«Man will lesen, wie neidisch die andern sind»
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 30.11.2010 174 Kommentare
Peter Schneider, Psychoanalytiker. (Reto Oeschger)
Ueli Mäder, Soziologe. (Bild: Keystone )
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Die Reaktionen aus den Nachbarländern auf das Ja zur Ausschaffungsinitiative werden auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet gern gelesen. Davon zeugen auch die vielen Kommentare. Brüssel habe den Schweizer Volksentscheid gefälligst zu akzeptieren, heisst es bei vielen sinngemäss.
Ein Grund für das grosse Interesse am Feedback aus dem Ausland sieht Psychoanalytiker Peter Schneider darin: «Man will lesen, wie neidisch die andern auf unsere direkte Demokratie sind. Darauf, dass wir frei schalten können.» Viele Ausland-Kommentare gingen in diese Richtung. «Wenn wir abstimmen könnten, würden wir auch so entscheiden, heisst es oft. Das wollen die Schweizer hören.»
Die Wut gesteigert
Trotz aller Warnungen, die Initiative sei völkerrechtswidrig und würde die Schweiz vor Probleme stellen, haben die Schweizer Ja gesagt. Peter Schneider bezeichnet es als Trotzaktion. Und bei einer Trotzaktion sei es üblich, auf das Feedback zu schielen. «Wie ein Kind, das provoziert und auf die Reaktion der Erwachsenen wartet.»
Die Warnungen der Rechtsexperten seien nicht nur wirkungslos verpufft, schätzt Schneider. Sie hätten die Wut sogar noch gesteigert und die Hemmschwelle gesenkt.
«Wir sind ja nicht autistisch»
Soziologe Ueli Mäder hält es für ein Glück, dass uns die Reaktion der Nachbarn noch interessieren: «Wir sind ja nicht autistisch.» Mäder befürchtet aber, dass sich viele Leser nur an den Stimmen orientieren, die der Schweiz Recht geben. Man muss auch bereit sein, Irritationen zuzulassen und andere Bilder wahrzunehmen.
Die Schweiz ist sich selbst am nächsten und sieht sich manchmal als Nabel der Welt, sagt Mäder. «Trotz spielt da schon mit.» Er bezeichnet es als selbstgerechten Trotz, der sich gegen internationale Verträge richte, die auch den internationalen Zusammenhalt stärkten.
Berauscht vom eigenen Erfolg
Mit dem Ja zur Ausschaffungsinitiative hätten die Schweizer nicht nur das Ausland provozieren wollen, sondern auch «die Herrschenden in der Schweiz und die hier lebenden Ausländer», sagt Schneider. Er bezeichnet es als «Klassenkampf nach unten».
Die Häufung der rechtswidrigen Initiativen führt Schneider auf eine «Berauschtheit am eigenen Erfolg» zurück. Deshalb wären auch für die Todesstrafen-Initiative genügend Unterschriften zusammengekommen, glaubt er. Das gemeinsame Draufhauen bei Nichtbeachtung der Konsequenzen könne berauschen und zusammenschweissen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.11.2010, 15:51 Uhr
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174 Kommentare
@Morano Ausländische Bewohner unseres Landes sind keine Mitbürger. Um Bürger der CH zu sein, muss man sich einbürgern lassen. Das ist in allen Staaten so. Man hat dann auch Bürgerpflichten: Mlitärdienstpflicht oder -ersatz etc. Zudem haben Ausländer auch Vorteile: 10-20% tiefere Quellenbesteuerung und keine Militärpflicht. Die CH hat bzgl. Gesamtbevölkerung die höchste Einbügerungsrate Europas. Antworten
Eigentlich schade, dass die Diskussion um die angenommene Ausschaffungsinitiative ein so verzerrtes Bild widerspiegelt. Ein normal denkender Schweizerbürger hat bestimmt nichts gegen einen Ausländer, der sich in seinem Gastland auch dementsprechend verhält. Ein Landesverweis für Kriminelle halte ich für richtig, denn sie schaden ja wirklich nur dem guten Ruf der übrigen ausländischen Bevölkerung! Antworten
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