Schweiz

Mais ums Putz-Personal im Bundeshaus

Von Gregor Poletti. Aktualisiert am 27.03.2009

Nach der Aufruhr um den Deo-Befehl brodelts beim Reinigungspersonal des Bundes erneut.

Sauber machen im Ständeratssaal: Die Gewerkschaften befürchten, dass Jobs im Bundesreinigungsdienst verloren gehen.

Sauber machen im Ständeratssaal: Die Gewerkschaften befürchten, dass Jobs im Bundesreinigungsdienst verloren gehen. (Bild: Keystone)

Und schon wieder steht das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) wegen seines Umgangs mit dem Reinigungspersonal in der Kritik. Nachdem das Amt 2005 wegen der menschenverachtenden Hygieneempfehlungen für das Putzpersonal – auch Deo-Befehl genannt – in die Schlagzeilen geriet, versucht das BBL nun die Verantwortung über den Reinigungsdienst abzuschieben. Bisher war das Amt zuständig für die rund 450 Mitarbeitenden. Der Putzdienst soll nun nach den Vorstellungen des BBL an die einzelnen Departemente delegiert werden.

Protestbrief an Merz

Für die Verhandlungsgemeinschaft Bundespersonal (VGB) ist klar: Wenn der zentral gesteuerte Reinigungsdienst vom BBL an die Departemente ausgelagert wird, werden die einzelnen Organisationseinheiten den Reinigungsdienst früher oder später extern vergeben. «Ich habe bereits Signale aus einzelnen Departementen, dass diese das bisherige Reinigungspersonal nicht einfach so übernehmen wollen», betont Christof Jakob, VPOD-Gewerkschaftssekretär, zuständig für das Bundespersonal, auf Anfrage. Das könne von schlechteren Arbeitsverträgen bis hin zur externen Vergabe des Putzdienstes gehen, ist Jakob überzeugt. Das wolle sich die VGB nicht bieten lassen, betont deren Geschäftsführer Rolf Zimmermann: «Wir haben einen Protestbrief an den zuständigen Bundesrat Hans-Rudolf Merz verfasst.» Darin bittet der VGB den Bundespräsidenten, das Projekt zu sistieren: «Nur weil ein Bundesamt Ängste hat, die Erwartungshaltungen der Departemente in Sachen Gebäudeunterhalt nicht zu erfüllen, liegt noch lange kein Grund vor, die Verantwortung abzuschieben.»

Noch nichts entschieden

Das BBL bestätigt auf Anfrage, dass solche Pläne bestehen. Das Reinigungspersonal sei zum Teil mit den individuellen Bedürfnissen der Departemente und Ämtern konfrontiert, die nicht immer mit den geltenden Standards abgedeckt werden, lässt die Kommunikationsabteilung schriftlich ausrichten: «Eine dezentrale Organisation würde beispielsweise mehr Flexibilität in der Einsatzplanung der Reinigungskräfte ermöglichen und die individuellen Nutzerbedürfnisse besser berücksichtigen.» Im ersten Schritt sei das Projekt der Generalsekretärenkonferenz vorgestellt worden, um ihr grundsätzliches Einverständnis einzuholen. Anschliessend sei die Human-Ressource-Konferenz Bund (HRK) unter der Leitung des Eidgenössischen Personalamtes (EPA) informiert worden. «Wir sind im Vorfeld über das Projekt jedoch nicht informiert worden und sind daran auch nicht beteiligt», sagt Roberto Lombardi, EPA-Vizedirektor. Das BBL betont, dass auf Grund dieser Kontakte nun das weitere Vorgehen geplant werde: «Es ist noch nichts entschieden. Entlassungen sind nicht geplant.»

Gute Sozialleistungen

Wer beim Bund Besen und Waschlappen in die Hand nimmt, verdient rund 46000 Franken Bruttojahreslohn (Anfangsgehalt). Dies entspreche etwa einem Stundenlohn von 18 Franken netto, hat Jakob errechnet, was sicher nicht sehr komfortabel sei. Allerdings hätte das Putzpersonal dann im Gegensatz zu vielen privaten Reinigungsinstituten die Möglichkeit, mit den Jahren und der steigenden Erfahrung sukzessive mehr Geld zu verdienen. So kommt ein Reinigungsmitarbeiter beim Bund maximal auf einen Bruttojahreslohn von 64000 Franken.

Aber es sei nicht unbedingt der Lohn, welcher den Bund als Arbeitgeber im Putzbereich attraktiv mache, ist Jakob überzeugt: «Vor allem bei den Sozialleistungen kann der Bund punkten.» So haben etwa Bundesangestellte auch bei einem kleinen Pensum im Gegensatz zu den meisten Privatunternehmen Anspruch auf Rentenleistungen der Pensionskasse. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.03.2009, 10:26 Uhr

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