Massive Kritik an Milliardenprojekt der ETH

In Lausanne soll das menschliche Hirn mit Computern simuliert werden – das Projekt kostet über eine Milliarde Euro. Jetzt protestieren 200 Forscher dagegen.

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Schlechte Führung, falsche Fragestellungen: Über 200 Forscher aus ganz Europa haben am Montag in einem offenen Brief das ambitionierte Human Brain Project (HBP) kritisiert. Sie warnen, dass die These des Milliardenprojekts zu eng formuliert sei, und äussern Kritik an der Projektführung.

Der Brief wurde auch von mehreren Schweizer Akademikern unterzeichnet, darunter von Professor Richard Hahnloser vom Institut für Neuroinformatik der Universität und ETH Zürich. Er sprach in der Sendung «Forum» des Westschweizer Radios RTS von einem «grossen Unbehagen in der Schweiz und in Europa» gegenüber dem HBP.

Das HBP steht unter Führung der ETH Lausanne (EPFL) und will das Gehirn mittels neuartiger Supercomputer bis ins Detail simulieren. Es wurde Anfang 2013 von der EU zum Flagship-Projekt erkoren.

Die EU sprach eine halbe Milliarde Euro für das HBP. Den gleichen Betrag sollen die Staaten der über 135 beteiligten Forschungsanstalten in Europa sowie die Wirtschaft beisteuern.

Empfehlungen an die Europäische Kommission

Der offene Brief der Forscher ist an die Europäische Kommission gerichtet. Die zu eng formulierte These habe ein bedeutendes Risiko zur Folge, dass die Ziele verfehlt werden könnten, schreiben die über 200 Forscher.

Falls die Empfehlungen im Brief von der Europäischen Kommission nicht umgesetzt würden, plädierten die Unterzeichnenden dafür, nicht an Partnerprojekten des HBP teilzunehmen, und riefen Kollegen dazu auf, sich ihrer Erklärung anzuschliessen.

Projektverantwortliche weisen Kritik zurück

Gérard Escher, ein Berater des Human Brain Project, hielt gegenüber «Forum» fest, dass manche der Unterzeichnenden von Anfang an gegen das Projekt gewesen seien, wie Herr Hahnloser, «ein Gegner der ersten Stunde».

Bis Mitte 2016 koste das HBP rund 54 Millionen Euro, hielt Escher fest. Erst danach steige die Grössenordnung, und dann könne über das zusätzliche Geld gestritten werden. (sda)

(Erstellt: 08.07.2014, 09:39 Uhr)

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