbindung gebracht werden, sagt Martin Wendelspiess, Chef des kantonalen Volksschulamtes. Ein klares Indiz dafür sei der Umstand, dass die Situation in der Sekundarschule noch immer «problematisch» sei – obwohl auch hier die Löhne erhöht wurden. Wie viele der Stellen mit Berufseinsteigern aus Nachbarkantonen besetzt wurden, sei schwierig zu sagen. «Wir haben unsere Löhne nicht erhöht, um Lehrer in anderen Kantonen abzuwerben. Aber politisch hat es sicher geholfen.»

Nicht erstaunt über die Abwanderung von Lehrkräften nach Zürich ist Beat W. Zemp, Zentralpräsident des Schweizerischen Lehrerverbandes: «Eine solche Lohnerhöhung hat Signalwirkung.» Andere Kantone müssten nachziehen, damit sich der Lehrermangel nicht noch mehr verschärfe. Bereits reagiert haben die beiden Kantone Aargau und Wallis. In Bern wird das Lohnsystem derzeit überprüft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2011, 22:43 Uhr

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10 Kommentare

Lucas Cannolari

20.05.2011, 10:09 Uhr
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90'000 Einstiegslohn ist für die erforderliche Ausbildung schlicht und einfach viel zu hoch. Damit werden falsche Anreize geschaffen. Viele Leute werden sich in Zukunft primär wegen des tollen Einstiegsgehalts, des niedrigen Arbeispensums und weiterer Privilegien für den Lehrerberuf entscheiden. Ob das zum Wohle der Kinder ist? Antworten


Rolf Bänziger

20.05.2011, 14:35 Uhr
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Da die Kommentatoren alle diesen hervorragenden Lohn, die tolle Arbeit mit den immer netten, gut erzogenen Kleinen und die wunderbare, stets auf Konsens steuernde Zusammenarbeit mit Eltern und Behörden mit unendlich viel Freizeit so schätzen - also auf an die PH und Ausbildung zur Lehrkraft machen. Warum gibt es trotzdem einen Lehrermangel? Komisch... Antworten



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