Schweiz

Lugano testet einen Freiluft-Staubsauger

Von René Lenzin, Lugano. Aktualisiert am 25.06.2009 4 Kommentare

Mit einer neuartigen Filteranlage versucht Lugano, Schadstoffe im Stadtzentrum zu eliminieren. Solche Staubsauger möchte der Hersteller künftig auch in der übrigen Schweiz aufstellen.

Sieht aus, wie ein Marroni-Häuschen: Der Staubsauger filtert Feinstaub und Stickoxide aus der Luft.

Remy Steinegger

Schadstoffkonzentration in der Luft

Von weitem sieht es aus wie ein Kiosk. Oder ein überdimensioniertes Marroni-Häuschen. Doch von nahe ist es ein Hightech-Pavillon für saubere Luft, eine Art Freiluft-Staubsauger für die Stadt. Das rund vier Meter lange und hohe Gerät saugt verschmutzte Luft ein, filtriert Feinstaub und Stickoxide heraus und stösst die derart gereinigte Luft wieder aus. Zurzeit wird die Filteranlage der italienischen Firma Systemlife in Lugano getestet.

Rund 10'000 Kubikmeter Luft kann die Anlage gemäss Firmenangaben pro Stunde umwälzen. Das sind 12'000 Mal mehr als ein Mensch einatmet. Der theoretische Aktionsradius des Freiluft-Staubsaugers beträgt 500 Meter. In der Praxis hängt die Reichweite allerdings von der Höhe der umliegenden Gebäude und von den Windverhältnissen ab.

17 Filterhäuschen hat Systemlife in Italien bereits ausgeliefert, 30 weitere sollen im südlichen Nachbarland demnächst in Betrieb gehen. Zudem arbeitet die Firma an Modellen für geschlossene Räume – zum Beispiel U-Bahn-Haltestellen, in denen die Feinstaubbelastung in der Regel überdurchschnittlich hoch ist.

Der Staubsauger wirkt nur lokal

Mit Lugano versucht Systemlife den Eintritt in den Schweizer Markt. Die Anlage werde der Stadt gratis für einen Testbetrieb zur Verfügung gestellt, sagt Franco Ghezzi, Mitinhaber der Tessiner Firma, welche die Vertriebsrechte für die Schweiz besitzt. Am Test beteiligt ist auch der Kanton Tessin. «Die Anlage funktioniert», sagt Luca Colombo, Chef des kantonalen Umweltamts. Der Filter eliminiere 90 bis 95 Prozent des Feinstaubs aus der eingesaugten Luft. Es sei allerdings noch zu früh, die effektiven Auswirkungen auf die Luftqualität zu beurteilen. Denn die Ergebnisse von zwei Messstationen in 10 und 50 Meter Entfernung stünden noch aus.

Eines, so Colombo, sei jedoch klar: «Die Anlage hat nur lokalen Effekt und kann nicht die Umweltprobleme Luganos aus der Welt schaffen.» Zwar handle es sich beim Versuchsbetrieb um einen sinnvollen Einsatzort mit hohem Verkehrsaufkommen und vielen Leuten, die auf den Bus warteten oder im Stau stünden. Aber für bessere Luft brauche es weitere Massnahmen. Das sieht auch Franco Ghezzi so: «Die Filteranlage ist eine Hilfe, aber keine Lösung des Problems.»

Noch nie so saubere Luft wie 2008

Das Bundesamt für Umwelt beurteilt den Einsatz der Filteranlage eher skeptisch und setzt auf Massnahmen, welche die Schadstoffe an der Quelle bekämpfen. Dass dies nach wie vor nötig ist, zeigt der jüngste Umweltbericht des Bundes. Danach sind die Schadstoffe in der Luft zwar zurückgegangen, liegen aber immer noch häufig über den Grenzwerten.

Zum gleichen Befund kommt der Kanton Tessin, der gestern einen Bericht zur Luftqualität im Jahr 2008 vorgestellt hat. Noch nie sei die Luft in den letzten Jahren so gut gewesen wie 2008, sagte Umweltdirektor Marco Borradori. Trotzdem könne man noch nicht zufrieden sein. Sorgen bereiten Borradori insbesondere die Feinstaub- und Ozonwerte, die im Jahresschnitt deutlich über den Grenzwerten liegen. Schwierig sei vor allem die Bekämpfung des Ozons, weil dieses zur Hälfte nicht aus lokalen Quellen stamme, sondern importiert werde. Dagegen hilft kein Staubsauger.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2009, 22:10 Uhr

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4 Kommentare

Stefan Meier

26.06.2009, 11:27 Uhr
Melden

Symptombekämpfung. Würde mich nicht wundern, wenn der Staubsauger noch mit einem Dieselmotor angetrieben würde. Antworten


Ronnie König

26.06.2009, 11:49 Uhr
Melden

Also, wenn der Staub aus der Luft ist, ist er noch lange nicht verschwunden! Sondermüll? Zuerst analysieren und dann auf eune Gruppe von Verursachern losgehen. Verbote erfinden. Politbetrieb blockieren. Oder ist vermeiden nicht einfacher? Weniger Dräck! Antworten



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